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3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
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AUSFLUG NACH ENGLAND.

Hätte Herr Waagen den Zeichnungen von West seine Aufmerksamkeit geschenkt, so würdeer den Ausdruckhandwerksmäfsiger Maler" nicht gehraucht haben. Als Zeichner gebührtihm eine Stelle neben Michel-Angelo. Erhebt er sich auch nie zu der Höhe dieses aufscr-ordentlichen Mannes, so ist er doch niemals so maafslos, und streift niemals so nahe an dieKarikatur. Seine Zeichnungen zuMoses berührt den Felsen mit dem Stabe",Bladud ent-deckt die Heilquellen von Bath",der Tod auf dem bleichen Pferde", das Helldunkel desletzten Abendmahls", gegenwärtig in der Sammlung des Herrn Hornby, und mehrere andereZeichnungen von ihm, sind, in Hinsicht der Kraft, des Geistes und der Festigkeit, denen dergrösten Meister an die Seite zu stellen. Seine Farbenskizze zu demTode auf dem bleichenPferde", ist von irgend einem unbarmherzigen Restaurateur geschunden worden. (Some Jiearl-less cleancr has Jlayed.) ........................

(C) Seite 535. Sir Thomas Lawrence, Wests Nachfolger, war ohne Zweifel ein anmuthigerMaler, ein wahrer Hofmaler. Seine schönsten Bildnisse werden unter den ausgezeichnetestenWerken dieser Art ihre Stelle finden; aber seine Auffassungskraft beschränkte sich auf dastreue Wiedergeben einer urbildlichen Anmuth und Schönheit. Sein mit dem kecksten Pinselgemaltes und zugleich entzückendstes Bildnis ist, unsers Dafürhaltens, das Portrait der schönenMistriss Doitln": es ist breit gemalt und wenig durchgearbeitet. Es scheint unter dem un-

widerstehlichen Einilufse der Bewunderung gemalt zu sein. Es ist eine seiner ersten Arbei-ten. Seine Zeichnung ist fliefsend, elegant und leicht, aber ohne Feuer, noch von besondererEntschiedenheit; seine Ausführung ist brillant, sorgfältig und nie verwirrt; sein Colorit in derGesammtheit kräftig und harmonisch, und scheint eher aus einem natürlich richtigen Gefühlefür die Gegenwirkung der Farbe hervorzugehen, als aus Studium und Theorie.

(D) Seite 566. Die Englische Schule ist, mit geringer Ausnahme, noch im Jünglingsalter,und hat viel von der Lebhaftigkeit und Selbsttäuschung, von der Einbildungskraft und Ruhm-sucht dieses Alters. Die jungen Lehrlinge bedenken selten, dafs, wer nach Auszeichnungstrebt, sich erst dazu befähigen sollte. Das Haar wie Rafacl tragen, hat noch nicht die zau-berische Wirkung, dafs der Kunstjünger, anders als in der eigenen Einbildung, nun auch die-sem bescheidenen und fruchtbaren Geiste näher sei. Gefällt er sich im Schnurrbarte und Kne-belbarte, so wird er die Wahrheit und Tüchtigkeit Van Dycks deshalb noch nicht bei denHaaren erfafsen. Die Menge ist jetzo zu aufgeklärt, als dafs sie einige Schnörkel und Farben-klecke für Beweise von Genie, oder Turner für einen Geschichtsmaler halte, weil er, statteiner Jessica, eine Dame darstellt, die aus einem Mostrichttopfe hervorzusteigen scheint. DieEnglischen Künstler scheinen zu allgemein in dem Glauben zu stehen, dafs die höchste Kunst-stufe ohne Anstrengung erreicht werden könne; daher sie denn auch den guten Geschmackdurch Arbeiten verletzen, welche nur von ihrer Faulheit, Unwifsenheit und ihrem Eigendün-kel Zeugnis ablegen.

(E) Seite 543. Doch giebt es zum Glück herrliche Ausnahmen, und das Publikum weifsdiese zu schätzen, wenn auch nicht immer im verdienten Maafse. Wir dürfen Hilton zu den-selben zählen. Wer könnte seinenKomus" vergefsen? wer hat nicht seinenlosgekauftenSt. Petrus" bewundert? welcher Kunstrichter möchte Anstand nehmen, seinenBethlehemiti-schen Kindermord" für das beste Werk der letzten Ausstellung in der Königlichen Akademiezu erklären? Hiltons Gemälde werden nach seinem Tode sehr gesucht und zu den Werkender anerkanntesten und meistbewunderten Meistern gezählt werden. Nie erlaubt er sich dem