Druckschrift 
3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
Entstehung
Seite
587
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

587

AUSFLUG NACH RUSSLAND.

Von den ältesten Landschaftern müfsen SCHEDRIN, der Alte, und MARTINOFF genanntwerden, welcher Letzte auf seinen Reisen in Sibirien und China viele landschaftliche Skizzenmachte ".

ALEXEJEFF, mit dem Beinamen des Rufsischen Canaletto, hat ebenfalls seine Laufbahnunter Katharina II. angetreten, und sich als Architekturmaler einen grofsen Ruf erworben."

MATWEJEFF, gestorben 1826, übertrifft alle seine Vorgänger, und hat unter den Russi-schen Landschaftern den ersten Rang eingenommen. Seine Compositionen, die er durchRuinen, Figuren und einen üppigen Pflanzen wuchs zu Dichtungen zu erheben sucht, zeich-nen sich durch einen edlen und strengen Charakter aus, und seine Malerei durch sehr feineAusführung; der einzige Vorwurf, den man ihm machen könnte, ist, dafs er niemals seineLandschaften durch Lichtwirkungen zu lieben sucht, und dafs alle seine Gemälde etwas kaltscheinen."

WOROBIEFF, ein Schüler des alten Schedrin und Alexejeffs, Professor der Akademie,besitzt ein merkwürdiges Talent, und ist den schönen Künsten in Rufsland besonders förder-lich gewesen durch die Errichtung einer Schule für Landschaftsmalerei, deren Hauptcharakterein glänzendes Colorit ausmacht. Er hat einen richtigen Geschmack, einen warmen Ton, einengefälligen Pinsel; sehr schön malt er seine Figuren, innere Baulichkeiten und Architektur, undvereinigt so in sich alle Eigenschaften eines Künstlers ersten Ranges. Seine Ansichten vonConstantinopel, vom Todten Meere, von Jerusalem und von den Newa-Kais während der Som-mernächte, die in St. Petersburg so kurz und hell sind, sind von bewundernswürdiger Wahr-heit und Ausführung. Sein junger Sohn hat dieselbe Laufbahn erwählt; mit Talent begabt,

wird er unter der Leitung seines Vaters ohne Zweifel ebenfalls ein ausgezeichneter Künstlerwerden."

Hören wir nun die Meinung

des andern Kunstfreundes über denselben Maler.

Dieser Künstler hat sich durch mehrere lobenswerthe Gemälde berühmt gemacht, welcheAnsichten von St. Petersburg und Moskau" darstellen; in der letzten Zeit hat er sein Talentdurch Gemälde bewährt, welcheAnsichten des Todten Meeres bei Jerusalem", derKirchedes Heiligen Grabes", eine gar herrliche vonConstantinopel", und eine vomKai des Win-terpalastcs", während einer Sommernacht, darstellen"".

SYLVESTER SCHEDRIN, gestorben 1830, war ein Zögling der Akademie, und begabtmit einem unermefslichen Talente und einer für alle Schönheiten der Natur leidenschaftlichglühenden Seele; auch ward er binnen wenigen Jahren der erste Landschafter Rufslands.Er malte mit erstaunlicher Leichtigkeit; sein Pinsel, wiewohl breit und kräftig, erschien nie-mals nachläfsig. Seine Vordergründe sind stets durch Figuren, Volksscenen belebt, welchebeweisen, dafs er eben sowohl ein ausgezeichneter Gcnremaler geworden wäre, wenn er nichtdie Landschaft vorgezogen hätte. Er liebte vor allen die Felsen an den Meeresküsten, undhatte sie während seines Aufenthaltes in Sorrento und Amalfi besonders studiert. Seine An-sichten von Tivoli, von Castellamare, von Capri und von den Umgebungen Neapels, werdenin Rufsland mit Gold aufgewogen. Schedrin starb, 29 Jahre alt, als eben sein Talent einerneuen Entwickelung entgegen ging. Man schreibt seinen frühzeitigen Tod dem übermäfsigenEifer zu, mit welchem er seine Kunst betrieb."

LEBEDJEFF, gestorben 1837, war ein Zögling und Pensionair der Akademie, die ihn,einige Jahre nach Schcdrins Zurückkunft von Rom, an dessen Stelle dort hinschickte. Aucher studierte die Natur allzu eifrig, und ward das Opfer dieser Anstrengungen in einem Alter

74*