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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Ziel, welches die Künstler im Auge haben sollen, darin besteht, die Gegenstände eben so an-zuschauen, wie die Alten sie anschauten, nämlich, auf eine dichterische und grofse Weise.
Mehrere unsrer jungen Bildhauer betraten auch wirklich die neue von ihm eröffnete Bahn.
Unter diesen nennen wir zuerst seinen eigenen Bruder Joseph, ebenfalls aus Antwerpen.JOSEPH GEEFS stellte im Jahre 1833 in Brüssel seinen „Adonis, zur Jagd aufbrechend", inGyps aus. Diese Figur war von lieblicher Anmuth. Es war ein Werk einer rein antikenPoesie. Es lag darin eine jugendliche Schönheit, ein seltenes Sichgehcnlafsen. Es hatte einenAnflug von Griechischer Poesie, wie sie Chenier in seinen Versen wiederbelebte. Die Aus-führung war indessen weniger glücklich, als die Auffassung und der Gedanke. Es fehlte ihrnoch jene Festigkeit und Sicherheit, welche dem materiellen Theile der Bildhauerarbeit Wcrthverleiht. Aber war auch der Künstler noch nicht hinlänglich Meister der Form, so versprachdas Ganze doch schon etwas Tüchtiges. Zur National-Ausstellung im Jahre 1836 lieferte Jo-seph Gecfs ein Basrelief, welches darstellte, wie „die Künste, die Gelehrsamkeit und dieWissenschaften dem Cli. Van Haltlicm ihre Huldigungen darbringen". Dieser Gegenstand warvon einer Gesellschaft in Gent als Preisaufgabe gestellt worden. Es ist eine Gruppe von dreiFrauen, welche diese drei Arten der Thätigkeit, des Verstandes und des Gedankens darstellen.Sie sind höchst anmuthig um einen Altar gruppiert, auf welchem das Brustbild des Van Hul-thems steht. Das Ganze ist eine schöne Dichtung. Die Einzelnheiten sind sehr fein ausge-führt. Auf derselben Ausstellung sah man von diesem Künstler das Modell zu einer Statueder Hygiäa, zur Mitbewerbung um einen in Antwerpen ausgesetzten Preis. Sie ist in dem-selben Style gearbeitet, wie sein Adonis. Die Regierung hat diesen Gypsabgufs gekauft. Wirgedenken von diesem Künstler noch mehrerer Medaillons, welche auf den verschiedenen Aus-stellungen seit 1833 zu sehen waren. Der Hauptcharakter seines Talentes ist Anmuth. Dieweiblichen Figuren behandelt er mit ungemeiner Lieblichkeit. Er befindet sich gegenwärtigin Italien.
EUGEN SIMONIS, geboren zu Verviers, hat seine Studien in Rom gemacht. Das ersteuns von ihm bekannt gewordene Werk ist eine Statue des „Bacchus, der einen jungen Tigerliebkoset." In Belgien sah man von ihm zuerst auf der Brüsseler Ausstellung des Jahres 1836einen „Jüngling, der ein Kaninchen an seine Brust drückt, um es gegen die Verfolgung einesWindspiels zu schützen", in Marmor; und „einen für sein Vaterland kämpfenden Helden", inGyps. Diese drei Werke, besonders aber die beiden letzten, wiesen ihm eine ausgezeichneteStelle unter den Belgischen Bildhauern an. Der Bacchus, wiewohl unleugbar eine verdienst-volle Arbeit, verrieth dennoch in dem Talente dieses Künstlers noch etwas Lückenhaftes.Die beiden anderen, im Jahre 1836 ausgestellten, aber zeugten von grofser VervollkommnungEs waren zwei einander ganz entgegengesetzte Gegenstände. Das eine war eine liebliche Kna-bengestalt, die das Kaninchen, voll Furcht, dafs der Hund sich desselben bemächtigen werde,vertheidigt und an die Brust drückt; das andere eine kräftige Kriegergestalt. Beide Werke fan-den grofsen Beifall.
LUDWIG JEHOTTE, geboren zu Lüttich, im Jahre 1805, studierte, wie Simonis, in Rom,wo Thorwaldsen und Kessels seine Lehrmeister waren. Im Jahre 1824 erhielt er daselbstvon der St. Lukas - Akademie den Preis für Bildhauerei. Für den König von Holland machteer hier das Modell eines „Fauns", dessen Ausführung in Marmor jedoch die Ereignisse desJahres 1S30 verhinderten. Auch arbeitete er in Rom einen „Zephyr, der einen Schmetterlingauffliegen läfst", in Marmor; jetzt Eigenthum Sr. Majestät des Königs der Belgier. Dies ist