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3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
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AUSFLUG NACH BELGIEN.

grofse und edle Sache sterbenden Helden vortrefflich ausgedrückt. Höchste Erhebung und Begei-sterung leuchten wunderbar dichterisch daraus hervor. Dieser Kopf ist eine herrliche Schöpfung,ein herrliches Gedicht. Und nun diese so wahre Stellung, dieser so naturtreue Gliederbau, diesegrofsartige Verbindung der Gewandungen und der Linien, diese so übereinstimmende Gesammt-heit mit diesen so feinen und natürlichen Einzelnheiten! Es wäre wahrlich schwer, unmög-lich fast, etwas zu schaffen, das eine gröfsere, eine erhabenere Wirkung hervorbrächte.

Neben diesen beiden Werken sah man, wie wir schon gesagt haben, eine Marmorbüstedes Königs. Dieser Kopf ist von ungemeinem Ausdruck und Feinheit der Ausführung.

In der Zeit zwischen den Ausstellungen von 1833 und 1836 schuf Geefs mehrere andereWerke, darunter vorzüglich: die „Schwermuth", das „Gebet", die „Hoffnung und die Ewig-keit", und das „Kind St. Johannes." Die „Schwermuth" ist ein junges, am Ufer eines Ba-ches sitzendes Mädchen, welches in denselben die Blätter einer zerpflückten Blume fallen läfst.Man möchte es eine Höltysche oder Matthissonsche Elegie nennen. Das „Gebet" ist ein ande-res, kniendes und die Hände faltendes junges Mädchen. Jene ist nackt; diese, in AlbrechtDürers Styl aufgefafst, ist züchtig in ein langfaltiges Gewand gehüllt, womit der NürnbergerMeister seine Engel zu bekleiden liebte. Beide sind voller Gefühl und Poesie.

Im Jahre 1836 stellte Geefs mehrere Arbeiten aus. Zuerst einige Marmorbüsten, und dasim Jahre 1833 schon ausgestellte Brustbild des Königs, nunmehr in Bronze; dann einen eigen-erdachten Kopf der „Francesca di Rimini", und endlich eine Gruppe: „Gcnoveva von Bra-bant mit ihrem Kinde und der Hirschkuh." Jene Büsten sind in derselben Art behandelt, wiedas Brustbild des Königs. Der Kopf der Francesca di llimini drückt ganz die Verse Dante'saus, die dem Bildner vorschwebten. Es ist eins von jenen idealen Gesichtern, die nur durchEinbildungskraft eines grofsen Künstlers nach der Darstellung eines grofsen Dichters hervor-gebracht werden können. Es sind ganz die Züge, wie man sie an der unzüchtigen Schwe-ster der keuschen Beatrix sich denkt. Die niedergesenkten Augen verrathen, was beim Lesender Geschichte Lancelots in ihrem Innern vorgeht, sie will eben den Kopf zu ihrem Gelieb-ten hinneigen. Wir lesen in diesem mit unerhörter Zartheit des Meifsels gebildeten Gesichtedie ganze Dichtung Dante's. Dies Werk gehört dem Grafen Hippolyte Vilain XIV.

Die Geschichte Genovcva's von Brabant ist durch die unzähligen Legenden, zu welchen sieVeranlafsung gegeben, und durch Tiecks Schauspiel zu bekannt, als dafs es nöthig wäre, sieliier zu wiederholen. Geefs hat den Augenblick gewählt, wo die unglückliche Mutter, in ihrerVcrlafsenheit im Walde, nur noch auf den Beistand des Himmels zu hoffen hat. Sie sitzt insich zusammengesunken, und hält mit beiden Händen auf ihren gebogenen Knieen ihr tiefein-geschlafenes Kind. Neben ihr kauert die geschichtliche Hirschkuh, und leckt die Füfse desKindes. Diese Composition ist von bewunderungswürdiger Reinheit der Linien, und ein voll-kommen geschlofsenes Ganzes. Es herrscht darin eine erstaunliche Tiefe des Gefühls. DerKopf der Gcnoveva ist von dem schönsten Ausdruck. Das tief Bewegte strahlt ohne die ge-ringste Übertreibung daraus hervor. Leiblicher Schmerz und Seelcnlcidcn malen sich auf demAntlitz in ihrer ganzen Wahrheit. Es ist aber nicht der Schmerz des Weibes allein, auchdas Leiden der Mutter ist höchst dichterisch ausgedrückt. Der Contrast zwischen dieser Ge-stalt und der tiefen Ruhe des Kindes macht die glücklichste Wirkung. Man hat an dem rech-ten Arme der Genoveva eine nach anatomischen Gesetzen unmögliche Biegung zu tadeln: in-dessen gewahrt man kaum diesen Fehler: so sehr wird man von dem so übereinstimmendenund dichterischen Ganzen ergriffen.