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Württemberg.
hebliche Zahl vorgekommener Fälle gesammelt undpnblicirt. Obwok im Allgemeinen die W. jetzt weitseltener ist wie damals, so hat man doch 1874 inMiddelburg (Holland), eine sich auf 343 Personenerstreckende Massenertranknng beobachtet. Ueber LasGist in den betreffenden Würsten (Wnrstgist) istman völlig im Unklaren. Bon den verdorbenenWursten führt man an, daß sie namentlich in ihremInnern matsche, rothe oder graugrünliche Fleckenhatten, daß sie unangenehm, widerlich rochen, säner-lich, kratzig schmeckten und daß die schmierig läsigenStellen von Milliarden kleinster Thierchen wim-melten, welche erst bei LOOfacher Vergrößerung er-kennbar waren, eine verschiedene Form (rund, stab-förmig rc.) zeigten und in fortdauernd zitternderBewegung waren. An Ansichten über das schäd-liche Agens hat es nicht gefehlt. Während die Ei-nen ein durch Zersetzung entstandenes giftiges Al-kaloid annaymen (Schloßderger), wollten ÄndereTrichinen anschnldigen rc. Alle diese Annahmenkönnen als abgethan betrachtet werden. Da die Er-scheinungen in vielen Stucken denen gleichen, welcheLurch den Genuß fauliger Substanzen entstehen,gleichwol jedoch nicht unwesentliche Abweichungenvon diesen zeigen, so erscheint es am wahrscheinlich-sten , daß das Gift in einer Fänlniß mit gewissenspecifischen, uns noch unbekannten Eigenschaften be-steht. Vielleicht spielt LieAnwesenheit vonBibrionenund Bakterien in den verwesten Stellen der Würsteeine Rolle und beruhen wol manche Erscheinungender W. auf embolischen Verstopfungen der kleinstenGefäße in den nervösen Centralapparaten. Die erstenVergiftnngserscheinnngen pflegen schon ^—1 Tagnach dem Genüsse der giftigen Wurst anfzntreten u.bestehen meist in allgemeinem Übelbefinden, Kratzenim Halse n. Heiserkeit, Schmerz u. Druck in der Ma-genaegend, Erbrechen, Diarrhöen mit Kolikschmer-zcn. Sehr bald wird es den Vergifteten trübe vorden Augen n. alle Gegenstände erscheine» ihnen wiein einem N'ebel; häufig können die Patienten dasobere Augenlid nicht erheben, sondern es bedecktdieses die Augäpfel (Ptosis). Immer mehr ent-wickelt sich nunmehr eine hochgradige allgemeineMuskelschwäche, die Kranken können nicht mehr ste-hen, sondern müssen zuBett liegen; auch die Darm-musculatur wird nun gelähmt u. hartnäckige Ver-stopfung tritt ein. Gleichwol fehlen deutlich ausge-sprochene Lähmungen oder krampfhafte Zustände n.das Bewußtsein bleibt völlig klar im ganzen Krank-heitsverlause. Bei bösem Verlaufe erfolgt schon am5. oder 7. Tage nach Eintritt der ersten Krankheits-erscheinungen der Tod, bei günstigem Verlaufe dieGenesung meist erst nach vielen Wochen und ist dieReconvaleScenz stets eine sehr in LieLänge gezogene.Von Len Vergifteten starben nach der Zusammen-stellung von Müller 23,2—54,2 0 /^. In den Leichensoll sich öfters die Fänlniß sehr langsam entwickeln,ebenso die Todtenstarre häufig vermißt werden. Beiden Sektionen fand man keine bestimmten, charak-teristischen Veränderungen der inneren Organe. DieBehandlungbestehtvorzngsweisein möglichst schnellerEntleerung der giftigen Wurst durch Erbrechen undLaxiren u. nach diesen in Darreichung der für jedeneinzelnen Fall sich als nothwendig heransstellendenMittel. Ein bestimmtes Gegengift gegen W. gibt esnicht Üunze.
Württemberg (Würtemberg), Bestandtheil desDeutschen Reiches, begrenzt von Baden, Hohenzol-lern, Bayern u. dem Bodensee, ist eingetheilt in 4Kreise:
Kreise
Areal
ÜHliill ^ M
ElNw. 1875im lauf^Ganzen
Neckarkreis
Schwarzwaldlreis
Donaukreis
Jagstlreis....
3327 60,4?
4773 86,6g
6265 113,775139 93.3z
587834 176..-454937 95,r448031 71.5
390703 76.v
Zusammen j I9501j 354, 2 ij 1881505jim ganzen Deutschen Reiche 79, l auf 1 «ikw.
W. ist also sehr ungleichmäßig bevölkert. Sein Ver-hältniß zu den übrigen deutschen Staaten ist ans derTabelle unter Deutschland, S. 280, ersichtlich, woauch die geschlechtlichen u. confessionellen Verhält-nissen in Procenten ansgedrückt sind. Die Bevöl-kernngszunahme von 1871—75 beträgt 3,4g"/o (imganzen Deutschen Reiche 4,„g °/o). Bon der Ein-wohnerschaft entfallen 32 "/o ans die Städte, 68 »/,ans das Land (im ganzen Deutschen Reiche 32,bezw. 67,g4 °/„). Von den 142 Städten hatten 1 »über 10,000 Ew., darunter die Hanvt- u. Residenz-stadt Stuttgart mit 107,273, Ulm mit 30,222 rc. u.15 zwischen 5 und 10,000 rc.
Allgemeine physische Verhältnisse. W.gehört zu den verhältnißmäßig gebirgigstenBestand-theilen des Deutschen Reiches und zum Theil auchhöchstgelegenen, wenn auch Erhebungen über 1000m nur selten sind. Die Hälfte des Areals ist näm-lich Hochland, dessen mittlere Meereshöhe etwa 750m beträgt. Der westliche vorspringende Theil desKönigreichs wird vom Schwarzwald (s. d.) erfüllt,der sich hier im Katzenkopf 1153, im RostbühlS65 merhebt. Südlich vom Schwarzwald streicht derSchwäbische Jura (s. d.) herein, der mit Ausnahmedes Randen u. einiger Theile der Schwäbischen Alp(s. d.) ganz zu W. gehört u. seine höchsten Erheb-ungen im Oberhohenberg, 1012 m n. Plattenbcrg,1001 m findet. Östlich an den Aalbnch (s. d.) schließtsich dasHärdtfeld (s. d.) milder 686 m Hohen Schaf-Halde an. Der nördliche Abfall der SchwäbischenAlp ist steil, der südliche dagegen ganz allmählich u.bildet eine Hochebene (s. o.), die von der Donau in2 Hälften, in eine nördliche höhere u. einförmige u.eine südliche niedere, aber mannigfaltiger gebildete ge-schieden wird. Ganz im SüLosten wirdW. von einemAusläufer der Bayerischen Alpen mit dem 1110 mhohen Schwarzkopf berührt. Der von der Schwä-bischen Alp nördlich gelegene Theil von W. ist einäußerst mannigfaltig gebildetes, vom Neckar in einenwestlichen u. einem östlichen Theile geschiedenes Berg-u. Hügelland, das in eine Menge einzelner Theilezerfällt und demgemäß auch eine große Anzahl vonNamen führt. Die wichtigsten sind, von Südwestennach Nordostcn: das Obere Gäu zwischen Neckar u.Nagold, ein 500—700 in hohes Tafelland. Diesemschließen sich auf der linken Neckarseite an: Lichön-buch,Filder, Strohgän, Plateanlandschaften, die sichbis 600 m erheben; dann ganz im N.: Zabergaumit dem 473 in hohen Stromberg. Die Bcrgzllgeauf der rechten Seite des Neckar sind niedriger, wiedie der linken. Ganz im S. erhebt sich der Schnr-wald zu 504 in, ihm parallel streicht der WelzheimerWald in derselben Hohe, östl. davon steigen die Lim-