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AUSFLUG NACH RUSSLAND.
„„Karl Brüloff ist Pensionair der Gesellschaft zur Aufmunterung der Russischen Künstler.Es fehlt ihm nicht an Colorit, und er zeichnet sich durch eine aufserordentliche Leichtigkeitdes Pinsels aus: aber es zeigt sich in seinen Werken ein oft recht bedauerliches Sich-gehen-lafsen. Er ist deshalb nicht minder der bedeutendste Russische Maler unserer Tage. SeineBerühmtheit begann mit seinen aus dem Auslande in die Heimat gesandten Gemälden; diesesind: „der Italische Morgen und Mittag"; eine schöne Copie der „Schule von Athen", nachRafael; und sein grofses Bild, welches den „letzten Tag von Pompeji" darstellt. Aufser die-sen Werken hat er für die Kasansche Kirche „Maria Himmelfahrt" und einen „Calvarien-berg" für den Altar der protestantischen St. Peterskirche gemalt. Seine Geschicklichkeit alsPortraitmaler beweisen unter andern die Bildnisse des „Fürsten Alexander Galitzin", des „Ge-neral-Adjutanten Perowski", der „Fürstin Elisabeth Soltykoff" und mehrere andere. Dereinzige Künstler, der ihm zur Seite gestellt zu werden verdiente, möchte vielleicht
BRUNI sein, dessen vorzüglichstes Werk ist: „Moses, wie er den Israeliten die eherneSchlange zeigt". Bruni hat unter andern für die gewölbte Decke der Kirche im Winterpalastdie „vier Evangelisten" gemalt. Man hat von ihm ein schönes Bild: der „Tod der Camilla,Schwester der Horatier". Aufser diesen Werken hat sich Bruni auch durch eine Copie der„Madonna von Alba", nach Rafael, durch viel andere geschichtliche Darstellungen und durchBildnisse ausgezeichnet." "
Dieses günstige Urtheil bestätigt der Verehrer Brüloffs durch die Worte: „Wie grofs auchder Ruf Brüloffs ist, so kömmt ihm doch, in den Augen eines Theils des St. Petersburger Pu-blikums, ein anderer Künstler in jeder Hinsicht gleich. Dies ist der Professor Bruni, ein Zög-ling der Akademie. Er ist ein flcifsigcr Künstler, und hat eine Menge Werke geliefert. Sein„betender Christus" hat so grofse Bewunderung gefunden, dafs binnen zwei Jahren 30 Co-pieen darnach gemacht worden sind; aber alles was er gemalt hat, wird durch das Gemäldeverdunkelt werden, das er jetzt eben vollendet, und welches die „ehernen Schlangen" dar-stellt. Dieses ungeheure Bild enthält 20 Gruppen und eben so viel einzelne Handlungen;der Schmerz findet sich darin unter allen Gestalten dargestellt; die leidenschaftlichsten Ge-fühle sind darin mit der grösten Wahrheit ausgedrückt, und am meisten zu bewundern ist,dafs diese umfafsende Composition so schön angeordnet ist, dafs, wiewohl eine jede einzelneGruppe ein Gemälde für sich bilden könnte, sich doch nicht eine einzige davon entfernenliefse, ohne der Gesammtheit der Composition zu schaden."
„Ein neues Talent ist seit Kurzem erschienen, welches Brüloff und Bruni bald gleichzukom-men verspricht. Es ist der junge IWANOFF, welcher gegenwärtig in Rom ein ungeheuresGemälde vollendet: „Jesus Christus erscheint dem Volke in dem Augenblicke, als ihm St. Jo-hannes die Taufe giebt". Die Composition ist edel, streng, des Gegenstandes würdig; diemusterhafte Zeichnung und die Studien zu den vielen Figuren dieses Gemäldes, versprechenein Meisterwerk (capo d'opera), welches in der Russischen Kunst Epoche machen wird."
„ MARKOFF und ZAWIALOFF, Pensionaire der Akademie, in Rom, versprechen ebenfallsdie Hoffnungen zu erfüllen, welche ihre ersten Arbeiten erregten. Die Sucht, übermäfsiggrofse Gemälde darzustellen, welche sich der Russischen Maler seit dem „ultimo giorno diPompei" bemächtigt hat, hat auch diese Beiden befallen. Der Erste arbeitet an einem „ Kampfevon Gladiatoren mit wilden Thieren im Kolosseum", und der Andere malt jetzt an einem „indie Hölle hinabsteigenden Christus", welchen Gegenstand er dem Messias von Klopstock ent-nommen hat."