Der Sturz des Kaiserthums. — Frankreich zum dritten Male Republik. 135
dreitägigem heroischen Kampfe ist unsre Armee auf Sedan zurück-öervorfen und von überlegenen Kräften der Art eingeschlossen wor-den, daß sie capituliren mußte. Der Kaiser wurde zum GefangenenZenracht."
Diese Verkündigung wurde unter lautlosem Schweigen vernommenhierauf, da es den Ministern an Zeit gefehlt hatte, sich über einenBeschluß zu verständigen, die Sitzung auf den nächsten Tag vertagt,^"chdem zuvor der Abgeordnete Jules Favre einen Antrag eingebrachthatte, welcher den Kaiser Napoleon und seine Dynastie ihrer Macht^lustig erklärte und an seiner Stelle eine Commission ernannt wissenballte zur Vertheidigung des Landes und Vertreibung des Feindes,schweigend ging die Kammer auseinander und auch die draußen ver-sammelte Volksmenge zerstreute sich allmälig.
Am andern Morgen befand sich die Pariser Bevölkerung, welche^Zwischen die ganze Wahrheit durch eine Proclamation der Ministerwahren hatte, in unbeschreiblicher Aufregung und wohin man kam,Würden überall die Rufe laut: „Abdankung! Es lebe Frankreich! Es^be die Republik!"
Als die Sitzung des gesetzgebenden Körpers herannahete, wurde^ Nationalgarde in die Nähe des Palais Bourbon entsandt und aufein Quai d'Orsay aufgestellt. Zu dem Tags vorher von Jules Favre^gebrachten Antrag gesellten sich noch zwei neue: der eine von Palikao^ftf Gründung eines Conseils, der andre von Thiers auf Einsetzung^üer Commission für Regierung und Landesvertheidigung lautend.
Während sich die Deputirten zur Berathung in die Büreau's zu-^gezogen hatten, begab sich ein Theil des Publikums von der Zu-^vertribüne auf die Freitreppe des Hauses herab und begann, in^ Befürchtung, daß Jules Favre's Antrag von der auf Seite derÖsterlichen Regierung stehenden Kammermajorität überstimmt werden^e, das Volk und die Nationalgarde zu bearbeiten, bis diese lär-in den Sitzungssaal eindrangen. Der Präsident bemühte sichGebens, die Ruhe herzustellen, auch die republikanisch gesinnten Ab-^rdneten Gambetta und Crömieux, welche sich von der Tribüne ausTumultuanten wendeten, fanden kein Gehör. Vielmehr wurdeSpektakel immer größer, immer mehr Menschen drangen in den