2
Einleitung.
Grenzen von 1814 fordere, also mindestens die Festungen Landau,Saarlouis, Philippeville und Marienburg.
Diese Zumuthung wurde durch die entschlossene Erklärung Preußens,daß es keinen Fuß breit deutscher Erde an Frankreich abtreten werde,zurückgewiesen, und damit mußte sich Louis Napoleon vorläufig zufriedengeben, denn er hatte es mit einem noch vollständig in Waffen stehendenGegner zu thun, während das im mexikanischen Feldzuge verbrauchteKriegsmaterial der französischen Truppen, Dank der corrumpirten Wirth-schaft, noch nicht einmal ergänzt und die Ausrüstung der Armee somitnicht möglich war.
Aber schon im nächsten Frühjahr griff Frankreich einen neuen Streit-punkt auf. Diesmal handelte es sich um Luxemburg. Auf Grund desWiener Vertrages gehörte dieses unter holländischer Souverainetät stehendeGroßherzogthum zum deutschen Bunde. Da dieser aber im Jahre 1866durch Preußen selbst aufgelöst worden war, so forderte jetzt Frankreichden Abzug der preußischen Besatzung aus der Festung und war überdiesmit Holland in Unterhandlung getreten, um das wichtige Grenzlandgegen eine Entschädigung von 300 Millionen Francs an sich zu bringen.Ganz Deutschland gerieth über diesen unsauberen Handel in Entrüstung,und schon schien der Krieg unvermeidlich, als durch die Vermittelungder übrigen Großmächte auf einer Londoner Conferenz der Friede wiedergesichert wurde, wonach Luxemburg bei Holland verblieb, die Festungaber von den Preußen geräumt und dann geschleift werden mußte.
Drei Jahre lang lebten nun die beiden Nachbarvölker, während inFrankreich die leitenden Staatsmänner mehrfach wechselten, miteinanderin ungetrübtem Weden. Eine allgemeine Volksabstimmung, die Napoleonzu Anfang dieses Sommers in Scene setzte, schien seinen Thron undseine Dynastie, ohne daß es neuer blutiger Lorbeeren bedurft hätte, auf'sNeue befestigt zu haben. Eine Interpellation im gesetzgebenden Körper,hervorgerufen durch ein paar aufgeregte Köpfe, die aus Preußens Be-theiligung am Bau der St. Gotthardt-Eisenbahn Gefahren für Frank-reich herleiten wollten, gelangte zur befriedigenden Erledigung, und derfranzösische Ministerpräsident nahm sogar Anlaß, zu constatiren, daß dieLage Europas noch niemals eine friedlichere gewesen, sei. Da trat plötzlichdie Frage der spanischen Thronbesetzung in eine neue Phase und entfachte.