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AUSFLUG NACH BELGIEN.
sich nichts Heiligeres und Erhabeneres denken. Ein Künstler, der nichts als dieses Werkallein geschaffen hätte, wäre schon sicher in der Kunstgeschichte fortzuleben.
Dies sind die beiden Namen, welche Belgien in diesen letzten Jahren in das Verzeichnisseiner besten Bildhauer eintragen konnte. Aber diese Künstler konnten wegen ihres Aufent-haltes im Auslande leider nicht einen wirksamen Einflufs auf die neuen Elemente ausüben,welche für die Bildhauerkunst in der Belgischen Jugend lagen. Es bedurfte eines mitten un-ter uns lebenden Landsmannes, um unser ganzes junges Bildhauergeschlccht durch sein Bei-spiel zu leiten.
Ein solcher Mann lebte. Es war Geefs.
WILHELM GEEFS, geboren zu Antwerpen, im Jahre 1806, begann seine Studien auf derdortigen Akademie. Dann trat er in die Lehre des Jüngern Ramayc in Paris, wo er im Jähre1830 einen „jungen Hirten aus den ersten Zeiten des Christenthums, der Blumen auf ein Grabstreuet", ausstellte. Dies Werk stand allerdings dem, was er kurze Zeit darauf hervorbrachte,noch sehr nach, bekundete jedoch schon vortreffliche Eigenschaften. Es machte sich sogleichdurch viel Gefühl, eine gewifsc Würde und eine gewifse Leichtigkeit der Ausführung bemerk-lich. Aber der grofse Augenblick der Entwickelung von Geefs Talent war noch nicht gekom-men: erst die Belgischen Ereignisse des Jahres 1830 boten ihm Gelegenheit dazu dar. DieRegierung stellte eine Preisaufgabe zur Errichtung eines Denkmals als Erinnerung an die Sep-tembertage. Geefs trug den Sieg über eine grofse Anzahl Belgischer und Französischer Mit-bewerber davon, und vor Kurzem ist sein Monument auf dem Märtyrerplatzc eingeweiht wor-den. Der Graf Friedrich von Mcrode war in dem Belgischen Freiheitskampfe gefallen; derGeneral Belliard war mitten unter den Belgiern auf dem Platze geblieben: einem jeden dieserbeiden unserm Vaterlande geweihten Männer gebührte ein Denkmal. Geefs ward mit ihrerAusfülirung beauftragt, und sie stehen jetzo, dieses dem Brüsseler Parke gegenüber, jenes inder St. Gudula-Kirche.
Auf der Brüsseler Ausstellung des Jahres 1S33 sah man von Geefs die Modelle zu demStandbilde des Generals Belliard und zu der Figur für das Denkmal des Grafen Friedrich vonMerode, und eine Marmorbüste Sr. Majestät des Königs der Belgier. Die beiden Gypsmodellczogen die lebhafteste Aufmerksamkeit des Publikums auf sich; sie trugen in der That das Ge-präge des wahren Styls. Es war die ganze Wirklichkeit der Natur, aber einer dichterischund idealisch angeschauten Natur. Es waren die Züge, die Haltung, der Anstand von Män-nern, die wir Alle gesehen hatten, und die jedermann auch unter dem dichterischen Schleier,mit dem der Künstler sie umhüllt hatte, wiedererkannte. Es waren zwei breit aufgefafsteKunstschöpfungen, wo Natur und Ideal sich aufs Glücklichste vermählten, wo die Wahrheitden Adel nicht ausschlofs. Was wir hier behaupten, findet sich jetzo vollkommen gerechtfer-tigt, indem beide Werke in Marmor uns vor Augen stehen, und alles das bestätigen, was wirbeim Anblick ihrer Gypsmodellc empfanden. Unstreitig aber gebührt von beiden das meisteLob dem Denkmale des Grafen von Merode, von welchem man mit Wahrheit sagen kann,dafs es genial ist. Der Graf ist in dem Augenblicke dargestellt, wo er, mit zerschmettertemOberschenkel niederstürzt, sich mit der linken Hand wieder aufzuraffen strebt, während er mitder rechten sein Pistol auf einen feindlichen Krieger richtet, den seine Augen suchen. DieseFigur ist mit ungemeiner Kräftigkeit aufgefafst. Kaum verräth das Gesicht den tödtlichen Schmerzdurch eine leise Zusammenziehung der Muskeln, und doch hat der Künstler auf dem Antlitzediese Ausstrahlung der Seele, diese innere Genugthuung, dieses tiefe Bewustsein des für eine so