878 Manteusfel's Operationen gegen Bourbaki und Garibaldi rc.
spitzfindige Auslegungen und Deuteleien sich den Versailler Waffenstill-stand zu Nutze zu machen und dadurch seine kampfunfähigen Truppenvor dem härtesten Schicksale zu bewahren, welches eine Armee treffenkann. General von Manteuffel ließ sich durch keine französischen Rede-künste irre machen, er blieb unerschütterlich fest, und so sah sich Clin-chant genöthigt, mit der Schweiz wegen des Uebertritts seines Heereszu unterhandeln.
Es war in der Abendstunde des 31. Januar, als in dem dichtan der Schweizer Grenze gelegenen Dorfe Verrieres die zum Conven-tionsabschluß entsendeten Offiziere der Eidgenossenschaft eintrafen. Ineinem der letzten Häuser des Dorfes befand sich in einer kleinen ärm-lichen Parterrestube General Clinchant mit seinem Stabe. Er saß, ineinen Rock von Ziegenfell gehüllt, an einem schmutzigen, wackligenTische, auf welchem ein düster flackerndes Licht brannte, und hatte infieberischer Spannung die schweizer Abgesandten erwartet, aus derenHänden er jetzt das rettende Document entgegennahm, um seine Unter- ,schrift darunter zu setzen. Es war ein düsteres, ergreifendes Nachtstück,welches sich in dieser Bauernstube abspielte; es war der verhängnißvolleMoment, wo die letzte Hoffnung Frankreichs, eine Armee von mehr als80,000 Mann, den Boden der Heimath unter ihren Füßen brennenfühlend, im Zustande trostlosester Demoralisation mit Wehr und Waffendem Vaterlande den Rücken wandte, um sich auf fremder Erde vor demSieger zu bergen.
Kaum hatte General Clinchant die Convention unterzeichnet, alsmit dem Ausrufe: „Der Weg ist frei, vorwärts, vorwärts!" Alles ausdem Zimmer auf die Straße hinausstürzte. Und bald ergossen sich dieColonnen über die rettende Grenze; ohne Ruh' und ohne Rast, Wagenan Wagen, Geschütz an Geschütz, wälzte sich der endlose Zug Tage undNächte lang die Straßen dahin, die Pferde zu Gerippen abgemagertund mit Mühe nur vorwärts gebracht, die Soldaten mit den Spurender Entbehrung und des Elends in ihren Jammermienen. Es warein Anblick zum Erbarmen, wie ihn nur 1812 die Schneefelder Ruß-lands gesehen haben. —
Noch war zur Deckung dieses Rückzuges in Pontarlier eine starkefranzösische Arrisregarde zurückgeblieben. Diese wurde bereits am