134 Der Sturz des Kaiserthums. — Frankreich zum dritten Male Republik.
verschweigen, um sie zur Mitwirkung bei Vertheidiguug der Hauptstadtanzufeuern. Ein Vertheidigungscomitö wurde gebildet, welches seineThätigkeit zunächst damit begann, alle nahrungslosen oder verdächtigenPersonen aus Paris auszuweisen. Dann wurde ein Massenaufgebotausgeschrieben, welches außer der Mobilgarde auch die Feuerwehrcorps,die Förster und Feldhüter und alle nur irgend waffenfähigen Männervon 20 bis 60 Jahren zu den Fahnen berief.
Von den Ereignissen bei Sedan gaben die Minister am 3. Sep-tember in einer Sitzung des gesetzgebenden Körpers vorläufige Andeu-tungen, die sich mit Blitzesschnelle durch Paris verbreiteten.. Eine dichte
Menschenmasse fluthete nach derUPalais des General - GouverneursTrochu und verlangte von ihm neueNachrichten, die dieser nicht zu gebenvermochte. Die weiteren Forderun-gen ans Absetzung des Kaisers undallgemeine Volksbewaffnung verwiesTrochu an die Kammer. Es warbekannt geworden, daß der gesetztgebende Körper zu einer Nachtsitzuugznsammentreten werde und in Folgedessen drängte die Menge nach dewPalais Bourbon, wo sich dasSitzungslokal befand. Allmälig trafendie Abgeordneten im Saale ein, der nur spärlich erleuchtet war. KaM»wagte Einer von ihnen ein lautes Wort zu sprechen, so schwül uudunheimlich lastete es auf Allen. Nach Mitternacht erschien Palikawund etwas später der Präsident Schneider, welcher der todtenstistenVersammlung in tiefer Erregung eröffnet«, daß er im Laufe des Abendseine ernste und schmerzliche Nachricht, erhalten und daher die Kainw^berufen habe. Hierauf ertheilte er dem Kriegsminister Palikao da-Wort und dieser wandte sich an die Versammlung wie folgt:
Herren Deputirten, ich habe die traurige Aufgabe, Ihnen das anzlukündigen, was meine Worte vom heutigen Morgen vorhersehen ließen-Die offiziösen Nachrichten sind inzwischen zu offiziellen geworden, /
Hencral Hrochu.