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Bd. 18 (1879) Vacarius - Zywilsk
Entstehung
Seite
639
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Wundcr.

Frische, reine W-n, bei denen man primäre Heil-ung erzielen will, sind nach -Neinignng u. Blutstill-ung aufs genaueste zu vereinigen; bei kleinen, ober-flächlichen Verletzungen nimmt man hierzu Heft-pflasterstreifen, englisches Pflaster, welches zweck-mäßig mit Collodinm bepinselt wird, Binden; grö-ßere oder stärker klaffende W-n vereinigt man durchdie Blutige Naht (s. d.), insbes. die W-n des Ge-sichts, des Bauches, des Damms, der Lippen, derOhrmuschel, sowie die Lappenwnnden, welche sichsonst retrahiren wurden. Schwerere Verletzungenerfordern neben der Naht den Listerschen Verband,s wobei bes. auch auf freien Abfluß der Wundsecretedurch eingelegteDraiuageröhren (s.Drainage)Rück-sicht zu nehmen ist. Bei stark gequetschten oder zer-rissenen W-n entfernt man solche GewebStheile, dienicht mehr lebensfähig sind, mit Scheere und Pin-cette u. stellt möglichst glattcWnndränderher. Zeigtdie W. buchtige Vertiefungen, so muß sie öfters, umvollständig desinficirt werden zu können, erweitertoder es müssen Gegenöffnnngen angelegt werden.Die Vereinigung durch üieNaht wird beiW-n dieserArt häufig nicht gestaltet sein, trotzdem kann Heil-ung xsr prim-un intsntionsm, wenn auch nur theil-weise, erzielt werden. Kommt eins primäre Verei-nigung nicht zu Stande oder will man ans dieselbei verzichten, so muß die W. durch Eiterung heilen,s Auch hierbei ist der freie Abfluß der Wundsecretesehr wesentlich. Derselbe wird >am einfachsten nebenzweckmäßiger Lagerung und Reinigung durch dieoffene Wundbehandlung erreicht, bei welcher dieverletzten Theile frei liegen bleiben. Will man einenVerband anlegen, .so bedeckt man dis W. mit Lein-wand, Charpie od. Watte, welche man mit Pflaster-streisen, Binden oder Tüchern befestigt. Der ersteVerband kann 34 Tage liegen bleiben, bis dahinkann man nöthigenfalls durch Kaltwasser- od. Eis-umschläge die Entzündung zu bekämpfen suchen.Später ist der Verband je nach der Quantität derEiterung häufigerzuwechselnn.derinderW. sich befin-dendeEitcr abzuspülen. Man bedient sich dazu häufigLes EsmarchschenWundirrigators. Die Verbandstoffewerden mit wässerigerod.öligerCarbollösuug od.an-deren desinficirenüen Mitteln getränkt od. auch miteiner Carbolsalbe bestrichen. Neuerdings sind fabrik-mäßig hergestellte Verbandstoffe eingeflihrt. Bei^ guter Granulationsbildung sucht man durch Zusam-menziehcn der Wundränoer mittels Heftpflaster-streifen die Vernarbung zu befördern. Bei schlaffen,welken, blassen Granulationen wendet man örtlichreizende Mittel an, z. B. terpentinhaltige Salbenod. warme Umschläge. Entzündete, leicht blutendeu. schmerzhafte Granulationen werden mit fencht-warmenUmschlägen od. Kataplasmen bedeckt; starkeWucherungen (Wildes Fleisch s. d.) behandelt manmit Aetzmitteln od. comprimircnden Hestpflasterve»bänden. Verzögertsich die überhäntnng, so bestreichtman die W. »nt einer schwachen Höllensteinlösung.Diphtheritische Wundbeläge werden mit starken Ätz-mitteln oder dem Gliiheisen zerstört.

Neben der örtlichen Behandlung sucht man dieKräfte des Verletzten durch roborirende Diät, leichtverdauliche Fleischspeisen, Wein rc. aufrecht zu hal-ten. Insbesondere ist auch für reine Lnft zu sor-gen. Lomplicationeu, wie Pyämie, Septichäinie,Tetanus sind in geeigneter Weise zu behandeln.

Zichch

Die einzelnen Arten der W-n zeigen einige beson-dere Eigenthlimlichkeitcn. n. Schnitt- n. Hieb-W-n eignen sich am besten zur sofortigen Vereinig-ung. Quer-W-n von Sehnen heilen durch bindeg'e-webigeZwischeusnbstanz, ebenso getrennte Muskeln.Dieselben ziehen sich stets sehr stark zurück, durchentsprechende Lagerung des Gliedes sucht man dieEnden einander zu nähern. Scharfe Knochen W-uverlaufen meist günstig, wenn sie nicht in die Mark-höhle dringen. Bei dnrchtrennteu Nerveustämmeusucht man durch die 'Naht des umgebenden Binde-gewebes dis Annäherung n. Vereinigung der Ner-venenden zu bewirken; im günstigen Falle wird dasLeitnngsvermögeu wieder hergestellt. Vollständigabgetrennte Körperrheile kleineren Umfangs, wieFinger- od. Nasenspitzen, werden sehr sorgfältig an-genäht und durch lauwarme Umschläge die Wieder-herstellung der Blntcircnlation zu erreichen gesucht,d. Stich-W-n. Ihre Gefahr steigt mit der Dickedes Instruments n. derTiefe des Eindringens, bes.wenn eine Körperhöhle oo. ein Gelenk verletzt wirdund Jnseclionsstosfe in dieselben gelangen. Änge-stochene Arterien u. Venen können lebensgefährlichen.tödtliche Blutungen verursachen, wobei die äußereBlutung oft ganz unbedeutend ist. DieUntersuchnngder W. stößt häufig wegen der Verschiebung desWnndkanals auf Schwierigkeiten. Tritt Entzünd-ung od. Eiterung in der Tiefe der W. auf, so mußdieselbe blutig erweitert od. eine Gegenöffnung an-gelegt werden. Quetsch-W-n n. Biß-W-n ha-ben, wenn sie nicht primär heilen, mehr od. wenigerheftige Entzündung u. Fieber im Gefolge; häufigstellt sich partieller Brand ein. Bei schweren Ver-letzungen dieser Art, z. B. durch Maschinen, kannder Tod durch allgemeine Erschütterung des Ner-vensystems (Schok) erfolgen. Auch die langwierigeEiterung führt häufig zur Erschöpfung. AusgedehnteZermalmungen der Gliedmaßen können die Ampu-tation erfordern. Über Schuß-W-n s. den betr.Artikel, o. Vergiftete W-n heißen diejenigen, inwelche eine bes. Substanz cingedrungen ist, die ent-weder nach kurzer Frist örtlich schwereErschcinuugenod. Allgemeinerkrankuugen n. den Tob hcrbeisührt.Solche Stoffe sind u. a. das Gift mancherJnsecten,Schlangengift, Wnthgist, Pfeilgift, Leichengift,Milz-brand- u. Rotzgift. Alle vergifteten W-n sind schleu-nigst zu reinigen, das Gift ist durch geeignete Mittelzu zerstören n. die Aufnahme desselben in die Blut-nnd Lymphbahnen zu verhüten. Die Allgemeiner-kranknngen erfordern eine specielle Behandlung,welche allerdings oft nicht im Stande ist, den tödt-lichen Ansgang anfzuhalten. Vgl. Koch, Untersuch-ungen über dieAetiologie derWnndinfectionskrank-heiten, Lpz. 1678; v. Nußbanm, Leitfaden zur anti-septischen Wundbehandlung, insbes. der ListerschenMethode, 2. A. Stuttg. 1879; Steiner, Über diemodernen Wundbehandlungsmethoden und derenTechnik, n. A. Wien 1879. Das Geschichtliche s. n.Chirurgie. Blumberg.

Wunder (Minouiuin), nach der vulgären Vor-stellung eine Begebenheit, einEreigniß, welches Han-deln Lause der Naturgesetze n. der Wirksamkeit dernatürlichen Ursachen unmöglich ist n. als dessen Ur-sache daher das außerordentliche Eingreifen einerüber die Natur erhabenen Macht zu denken ist. Für!das religiöse, christliche Bewußtsein muß sich jedoch