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AUSFLUG NACH ENGLAND.
Rom, und kam 1763 nach London. Hier nahm er an der Errichtung der Akademie im Jahre1768 grofsen Antheil, und starb lüerselbst im Jahre 1820. Sein Bild: „Hannibal schwört denHörnern ewigen Hafs", war im Jahre 1771 in den Sälen der Londoner Akademie ausgestellt.Die National-Galerie enthält von ihm drei Gemälde, die mir wenig gefallen haben: die „Ver-bannung des Cleombrotus durch Leonidas" (4£ Fufs hoch und 6 Pufs lang); „Orestes undPyladcs" (3\ Fufs hoch und 4 Fufs lang), und die „letzte Abendmahlzeit" (6 Fufs hochund 9 Fufs lang). Aber ein viertes Gemälde von ihm, welches sich ebendaselbst beiludet:„Christus heilt den Kranken" (9 Fufs hoch und 14 Fufs lang), zeugt von einem sehr lobens-werlhen Streben nach Einfachheit, nach dem ernsten und reinen Style. In diesem Gemäldefinde ich mehr Styl, als in irgend einem anderen Gemälde dieses Meisters und aller anderenEnglischen Maler: jedoch mufs ich hier bemerken, dafs ich bei weitem nicht alles gesehenhabe. Ich bin kein Freund von der kecken Malerei, aufscr bei Skizzen, und ich finde, dafsbei historischen Gemälden eine breite Behandlung und starke Pinselstrichc meist nur Untüch-tigkeit hinter scheinbarer Kühnheit verbergen. Von allen historischen Bildern, die ich in Eng-
land gesehen habe, ist das eben angeführte fast das einzige, dessen Styl mir erhaben, verstän-dig, und vom Herkömmlichen unabhängig erschien. Die Gestalt Christi will mir nicht rechtgefallen; sie ist kaum eines Rottari oder Pompeo Battoni würdig; es fehlt ihr durchaus derernste, würdevolle und religiöse Charakter, den man doch so gern darin erkennen möchte:
dagegen der Kranke;
die bleiche Frau, die eben zu verscheiden scheint; die andere in Ohn-
macht gesunkene Frau auf der andern Seite des Bildes; der Mann, der dieselbe unterstützt,und die meisten Männer- und Frauengestalten auf dieser Seite des Bildes, diese alle sind der gu-ten Maler aus der Zeit der Caracci's würdig. — Mehrere Köpfe im Mittelgrunde sind schwachgezeichnet, und erinnern ein wenig an Madame le Brun oder an die nüchterne Angclica Kauf-mann: aber mit Unrecht würde man bei diesen Unvollkommcnheiten verweilen, da das Ganzeeben so verständig aufgefafst als gemalt ist.
Im Orestes und Pyladcs, mit Figuren von -5- Lcbensgröfse, hat mir Einzelnes gut gesclüenen;das Ganze aber hat keinen günstigen Eindruck auf mich gemacht.
Wer kennt nicht die schönen Kupferstiche von „Wohls Tod" und der „Schlacht bei LaHogue"? Mehr als irgend ein andres seiner Werke, haben vielleicht diese beiden Compositio-nen zu Wests Ruhm beigetragen. Die Originalgemäldc befinden sich im Besitz des LordsWestminstcr. Ich kenne sie nicht, aber Engländer haben sie mir sehr gerühmt. Die Figu-ren darin sind 18 bis 20 Zoll grofs.
Sein „Ugolino" wird für eins seiner besten Werke geachtet.
West hat auch viele religiöse Gegenstände behandelt. Dergleichen Bilder von ihm befindensich in Grecnwich und in Windsor. FucfslTs Künstlerlcxikon giebt eine sehr ausführlicheLebensbeschreibung von ihm (-f. B.).
STOTIIARD ist vor kaum sechs Jahren in hohem Alter verstorben. Ich weifs sein Ge-burtsjahr nicht anzugeben, aber seine Landsleute schätzten ihn schon zu Ende des vorigen Jahr-hunderts sehr hoch. Er gilt für den Raphael Englands; so habe ich ihn wenigstens nennengehört. Stehen aber die Werke, die ich von ihm gesehen habe, nicht tief unter dem, waser sonst gemacht hat, so wird dieses Urtheil des Englischen Publikums sich schwerlich gel-tend erhalten. Unter der Menge wenig bedeutender Arbeiten, die ich von „diesem Raphael"gesehen, nenne ich als die beste, seine „Bacchantinnen", Eigenthum des Herrn Vernon. Manhat eine unzählige Menge Zeichnungen von ihm, und legt auf die geringste seiner Skizzen