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[1] (1857)
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Der Bube in der Tonne.

belgisches Volksmärchen von W. Herchenbach.

I

Win Knabe, der nirgends gut thuu wollte,wurde von seinem Vater zur Erziehung in einfremdes Land geschickt und einen: Lehrer über-geben, der wegen seiner gerechten Strenge undweisen Erziehnngsknnst berühmt war und einegroße Anzahl von jungen Leuten in seinen:Hause hatte. Unter allen diesen war nicht einer,dem Fleiß und Gehorsam so schwer ankamen,als diesem. Faul, träge und nichtsnutzig, wieer war, zog er sich bäufig Verweise und Stra-fen zu. Das behagte ihm nun ganz und garnicht, und er nahm sich vor, bei der ersten Ge-legenheit zu entlaufen.

Da begab es sich einmal, daß der strengeLehrer eine Reise zur nächsten Stadt machenmußte und also den bösen Buben nicht beauf-sichtige» konnte. Er hatte aber einen zahme::Fuchs, der Menschenverstand belaß und allesthat, was ihm sein Herr befakl. Zu dem spracher: Gib mir auf den bösen Guben wohl Ach-tung, nnd wenn er entläuft, so bringe ihn zu-rück. Der Fuchs wendelte mit dem Schwänzeund nickte mit dem Kopfe.

Sobald der Lehrer hinweggegangen war,machte sich der Knabe auf den Weg und liefdavon. Der Fuchs aber folgte ihm unbemerkt.

Nach langem Wandern kan: der Flüchtlingin einen Wald, wo er den Weg verlor. Furcht-sam stand er unter einer Eiche stille und über-legte. was zu tbun sei, als er von Weitem eineRäuberbande auf sich zukommen sah, die einFaß in ihrer Mitte trugen nnd ein lebendigesSchaf am Seile »achzogen.

Da überfiel ihn noch größere Angst, nnder kletterte auf den Eichbaum, um von denRäubern nicht gefangen zu werden.

Diese aber kamen schnurstracks aufde» Bann:zu und ließen sich in seinem Schatten nieder.Sie schlachteten das Schaf, zündeten ein Feueran, brieten das Schaf über demselben undtranken aus den: Fasse.

Der Rauch des Feuers und der Duft desFettes zogen den: Knaben, der ängstlich zwischenden Zweigen bockte, in die Nase, so daß ermessen mußte. Die Räuber fuhren erschrocken- auf und dachten, daß sie vcrrathen wäre». Da

sie aber ringsumher Niemanden gewahrten, sosetzten sie sich wieder um das Faß herum,tranken nnd schnitten Stücke von dem Fleische ab.

Der Knabe mußte noch einmal nießen, unddies Mal stärker als zuvor. Da sprangen dieRäuber wieder auf und suchten alle Sträucherund Höhlen ab, ohne Jemanden zu finden.Laßt uns lustig und guter Dinge sein, spracheiner von ihnen; Nießen bedeutet gutes Wetterund das können wir in: Walde brauchen.

Bei diesen Worten knackte es im Eichbaume,und in nämlichen Augenblicke stürzte der Bubemit den: Zweige, auf welchem er gesessen hatte,herab und mitten zwischen die Räuber, dienicht anders meinten, als der leibhaftige Teufelselber sei unter sie gefahren. Da sie aber sahen,daß es nur ein Knabe war, und nicht der Teufel,so begannen sie fürchterlich zu fluche::, und einerderselben gab den Rath, daß man ihn: denHals umdrchen sollte, damit er nichts ausplau-dcrn könne.

Der Näuberhauptniann aber lachte undsprach: Schämt euch, den Knaben also zu fürch-ten, was könnte er ausplaudern, da er unsnur essen und trinke» sieht? Er soll leben undmit von dem gestohlenen Schafe essen und vondem gestohlenen Weine trinken.

Der Bube war froh, daß er mit demLeben davon kam, nnd und trank, bis er! toll und voll nnd seiner Sinne nicht mehrmächtig war. Da wollten sich die Räubereinen Spaß mit ihn: machen, deßhalb stecktensie ihn in das leere Fast hinein und verschlossenes wieder mit den: vorher ausgeschlag-nen Bo-den. Dann rollten sie das Faß einen Berghinab, an dessen Fuß es liegen blieb. Vondem Gerüttel und Gepolter kan: der Knabewieder zu sich und wurde zu seinen: Schreckengewahr, daß er sich in den: Faß befand.

Der kluge Fuchs hatte Alles mit angesehenund kan: nun herbei, zu sehe», was erbeginneund wie er den bösen Flüchtling »ach Hausezurückbringen sollte. Als er noch nachdachte,steckte der Knabe eine Hand durch das Spund-loch und tappte umher, ob er keinen Gegenstanderfassen könnte, der ihn: dienlich wäre. Alsbald