127
Lud die Last herab und sprach: Ihr niögetLeicht au diese» Schätzen, die sie senden,
Es erkennen, daß des Herzogs ElternEinem großen Stamme angehören.
! Denn sein Vater ist der alte Königj Oriant von Lillefort und Flandern,
^ Seine Mutter heißt Beatrix, Königs Ist sein Bruder Emmrich jetzt, er selberi Trug die Krone auch, bevor er auszog,i Herzog hier zu sein nach Gottes Nathschluß,
! Doch jetzt ist er Mönch im Waldeskloster,
! Das sein Vater baute. Viele Wunder
Hat an ihm und durch ihn Gott beschieden.
! So erzählte Pontius und staunend! Lauschten auf sein Wort Helen' und Jda,
! Dazu Gerhard, der von dem Gefährten^ Sich nicht trennen wollte. Und sie dachtenAlle Helias voll Lieb' und Ehrfurcht.
! Darauf sprach Helena: Eh' ich sterbe,
Will ich ihn noch sehn. Ich kann nicht sterben,Eh' ich ihn gesehn. Laßt ohne WeilenAlles rüsten, daß sofort mit Jda! Ich nach Lillefort und nach dem Kloster-Fahren möge, wo mein Gatte Mönch ist.
Ach, durch meine Schuld ist er's geworden!
Andern Morgens reisten sie. Die PferdeTrieben sie zu raschem Gang und mvcktenNimmer rasten, also daß znr Nacht sieNeue Pferde feilschten und beim LichteEiner Fackel, welche Pontius führte,
Nach dem neuen Billon eilten. EndlichSahen sie die wohlbekannten ZinnenUnd vermeinten fast, als ob zur HeimathSie zurückgelangt, und einen DienerFragten sie nach Helias. Der sagte:
Er liegt schwer erkrankt auf seinem Bette.
Bleich und zitternd nahten sich die FrauenSeiner Klosterzelle und es ließ sieHelias zu sich an das Bett bescheiden.
Und Gott weiß, niit welcher HimmelsfreudeSie einander sahn. Helena weinteUm den kranken Mann, die fromme JdaKlagte um dem Vater und er selberWeinte auch voll Rührung über Beide,
Ueber Weib und Tochter, die noch einmalEr nun wiedersah. Denn er erkannte,
Daß sein Stündlein nah war, daß von allerErdcnpein ihn Gott erlösen wolle.
Also schlief er still und voller DemuthIn den Armen seiner Frau und TochterEin und starb. Sein alter PflegevaterHelias und Oriant mit Beatrix,
Emmrich auch mit alle» fünf GeschwisternStanden um sein Sterbebett. Es klagteJda laut, daß sie so bald den Vater,
Kaum gefunden, wieder schon verliere,
Doch Helena lächelte verklärt und legteStill sich an des todten Helias SeiteUnd gab freudig ihre Seele Gott auchWieder hin nnd starb mit dem Geliebten.
Also waren Helias nnd HelenaNun und ewiglich im Tod vereinigt,
Der uns frei macht aller Schuld 'und Sünde.Und der alte Helias sprach den SegenGottes über sie und dann in einemSarge wurden sie an, HochaltäreFestlich beigesetzt, wie ihnen zukam.
Weit im Land' umher war tiefe Trauer,
Alt und Jung erschien, die letzte EhreHelias und Helena darzubringenUnd für ihre Seelen Gott zu bitten.
Jda's Jammer hätte wohl den hartenMarmorstein erweicht, so war das schöneWaisenkind voll Schmerz. Da aus der RitterKreise trat ein hoher Herr gar freundlichZu ihr hin und hob an seine Brust sie.
Und als Alle auf den Ritter hinsahn,
War es Helias Freund, der deutsche KaiserOtto, der an Helias Grab mit TrauerUnd Gebet nicht fehlen wollte. Jda,
Sprach er zu der tiefbetrübten Jungfrau,
Sei mein Kind jetzt, wie ich selbst dein VaterGern sein will, und Helias vor ZeitenAngelobt. Folg mir als meine TochterHin nach Bonn, wohin mich KaiserpflichtenJetzt zu ziehn gebieten. Nimm von OriantUnd Beatrix, deines Vaters Eltern,
Auch vom alten Helias und dem KönigEmmrich und den Anderen nun Urlaub,
Also will's dein Freund und Pflegevater.
Und sie nahm den Urlaub mit viel ThränenVor den Eltern Grabe und den Seinen,
Und dann fuhr sie mit dem hohen KaiserUnd des Kaiser's Ehegemahl von dannen,Aufwärts an dem Rhein, wie Kaiser OttoEs gebot, als Pflegekind des Kaisers.