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[1] (1857)
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feinden, welchem auch der König den Borzuggeben würde.

Der König war sehr erfreut über ihreWerbung und sagte, er wolle Crescentia gerneinem von ihnen geben, aber sie solle entscheiden,wem sie angehörcn wolle.

Der König und so Alle dachten nun nichtanders, als das Crescentia Gerhard wählenwürde; denn er war so schön geworden, daßJeder ihn mit Wohlgefallen betrachten mußte.Besonders trat seine Schönheit sehr hervor, wennman ihn neben seinem wirklich unschönen Bru-der sah. Crescentia jedoch achtete weit we-niger der äußeren Schönheit als der Herzens-güte, die sich in Dietrichs Gesicht und Redeaussprach, und entschied sich daher, ohne vielsich zu bedenken für diesen, und die Hochzeitwurde alsbald mit großer Pracht gefeiert. Dar-nach reisten sie nach Rom, wo Dietrich zumKönige gekrönt wurde.

Einige Zeit lebten nun die Beiden rechtglücklich und wären es auch wohl bis an ihrLebensende geblieben, wenn nicht feindlicheSchicksale ihr Glück getrübt und sie auf langeZeit unglücklich gemacht hätten. Denn kurznach der Krönung fielen plötzlich Feinde in'sLand, verheerten Alles und schleppten Menschenund Beute mit sich fort, so viel sie erraffenkonnten. König Dietrich mußte also seineHeeresmacht ausbieten und den Feinden, dieüber dem Meere wohnten, Nacheile», sie inihrem Lande zu überfallen und ihnen die Beutewieder abzujagen. Ungern verließ er seinejunge Gemahlin, doch konnte er nicht Anders.Er ließ daher seinen Bruder zu sich kommen,bat ihn, die junge Königin wie seinen Aug-apfel zu schützen, damit ihr kein Leides geschehe,und nahm dann unter Thränen von seinerCrescentia Abschied. Diese weinte noch tage-lang nach Dietrichs Abreise, eS war ihr alsob sie ihn zum letzten Mal gesehen hätte.

Und nicht lange war der junge Königdavongezogen, als die arme Crescentia auchrecht Ursache hatte, sich über ihre Einsamkeitund Verlassenheit zu grämen. Es trat näm-lich ihr Schwager Gerhard vor sie hin undsuchte ihr argloses Herz durch Versprechungenund Liebkosungen für sich zu gewinnen. Ergestand ihr, daß er sie noch immer heftig liebeund bat sie, so ruchlos das auch war, um Ge-genliebe. Wie zerriß da das Herz des armenWeibes, das sich von ihrem Beschützer so ver-rathen sah, und wie jammerte sie über ihreSchwäche und Hülflosigkeit. Sie bat untertausend Thränen zu Gott um Trost und Hülfeund es gelang ihr, sich des erst zärtlich bitten-

den und dann rückhaltslvs drohenden Feindes! zu erwehren. Dieser war endlich durch die

> Weigerungen Crescentia's so in seinem Stolze! empört, baß er ibr Verderben beschloß und ein-j zig darauf sann, wie er sich am Besten vor

der gerechten Strafe sichern und zugleich an^ ihr rächen könne. Durch Gold bestach er vieleseiner Untergebenen, falsches Zeugniß wider! die Königin abzulegen und durch erdichteteAngaben, die dem Könige gemacht werdensollten, zu bestätigen. Als er nun die Rück-kehr des Königs erfuhr, reis'te er ihm eineStrecke entgegen, stellte sich, als ob er beküm-mert und sehr unglücklich wäre und bewog denKönig, ihn zu fragen, was ihn so bekümmere.

! Da berichtete er unter Seufzern vieles Un-! wahre von der Schlechtigkeit der Königin, er-zählte, wie dieselbe in seiner Gegenwart durchl unziemliche Worte sich an ihrem edlen Gebieter! versündigt habe, ließ die gedungenen Männer^ seine Aussagen beschwören und bat auch nochden entrüsteten König, ihm die Strafe der Kö-nigin zu überlassen. Dietrich war außer sich! vor Schmerz. Lange saß er sprachlos und wie! betäubt, dann sprach er zu seinem Bruder:jHabe ich eine Natter an meinem Busen er-^ wärmt, o ich Unglücklicher, Bruder, so thuemit ihr waS Recht und Gesetz fordern und laß

> mich nicht mehr von ihr hören. Nimm auch

> du jetzt die Krone. Mit ihr vereint sie zutragen war mir süß, jetzt ist sie mir eine drückende

, Last/' Dann war er wieder still und sprach! tagelang kein Wort.

Gerhard aber war über deS Königs Aus,I spruch sehr glücklich. Er eilte zurück zum Hofe,j ließ die arme Königin, die Nichts ahnte, er-! greifen und knebeln und dann an den Fluß! bringen und sie durch seine Knechte von derBrücke hinabwerfen. Welch ein Wehklagen! bei Crescentia's Frauen und Dienerinnen über^ diese That entstand, ist nicht zu beschreiben.

' Auch wußte Keiner, wcßhalb die arme Königin^ so gerichtet wurde, da ihre Tugenden offenbarwaren und ihre Dienerschaft nie einen Fehleran ihr bemerkt hatten.

Der König aber, der sein Wech so vor-eilig schuldig geglaubt, und der böse Schwager,der Alles angestiftet, wurden von Stund anvon einer entsetzlichen Krankheit ergriffen, da-von sie Niemand heilen konnte. Im Volk ent-stand auch bald das Gemurmel, sei ihnendie Krankheit von Gott gesandt, weil sie dieunschuldige Königin sv grausam getödtet hätten.Ihr eigenes.Gewissen sagte eS ihnen gewißauch selbst.

Die Königin indeß, die man allgemein