Ein unterbrochener Vormarsch. — Die Schlachten bei Beaumont und Sedan. 123
Furchtbar erhob sich nun das Gebrüll der Feuerschlünde, — aber^ schien, als sollte die Beschießung wirkungslos bleiben. Im blitzen-den Sonnenglanze spiegelten sich die schiefergedeckten grauen HäuserSedans und die mit grünen Baumalleen bepflanzten zackigen Festungs-ü>älle friedlich im Strome, — doch plötzlich erhob sich jenseits derKirche eine pechschwarze Wolke, und nach wenig Secunden züngeltenUnter ihr feurige Gluthen empor. Langsam stieg die Wolke, die nachoben eine weißgraue Färbung annahm, höher und höher und breitetesich weiter aus.
Es war ein furchtbar ergreifendes Bild, über der im Sonnen-glanze liegenden Landschaft, in welcher Berg und Thal anmuthig ab-U>echseln, über brennenden Dörfern und der aus der Stadt aufstei-tzenden Lohe die düstere Wolke wie einen Ungeheuern Trauerflor schwebenäü sehen.
Bereits begann die bayerische Infanterie an den Palisaden derFestung zu reißen, da ließ der König das Geschützfeuer schweigen undsandte den Oberstlieutenant von Bronsart vom Generalstabe als Par-lamentär nach der Festung. Zu gleicher Zeit war auch ein französischerParlamentär am Thore erschienen, welches sich dem Abgesandten desKönigs sofort öffnete. Im deutschen Hauptquartier hatte man von derAnwesenheit Napoleons in der eingeschlossenen Stadt keine Kenntnißbchabt, um so größer war die Ueberraschung des preußischen Stabs-°Mziers, als er sich unvermuthet vor den Kaiser geführt sah, dem er^Nn den Auftrag seines Königs, Armee und Festung zur Uebergabe^Nfzufordern, mittheilte. Napoleon verwies diese rein militärische An-liegenheit an den General Wimpffen, als den Höchstcommandirendeu,lnd sandte in Begleitung des preußischen Parlamentärs seinen Ge-leraladjutanten Raille mit einem an König Wilhelm gerichteten Hand-Treiben nach dem deutschen Hauptquartier.
, Es war 7 Uhr, als General Raille vor dem König und seinem^ohen Gefolge erschien und das kaiserliche Schreiben überreichte. Na-oleon schrieb: „Da es mir nicht vergönnt war, an der Spitze meiner
.ZMVpen zu sterben, so stelle ich Ew. Majestät meinen Degen zur Ver-ätzung."