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Bd. 18 (1879) Vacarius - Zywilsk
Entstehung
Seite
652
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652 Württemberg.

Schirmherrschaft über die Klöster Anhausen, Her-brechtingen und Maulbronn nebst dem Zehnten inHeilbronn. Ulrich ließ durch seinen MömpclgarderLandvogt von der.Herrschaft Blamont Besitz nehmen.Er schied 1512 aus den: Schwäbischen Bunde undbrach, ohne es zu ahnen, dadurch mit der Zukunft;mit Pfalzgraf Ludwig und dem Bischof von Würz-bürg bildete er dann denContrabund". Leider über-ließ er die Regierung seinen treulosen Rathen Lam-parier u. Thumb von Neuburg; u. suchte in Lust-barkeiten Ersatz für seine unglückliche Ehe mit Sa-bine von Bayern, stürzte binnen zehn Jahren dasLand in eine ungeheuere Schuldenlast und drücktees durch Abgaben rc. derart. Laß April 1514 einegefährliche Empörung (der arme Kourad) unterdem Landvolke im Remsthale ausbrach. UnterVermittelung kaiserlicher, würzburgischer, pfälzischer».badischer Commissarien wurde der Streit zwischenUlrich u. Leu Ständen durch den Tübinger Ver-gleich, 8. Juli 1514 geschlichtet: die Stände über-nahmen die Bezahlung von 910,000 Fl., währendder Herzog versprach, ohne ihre Bewilligung keinenKrieg auzusaugen, keine Steuer ausznschreiben undkein Gebiet des Landes zu verpfänden; auch mußteer den Unterthancn das freie Abzugsrecht »erstattenund durfte Niemand ohne richterliches Verhör ver-urtheilen; dies wurden die Grundlagen der wnrt-tembergischen Freiheiten. Bald darauf wurde derBauernkrieg unterdrückt. Am 10. April I5l5 er-schien eine neue Laudesordnung. Als Ulrich 7. Mai1515 seinen Stallmeister Hans von Hutten ansRache ans der Jagd erstochen hatte n. seine gemiß-handelte Gemahlin im Nov.1515 die Flucht ergriss,kam er 11. Oct. 1510 in die Rcichsacht. Zwar ver-sprach Ulrich in dem Vergleich von Blanbeuren, 19.Oct. 1510, dem Laude, statt seiner sechs Jahre langeinRegiment" unter seinen: Namen regieren zulassen, woraus 21. Oct. der Kaiser die Acht zurück-nahm , aber der Herzog handelte nach wie vor ty-rannisch fort. Ulrich von Hutten schleuderte Pfeiledes Abscheus gegen den Herzog, der 17. Juli 1518wegen der allgemeinenKlagen wieder in dis Reichs-acht kam. Als er Jan. 1519 die Reichsstadt Reut-lingen überfiel u. mit seinem Lande vereinigte, weildie Nentlinger seinen Vogt in Achalm erschlagenhatten, so rüstete sich der Schwäbische Bund im Fe-bruar gegen ihn u. eroberte, von Ulrichs Schwägern,den Herzögen von Bayern, angeführt, bis EndeMai 1519 ganz W. Zwar nahm der Herzog, vonKurpfalz unterstützt, 15. Aug. 1519 Stuttgart undrasch einen Thcil des Landes wieder, aber im Oct.1519 eroberte der Schwäbische Bund abermals W.n. Ulrich I. mußte nach der Schweiz fliehen. DerSchwäbische Bund verkaufte .nun das HerzogthnmW. 6. Febr. 1520 für 220,000 Fl. an den KaiserKarl V. Ulrich I. behielt nichts als Mömpelgard u.Hohentwiel. Österreichs Übergewicht in Oberdeutsch-land war durch W-s Erwerb entschieden; Febr. 1520huldigte das Land u. die eingesetzte Negierung batum Einverleibung in Österreich; am 20. Aug.i52lwurde von ihr eine neue Landesorduung erlassen.7. Febr. 1522 trat Karl V. in Brüssel W. an Kö-nig Ferdinand, feinen Bruder, ab u. seit Febr.1525 nannte sich Letzterer Herzog von W. Au: 25.Mai 1522 zog er in Stuttgart ein. 1521 bei derEintheilung des Reichs in Kreise kam W. in den

SchwabischenKreis. Nasch gewann die ReformationEinfluß in W., die Tübinger Universität u. Neuch,lin wirkten gegen die Dunkelmänner, viele Theo-logen widmeten sich selbständigem Bibelstudiniii'trotz der Verfolgung der Reformation durch die Re-gierung, traten ihr Viele heimlich bei, u. selbst dervertriebene Ulrich I. 1523. Der Bauernkrieg von152425 dnrchtobte auch W. u. Ulrich begiiustigieihn, um dadurch seine Rückkehr zu ermöglichen, kan,Febr. 1525 ins Land, scheiterte aber, obgleich ergeradezu einen Bund mit den rebellischen Bauern21. April schloß. Diese wurden besiegt, 0000 sielen.Am 5. Sept. 1530 besteh der Kaiser in AugsburgFerdinand mitW, Ulrich aber rastete nicht, ließ sichseine Rechte von Österreich nicht abkausen , hielt zu-mal fest bei den rcformirten Schweizer Kantonen,von Zwingli persönlich hochgeschätzt, hoffte ans fran-zösische u. schweizerische Hilfe, überließ Mömpelgardmit Dependeuzen 2. Sept. 1520 seinen: HalbbruderGeorg sür Geld u. zog 1527 an den hessischen Hof,wo er bis 1534 blieb. Zn seiner Wiedereinsetzungschlossen Philipp von Hessen u. Heinrich von Braun-schweig 3. April 1530 in Wotfenbnttel einen gehei-men Vertrag, alle Unterhandlungen für ihn beiKarl V. blieben erfolglos. Prinz Christoph, UlrichsSohn, in Österreich erzogen, entfloh von hier Oct.1532, forderte für sich die Ämter Tübingen u.Nens-fen u. 31. Juli 1533 am Schwäbischen Bunde dieZurückgabe W-s; er lebte unter bayerischem Schutzen. wirkte erfolgreich sür milde Stimmung gegen Ul-rich an verschiedenen Höfen. Um sich Gelder zn ver-schaffen, damit er Lanzkuechte werbe, verkaufte Ul-rich 27.Jan. 1534 zu Bar le Duc an Franz l. vonFrankreichMömpelgardmitDepciiLcnzenfurl25,<MSonnenkronen, binnen sechs Jahren loskausbar nerhielt als Geschenk 75,000 Kronen. Auch HeinrichVIII. von England unterstützte ihn mit Geld, ebensoChristian III. von Holstein, Ernst von Lüneburg,Heinrich von Braunschweig, der Bischof von Mun-ster ::. A. Für die großen Rüstungen eines Heeresdurch Philipp von Hessen zu seiner Restitution ver-hieß Ulrich im Kasseler Vertrag vom 16. März 1534,falls er, sein Sohn n.Bruder kinderlos stürben, solleW. an Philipp fallen. Mit stattlichem Heere kamenPhilipp n. Ulrich nach W., nur schwach vertheidigtesich die österreichische Regierung. Philipp u. Ulrichdrangen in: Mai 1534 in W. ein, schlugen den öster-reichischen Statthalter 12. Mai bei Nordheim undsein Heer 13. Mai bei Laufen u. Ulrich kam so, nach-dem er die Landesfreiheiten u. den Tübinger Ver-trag bestätigt, wieder zn seinem Herzogthnm. Inden ersten Tagen des Juni mar ganz W. erobert.Erzherzog Ferdinand trat 29. Juni 1534 in demvon Johann Friedrich von Sachsen vermittelten, inder böhmischen Stadt Kadan geschlossenen Vertrag(Kadanischen Frieden) W. wieder an Ulrich I. ab u.begnügte sich mit dem Titel u. dem Heimsallsrechtein: Falle, daß der Mannsstamm des Herzogs erlö-schen sollte, n. mit einer Afterlehnsherrlichkeit überdas Land; in Religionssachcn sollte der NürnbergerReligionssriede von 1532 gelten. Geläuten durchdas Unglück, regierte Ulrich gut, baute Festungen,machte Volk u. Land wehrhaft. Er löste Möinpel-gard rc. wieder von Frankreich aus, 1536 erhielt ervon Ulm Heidenhein: ::. 1542 vom BisthnmWnrz-bnrg Möckmüyl zurück. 1. Juni 1536 erneuerte Ul-