153
153 —
Söhne, du nicht. Aber ich habe dich gern alsSohn bei mir gehalten. Denn der gcldgeizigeund spitzbübische Hofmann Hodulf, der Vcr-läumdcr rmd Vcrräthcr, stürzte deine Elternin'S Verderben, sich zum Gewinn, unv brachtecö dahin, daß dein Vater das Leben verlor.Dein Erbe ließ er von König Artus rauben,der es ihm hinwiederum zum Lohne gab. Dabin ich mit dir entflohen, auf daß du deinEigcnthum Dänemark cinstenö wieder gewinnenkönntest. Auf der Flucht kam deine gute Mutterauch um, ebenso die Knechte, die ich bei mirhatte. Wir gelangten mit Gottes Hülse indiese Bay, wo ich mich nicderlicß und dichärmlich bei mir aufzog, auf daß man dich nichterkenne und dir nach dem Lebten trachte. Auchdurfte Niemand deinen wahren Namen kennen,selbst du nicht, den also nur Saburg und ichwußten. Aber du heißest Havelok, KönigGünther war dein Vater und Dänemark istdein Erb' und Eigenthum. — Nun, guterPfarrer, trauet daS junge Königspaar zumehelichen Bunde, auf daß Havelok hernachsein Ne ich und das Reich seiner Frau zu erobernauszichc."
Also geschah eö und das junge Paarwar wie betäubt vor Glückseligkeit. Laut undvornehmlich sprachen sie sodann ihr Ja undumarmten sich erst danach herzinnig, wieEheleute sollen.
DaS HochzeitSfest war aber ein sonderlichfröhliches, bis Havelok seine junge Frau indaS Kämmerchen führte, das Saburg auf daSSäuberlichste für sie hergcrichtet hatte.-
Als danach die liebliche Morgensonnc dasGemach beleuchtete, in dem sie die Nacht ver-bracht, sagte Havelok: „O liebe Argcntilla,unsere erste Brautnacht war voll Blut undWunde», voll großen Kummers und Herzeleids,aber nun bat uns Gott um so glücklichergemacht, als wir je zu werden gedachten.Darum laß uns ihm danken!"
Und die Glücklichen kniceten am offenenFenster nieder, ein herzliches Gebet zu sprechen.Und der blaue Himmel und das strahlendeMeer schaueten aus sie und Gott hörte ihrGebet gern an.
Danach blieben sic an einen halben Mondin Grimöbay und hatten unaussprechlicheFreude Tag und Nacht. War auch kein schöneresPaar je gesehen worden weit umher im Lande,wie alte Leute sagten, die sic hatten am Sce-strande wandeln sehn.
Darauf aber ließ den Prinzen Haveloksein j königliches Blut nicht länger feiern,gerächte auch, seine liebe Argcntilla bald wieder
auf einen Thronsitz zu geleiten, wie cS ihrzukommc.
Alle hießen daS gut, zumal der alte Grim,der denn auch Alles nach Nothdurft zu rüstenunverdrossen war. Er machte ein großes Schiffscgclsertig, für daS er auch bereits viel jungestrcithare Mannschaft geworben batte, und gabhinein an Waffen und Gewandung, so vielsich in GrimSbay hcrbcischaffcn ließ.
„Nun nennet Eure Namen und EuerVorhaben nicht alsogleich," vermahnte er siebeim Abschiede, sondern fahret nach der Stadt,wo mein alter Freund «igar, deS KönigsGünther getreuer Seneschal, annoch wohnetund der Erlösungszcir mit Sehnsucht harret.Er wird Euch wobt aufnehmen und bald viel-leicht lasset Ihr mich dann rufen, damit ichdir, mein Havelok, als dem neuen und recht-mäßigen Däncnkönige huldige. Zuvor aberknicc hier vor mir nieder, aus das ich dir denRitterschlag gebe, wie cö Brauch ist."
Da kniccte Havelok nieder und wurde vondem alten Grim zum Ritter geschlagen.
Und dann führte er Argcntilla in dasSchiff, die sich in keinerlei Drangsal undGefahr von ibm trennen wollte, und Grim'SSöhne stiegen mit ein, um jeden Hofdicnstbei dem künftigen Königspaarc zu versehen.
DaS Schiff stach lustig in Lee und deralte Grim mit Frau Saburg winkte ihnen nochlange nach. „Bald trage ich die Dänenkroneauf meinem Haupte", sagte Havelok zuArgen-rilla, „wenn du mir demnächst ein Kindlcinschenkst, so hoff' ich zu Gott, daß wir sannbereits gekrönt und gesalbt sind."
Bei Sigar's Stadt angclangt, ließen sieSchiff und Mannschaft im Hafen und wun-derten selbvier auf des SenescbalS Haus zu.Der alte Seneschal empfing sic in edler alterGastlichkeit, ließ sic, da es eben Essenszeitwar, oben an der Tafel bei sich sitzen undsagte Allen, besonders der holden Argcntillaviel Freundliches. Auch gemahnte ihn HavclvkSGestalt, Gesicht und lebendige Kraft wohl anGünther, da er aber ein vorsichtiger Mannwar und der böse Hodulf allezeit Späher beiSigar hielt, so schwieg er wohl stille, um dieFremden zu prüfen.
Gegen Abend hieß er seine Knechte undKnappen, die vier Fremdlinge in ein Gasthausfuhren , das ihm gehörte und das er für siehatte cinrichten lassen. Er entließ sic freundlichund beschick sic auf de» andern Tag wiederzu sich.
Aber er sollte sie schon früher Wiedersehenund nun vernehmt, auf was wunderliche Art.
Märchen und Tagrn Vll.
L!>