122 Ein unterbrochener Vormarsch. — Die Schlachten bei Beaumont und Sedan.
Infanterie, Reiterei und Wagencolonnen, in Hellen Haufen der Festungzu. In dem Thale vor dem Waldhügel fand man Schaaren kampfes-müder und gefechtsunfähiger Franzofen vor, welche — viele hohe Of-fiziere an ihrer Spitze — die Waffen streckten. Die Garde, derenHöchstcommandirender freundliche Trostesworte an die niedergeschlagenenfeindlichen Krieger richtete, machte allein 4000 Gefangene, die-übrigenandern beiden Corps der 4. Armee lieferten 7000, das 5. und 6.Corps 10,000, die Bayern 4000 Mann ab.
Marschall Mac Mahon war bereits Morgens 7 Uhr durch einenGranatsplitter verwundet worden und hatte das Commando dem Ge-neral Ducrot übertragen. Gegen 9 Uhr übernahm der seit 2 Tagenerst aus Afrika angelangte General Wimpffen den Obetbefehl, indemer eine Vollmacht des Kriegsministers aufwies. Gegen 4 Uhr wollteWimpffen einen letzten Durchbrnchsversnch über Balan, einem Vor-werke Sedan's, auf Carignan unternehmen. Der Kaiser sollte sich, umder drohenden Gefangenschaft zu entgehen, in die Mitte der durchbre-chenden Truppen begeben, lehnte dies jedoch ab, da er an dem Erfolgezweifelte und weiteres, unnützes Blutvergießen vermeiden wollte. Trotz-dem versuchte Wimpffen sich von Balan aus Luft zu machen. Hier hattees bereits nach der Einnahme von Bazeilles feit 11 Uhr, wo Balanvon einer Division des 2. bayerischen Corps angegriffen worden war,hartnäckige Kämpfe gegeben, in denen sich wiederum die französischeMarine-Infanterie besonders hervorgethan hatte. Mit Hülfe preußischerTruppentheile und einer Abtheilung vom 1. bayerischen Corps wurdeBalan auch gegen jenen letzten verzweifelten Vorstoß Wimpffens be-hauptet und der Feind um 4 Uhr nach Sedan zurückgeworfen.
Um diese Zeit war die Schlacht zu Ende. Was von der stolzen fran-zösischen Armee nicht todt oder verwundet den Kampfplatz bedeckte oderzu Gefangenen gemacht war, befand sich — bis auf einen kleinenBruchtheil, der über die belgische Grenze entkam und dort entwaffnetwurde— in Sedan oder innerhalb des Geschützbereichs der Festungznsammengedrängt. Um die Entscheidung vollständig zu machen, er-theilte der König den Württembergern und der großen bayerische"Batterie aus dem Plateau südlich von Sedan Befehl, die Stadt zu be-schießen.