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[1] (1857)
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erschienen waren, und ihre leuchtenden Strahlenauf Altäre und Bilder warfen. Sie sahängstlich nach der Lilie auf ihrem Herzen unddem Rosenkranz um ihren Hals. - Ich willeuch hüten wie mein liebstes auf der Welt,sagte sie, und hielt mit der Rechten ihr Herz,mit der Linken die Perlenschnur, da rasselte esmit Schlüsseln vorne am Haupteingang; derKüster trat ein um die Frühmesse anzuläuten.

Barbara schlich sich leise hinaus, küßtedraußen die Schwelle des heiligen Gotteshausesund eilte die Straße hinab. Sie kam beimHause der bösen Leute vorbei, welche sie ver-stoße» hatten. Grüß euch Gott, sagte sie,sich gegen das verschlossene Haus wendend, ichvergebe euch Alles was ihr mir gethan habt.Aber als sie um die Ecke bog, wo Nüters wohnten,die ihr immer gut und freundlich gewesen, dortAlles verschlossen war, und auch Victor nochim sanften Schlummer ruhte, ohne zu ahnenwas ihr begegnet war, da flössen heiße Thränenaus ihren Augen. Wie gerne hätte sie ihnnoch einmal gesehen, um ihm zu danke» füralle Freundschaft und alles Gute was er ihrerzeigt hatte.

Sie ging zum Rheine hin, denn sie wolltesehen ob nicht da ein mitleidiger Schiffer sienach dem jenseitigen Ufer hinüber setzen könne.Die Sonne brannte, und als sie ankam warenalle Schiffer und Nachen fort und nur dergroße Fahrnachen lag noch da, dessen Fährmannaber rauh und hart war und sie nicht ohneGeld hinüber setzen wollte. Sie mußte wartenbis zum Abend, wo die kleinen Nachen unddie andern Schiffer wieder herunter ruderten.Es war heiß und Barbara müde und hungerig.Sie suchte sich eine schattige Stelle am Ufer,wo es kühl und einsam war und Brombeerendie Fülle wuchsen. Diese sie; dann setztesie sich dicht an's Ufer und sah in den klarenRhein hinab. Sie stützte die Hand unter ihrenKopf und überdachte alles was sie in der vorigenNacht gehört und gesehen hatte. Aber es währtenicht lange, so schlief sie vor Müdigkeit ein.Sie hatte aber nicht daran gedacht, daß sieeinscblafen würde und sich zu nahe an'S Wassergesetzt. Das machte sich der Rheinkönig zuNutzen, der immer in der Mittagsstunde, wennalles still ist, aus dem Wasser hervor guckt umnach Beute zu spähen. Er liebt besondersschöne Mädchen und wo er sie am Ufer findet,sind sie unrettbar verloren. Als er nun Barbarada liegen sah, die im Schlafe leicht mit derLinken ihr Herz, mit der Rechten die Perlenschnurgefaßt hielt, und so selig lächelte wie in derletzten Nacht, wo ihr die heilige Barbara er-

schienen war, die wie die leibhaftige Jugendund Unschuld zu schauen war, da ergriff ihnein stürmisches Verlangen, sie durch die Fluthenzu seinem gläsernen Pallaste hinabzurragen. Erzog Barbara leise tiefer hinab, umfing sie dannsanft mit seinen lange» Armen und trug siezu den Tiefen des Rheines. Sie erwachte ineinem Bette von Kristall, auf Kissen von Wein-laub und unter einer Decke von Moos. Wein-laub rankte sich rings um ihr Bette herum,mit Trauben behängen, die groß waren wieNüsse und durchsichtig wie Glas. Der Foßbodenwar von Marmor, die Wände von Muscheln,die Fenster und Thüren, die Stühle und Tischevon Kristall. Und vor ihrem Bette saß derRheinkönig, eine riesige Gestalt, umhüllt miteinem sandgelben Mantel von Muscheln, aufdem Haupte eine Krone von Bernstein, und inder Hanc> ein Scepter von Diamant- Mitder Linken hielt er das Scepter nnd mit derRechten Barbaras Hand-

Fürchte dich nicht, mein Kind, sagte er zuihr, als sie sich erschrocken und verwirrt umsah,du bist hier im Pallaste des Rheinkönigs, wodir kein Leid's geschehen soll, denn ich liebe dichund alle meine Diener gehorchen deinem Winke.Sieh dich nur ordentlich um, siehst du nicht dieköstlichen Trauben? Die darfst du in Fülle ge-nießen. Mich dauerte alles Leib, das du er-tragen mußtest; aber bei mir sollst du einanderes Loos haben, zu arbeiten brauchst dugar nicht, und kostbare Kleider sollst du tragenvon den feinsten Muscheln, nnd eine Krone vonBernstein und ein diamantenes Diadem.

Ach, du mein Gott, erwiederte Barbara,und sah fick verwundert nach all' den Herrlich-keiten um, indem sie mit de» Händen nach dendicken, saftigen Trauben griff, das hat gewißdie heilige Barbara, meine Schntzpatronin ge-than. Wie das hier glänzt nnd blüht! SolcheTrauben habe ich noch niemals gesehen undsolche kostbaren Muscheln und Steinei

Der Rosenkranz um deinen Hals ist schönerund glänzender, als alle Steine meiner Krone,sagte der Rheinkönig.

Gott verhüte auch, daß er mir jemalsgeraubt werde, entgegnete Barbara ängstlich, erist mein einziger Schmuck und ich liebe ihn fastso sehr, wie die schneeweiße Lilie, die mir auchmeine Schutzpatronin gegeben hat.

Also eine seltene Blume besitzest du auch ?fragte der Rheinkönig, nun, die wirst du mirdoch schenken, denn ich liebe seltene Blumen,und die Lilien gedeihen auch in dem Gartenmeines Pallastes. Nicht wahr, mein Kind, dieschenkst du mir zum Dank, daß ich dich bei mir

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