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AUSFLUG NACH ENGLAND.
hat, die mich bezaubern, ungeachtet meiner Parteilichkeit für die akademischen Systeme undLehren in Berlin, München und Düsseldorf. Ich mufs hier hinzufügen, dafs viele EnglischeBildnismaler, die jetzt denselben Weg einschlagen, Werke hervorbringen, welche sowohlin ihrem Lande, als in allen übrigen Ländern grofsen Beifall finden; denn ich habe immergehört, dafs nirgend befsere und ähnlichere Portraits gemalt werden, als in England. Dennochwiederhole ich, dafs eben diese kecke, nachläfsige, skizzenhafte, Rubenssche Manier in derHistorienmalerei im Allgemeinen zu keinen Erfolgen geführt haben, die mir genügt hätten.
Die Bildnisse, die ich von Reynolds in der National-Galerie gesehen habe, sind die desLords Ligonier, Wyndhams, des Lords Heathfield, und ein Studienkopf: alle haben meinem
Geschmacke mehr oder minder zugesagt.
Die Färbung dieses Malers hat etwas Übereinstimmendes mit der von Rembrandt.Auffas sun <r s w eis e,
Seineseine Stellungen, seine Zeichnung, verrathen das Jahrhundert Ludwig XV.Sein Farbenton ist wärmer, als bei denjenigen unter den Venctianischcn Malern, die hierindie stärksten sind (X). In vielen seiner Werke gewahrt man eine Keckheit, welche dieFrucht des Dünkels und des Ilochmuths ist, und die wiederum die Nachläfsigkeit erzeugt.Auch glaubte ich, oft Iucorrectheit und Geziertheit darin zu bemerken. Überhaupt bietendie Arbeiten dieses Künstlers ein ganz eignes Gemisch von Eigenschaften dar. Er hat etwasvon Rembrandt, von Watteau, von Corcggio und von den Venctianern.
Sir Robert Peel besitzt vier Gemälde von Reynolds, deren eins mir sehr schön vorkam;es ist das Bildnis des Doctors Johnson. Ein Frauenporlrait gefiel mir weniger; und die bei-den anderen zogen mich nur in so fern an, als sie den von Reynolds auf die neuere Male-rei ausgeübten Einflufs deutlich zeigen. Drei andere Bilder sah ich bei Herrn Samuel Ro-gers; das eine stellte ein kleines in Nachdenken versunkenes Mädchen dar, das unter demNamen das „ Erdbeer -Mädchen (Slrawberry-Girl)" bekannt ist. Es ist dies ein sehr berühmtesGemälde, und zeichnet sich durch seine goldige Farbe aus. Das andere, „ein sitzendes KindPuck (of Midmimmer nighl's dveam)", aus Shakespeare's Sommcrnachts - Traum, ist ebenfallsvon unübertrefflicher Wärme des Colorits. Der Gegenstand des dritten Bildes ist mir entfal-len: aber ich vermuthe, es ist das schlafende Mädchen, von welchem Waagen spricht, die eraber weniger lobt, als die beiden anderen (X).
Reynolds hat über die Malerei geschrieben und Vorträge gehalten, die gedruckt sind. Indiesen verschiedenen wifscnschaflliclien Arbeiten zeigt er sich als tiefer Denker und bewährteinen gebildeten Geist. Er erkannte Michel-Angelo für denjenigen Maler, dessen Werke ammeisten von dem grofsen Style haben, der, seiner Meinung nach, das nothwendige Er-fordernis der Geschichtsmalcrei ist, und als unerläfsliche Erfordernisse des grofsen Stylswiederum bezeichnet er die Grofsbeit und die Würde. Unter grofsem Styl versteht eraber nichts weiter, als was ich in der Malerei blofs durch Styl ausdrücken möchte, und ichwünschte, dafs man unter Styl stets vorzugsweise den grofsen Styl verstände. Nun
(X) „Man bat von Giorgione und Tizian Gemälde, die weit wärmer sind, als die meisten vonReynolds. Mit Recht sagt Zanetti von Giorgione, er sei ardito veramenle, alquanto sanguigno equasi fiammeggiante nella carne, was man von Reynolds nicht sagen kann: aber er ist warm im Ge-schmack einiger Vcnetianer, denen er auch durch seine Lasur und innere Frische der Farbe ähnlichist. Auch ist er warm im Geschmacke Rembrandls, vornämlich, wenn er weifse, goldig schimmerndeLeinwand malt. '
(X) „Dennoch ist es vielleicht dasjenige von seinen Gemälden, welches durch die Kraft und dieWärme des Colorits am meisten in Erstaunen setzt."
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