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Wunder — Wunderlich.
der W-begrifs nothwendig nach den in der h. Schriftgegebenen Merkmalen bestimmen, nnd nach diesensteht es vor Allein fest, 1. daß die W. durchaus alsWirkungenGottes aufznfassen sind, die inderOffen-barungsthätigkeit desselben ihren Ausgangspunkt n.ihren Zweck haben (vgl. Matth. 9, 1—8; Marc.18,20: Joh. 3,2; 1. Cor. 14,22 rc.); u. 2. daß dieW. ans bem theistischen Verhältnis; Gottes zur Welterklärt werden müssen. Gott ist der Well nicht jen-seitig , sondern „in ihm leben, weben n. sind wir."Gott ist in allen Momenten des Weltlebens unmit-telbar gegenwärtig n. wirksam. Dabei ist Gott miteiner solchen (aus seiner Vollkommenheit zu erklä-renden) Unwandelbarkcit seines Waltens wirksam,daß in demselben sich eine bestimmte Regel, ein Na-turgesetz darstcllt, und das gesammte Naturleben inallen seinen Erscheinungen ans seinen eigenen Zn-sammenhang hinweist, wo Alles sich gegenseitig be-dingt n. trägt. Das W. dagegen hat seinen Charak-ter darin, daß cs ein Thun Gottes in der Welt ist,welches nicht der Welterhaltnng, sondern der Welt-erlösnng n. der Offenbarung dienen will, weshalbin ihm das Wirken Gottes sichtbar (d. h. nichtdurch die Einheit n. Ordnung der Natur verschlei-ert), sich manifestirt, weil hier eben Gottes Ofsen-barungs- u. Hcilswille es erfordert, daß seine Wirk-samkeit gesehen werde. Naturerscheinung u. W.sind also in gleicher Weise Ergebnisse der unmittel-baren Wirksamkeit Gottes in der Welt und sind a.priori überhaupt einander gleich; nur der teleolo-gische Charakter und die Sichtbarkeit des göttlichenWirkens begründet den Unterschied des W-s vondem, was man Naturerscheinung nennt. Was nundie kirchliche Auffassung des W-s betrifft, so ist esThaisache, daß überall in der Kirche, wo das ächttheistische Bewußtsein sich geltend machte, dieser Be-griff des W-s sestgchalten worden ist. Dieses zeigtsich vorAllem beiAngustin, welcher darum leugnete,daß das W. in dem Durchbrechen der Naturgesetzeseinen Charakter habe. Späterhin vertrat Thomasvon Aquino (n. mit ihm die Scholastik überhaupt)die gegentheilige Auffassung; aber die Reformatorenkehrten zum biblischAngnstinischen W-begrifs zurück.Allein die lutherische n. spätere reformirte Systema-tik ließ den reformatorischen (relativen) W-begrifffallen, indem sie den sog. absoluten W-begriff derScholastiker restaurirend, lehrte, das W. habe seinenCharakter in dem durch die göttliche Allmacht ge-wirkten Durchbrechen der Naturgesetze, wobei mandieBeziehung ans dieOffenbarnng fast ganzznrück-treten ließ. Als aber die Zeit kam, in welcher dieTheologie sich von der Autorität der Orthodoxie zuemancipiren n. über das kirchliche Dogma hinweg-zngehcn begann, versuchte man es, die W., die manals solche nicht mehr glaubte, doch als Facta be-greiflich zu machen. Man suchte sie physisch zu er-klären, indem man annahm, Christus u. die ande-ren W-thäter hätten eine ungewöhnliche Naturkundebesessen u. demgemäß Ungewöhnliches gethan, wasvon den Leuten als W. angesehen worden sei; oderman erklärte sie physisch, indem mau die geistigeKraft u. Überlegenheit als die eigenklich wnnderthä-tige Macht betrachten; Andere (Leibuiz) fanden sichmit den W-n durch Annahme einer in der Schöpf-ung prästabilirten Harmonie, nach welcher die W.von Anfang an in den Schöpfungsplan aufgenom-'
men worden wären, vder durch den Gedanken e,„^höheren Natnrordnnng, welche sich eben in denW.„als die Macht des Geistes über die Materie dar-stelle, zurecht. Paulus in Heidelberg suchte die W.durch exegetische Knnststückchcn aus der h. Schrifthinweg zu interpretiren; Strauß machte die W-berichte desN.T. zu mythischen Gedichten; Schleier-macher fand in seinemSystem für seineRestaurativ»des W-begriffs keine Stelle. Die Theologie derGegenwart erkennt es als ihre Aufgabe, von demDogma der Kirche unabhängig den biblischen W,begriff wissenschaftlich zu begründen. Heppe.
Wunder, Eduard, Philologe, geb. 4. Mai1800 in Wittenberg, vorgebildet hier und auf derLandesschule zu Meißen, stndirte seit 1818 in Leip-zig; 1823 Adjunct, 1828Professor, 1843—86 Rec-tor der Landesschnle zu Grimma, gest. 25. März1869. Er gab heraus den Sophokles, Lpz. 1825,mit Commentar Gotha 183l ff., 7 Bde., die einzel-nen Bde. in 2.-4. A., neu bearbeitet von Wecklei»,1847—75; Lüoero pro Dianoio, 1830; ^.clrsrsariain Lopir. DIrikoot., Lpz. 1823, Lonspoetms mstro-rum Lopir., 1825; lieber Lübecks neue Ansg. de»Soph. Ajax, mit Anhang, Lpz. 1837; Dg neiiol. i»Lopir. tra-A. auotoritats, Grimma 1838; Dmoircks-bionss in Lopir. Lraoir., 1840; Llisosilanou Loxira-oisu, 1843; Varius Isobionss iidrorum aiigirotOiosronis sx ooä. Drkurt. onotntns, lLpz. 1827;Schnlreden, Grimma 1843 ff.; Die schwierigste»Regelnder griech. Syntax, ebd.1848; vs-4ssolyi!siiumsn., 1854; Übungsstücke zum Übersetzen ausdem Deutschen ins Lat., ebd. 1855; Leiioäas orit!-eas äs iosis nonnuüis Lopir. truA. st 6io. ornt.Llursniainro, ebd. 1856, n. Abh. in Zeitschr.
Wuuderüaum, die Pflanzengatt. Lioinus.
Wunderblume, die Pflanzengatt. Uirabiüs.
Wundercrde, sächsische, so v. w. Eisensiei»-mark.
Wunderstlaube, 1) die Überzeugung, daß wirk-lich Wunder geschehen können; 2) die Überzeugungvon der Wahrheit einer Religion, weil deren Güs-ter Wunder gethan hat.
Wunderlich, Karl August, geb.3.Ang. 1815zu Sulz a. Sk., stndirte in Tübingen Medicin, be-suchte die Pariser Spitäler, übernahm dann eineÄssistenzarzt-StclleinStuttgart, habilitirte sich 1840in Tübingen, erhielt 1846 die ordentliche Professur,1850 einen Nnf nach Leipzig n. st. 25. Sept. 1877.Er begründete hauptsächlich die physiologische Richt-ung der Heilkunde, insofern sie nichts mehr n. nichtsweniger als eine Lehre von der Natur des kranke»Menschen in allen Gestaltungen seines Krankseins zusein sucht u. führte das Thermometer in die ärztlichePraxis ein, dadnrch den Grund legend zu einer Um-gestaltung der Fieberlehre. Er schr.: Nosologie desTyphus, Stnttg. 1839; Wienu.Paris, ebd. 184l;Versuch einer patholog. Physiologie des Blutes, das.1844; Handbuch der Pathologie n. Therapie, 2. Ä.1852—56 ; Grundriß der spccicllen Pathologie u.Therapie, ebd. 1858; Geschichte der Medici», ebd.1859; Das Verhalten der Eigenwärme in Krankh.,2. A. Lpz. 1870 (engl. vonWoodmann, Lond. 1871).Mit Roser zusammen gab er 1841 ein Archiv fürphysiolog. Heilkunde heraus n. 1866 mit Griesinger! u. Pettenkofer das Choleraregnlativ. Biographische'Skizze von Griesinger, Lpz. 1869. Thamliay».