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AUSFLUG NACH ENGLAND.
Gestalt, als die jenes Christus? nicht im Louvre trifft man sie an, sie ist nicht in unserer Ga-lerie, nicht in der Bridgewaterschcn, noch in der Grosvenorschen, noch in Bleinham. „Derweinende Petrus" hat allen Augen Thränen entlockt. „Der reuige Dieb" stand, wie einmü-thig anerkannt wurde, ohne Nebenbuhler da; diesen Kopf hat er in einer Stunde gezeichnetund ausgeführt! . . . und von dem Künstler sagt Herr Waagen, dafs seine akademische Scheercden hochstrebenden Talenten die Flügel verschnitten habe, und dafs er ein handwerksmäfsigerMaler gewesen sei!. . . Als dieses Gemälde zum ersten Male auf der Ausstellung erschien, wurdees von einer halben Million Menschen beschaut. Die einzige mechanische UnVollkommenheit indiesem Bilde, ist der Mangel an Zartheit. Aber so sehr uns auch dieser Mangel empfindlichist und uns bedauern läfst, dafs die Italienischen tüchtigen Vorbilder nicht mehr Einflufs aufunsere Kunst üben, so ward er doch durch viele andere grofse Eigenschaften aufgewogen:und zwar durch die grofsarlige Auffassung, durch die schöne Zeichnung, und durch den mäch-tigen Eindruck, den das Bild auf alle Herzen machte. Mit einem Worte: das Publikum fühltedie erhabenen Grundsätze der Kunst, und über die gerechte Bewunderung derselben beach-tete es nicht den Mangel an jener Zartheit, auf welche doch am Ende nur diejenigen einenübergrofsen Werth legen, welche weder die Auffassung zu schätzen, noch die hohe Gewaltdes Ausdrucks zu begreifen vermögen, und deren Seele sich bis zur Betrachtung der überir-dischen Dinge nicht zu erheben vermag. Dieses Bild und jenes andere grofsartige Werk:„Moses empfängt die Gesetztafeln", müslen unserer Nationalgalerie einverleibt werden. Dortwürden sie, wie es der grofse Meister beabsichtigte, dem Volke Religion und Tugend lehren,und den Meister würdig vertreten. Beide Werke würden nicht mehr kosten, als für Tizians„Bacchus undAriadne" gezahlt worden ist. Es bestätigt sich auf eine erfreuliche Weise, dafseinige von Wests schönsten Gemälden mit der Zeit gewonnen haben: sein „Paul und Barna-bas" hat nach und nach einen der Italienischen Schule ähnlichen Glanz erhallen. Aber Westhat das Schicksal vieler anderen Maler gehabt: er ist eine Beute der Gemälderestaurateurs ge-worden. Herr Ncedl hat einige seiner besten Gemälde zu restauriren gestattet, wobei die La-sirungen gänzlich zerstört worden sind: diese Gemälde stehen nun roh und trocken da. Die„Auferstehung des Lazarus", im Dome von Winchester; die „Steinigung des Heiligen Stephan",in St. Stephan; „St. Paulus auf der Insel Malta", in Greenwich, sind noch nicht restaurirt, undwerden wohl so bleiben, obgleich sich die Farbe auf denselben spaltet und abblättert.
Noch vor nicht vollen zwei Jahren befanden sich in dem durchweg mit Tapeten bedecktenThronsaale in Wiudsor nachstehende Werke von West: „ die Stiftung des Hosenbandordens",„der Heilige Georg", „die Schlacht von Crccy", „die Schlacht von Poiticrs" und „der Über-gang Eduards über die Saone". König Georg IV. schlug dem Sir Thomas Lawrence vor,diese Gemälde dort fortschaffen zu lafsen. Sir Thomas gab die ihn ehrende Antwort: „Ew.Majestät werden doch nicht das Andenken des grösten Englischen Malers entehren wollen;und wollten Ew. Majestät dergleichen Gegenstände von neuem darstellen lafsen, so giebt esin ganz Europa keinen Künstler, der ein Werk zu liefern im Stande wäre, welches mit jenenGemälden einen Vergleich aushielte". Es ward daher beschlofsen, die Gemälde dort zu belafsen.Späterhin wurden sie auf das Gutachten eines Tapeziers mit Drapcricen überhängt. Seitdemdieses niedergeschrieben worden, haben wir zu unserer grofsen Freude erfahren, dafs sieglücklicher Weise wiederum an das Licht gebracht worden sind. „Der Tod auf dem blei-chen Pferde" ist vor einem oder zwei Jahren an einen Amerikaner für 1200 Pf. Sterl. ver-kauft worden.
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