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AUSFLUG NACH BELGIEN.
wurden auch bald seine Arbeiten mehr gesucht, und von allen Seiten liefen die ehrenvollstenBestellungen bei ihm ein. Der König der Niederlande glaubte das Ritterkreuz des BelgischenLöwen zu ehren, indem er es diesem herrlichen Talente verlieh, welches so glänzende Erst-linge geschaffen hatte. Aus dieser Lebenszeit Kessels sind: seine kolossale Bildsäule des „Mars",welche dem Garten des Schlofses Laeken zur Zierde bestimmt war, und die beiden „Diskus-werfer", von welchen der eine für die Sammlung des Herrn Labouchere in London, und derandere für die Sammlung des Herzogs von Alba in Marmor ausgeführt wurde.
Seitdem hat unser Künstler eine Reihe von Werken geliefert, unter welchen mehrere alsMeisterstücke zu betrachten sind: „Christus an der Säule"5 „das Grabmal der Gräfin von Cel-les"; „die über einem Aschenkruge weinende Frau"; „Amor, seine Pfeile schärfend"; „Venus";„die Gruppe aus der Sündflut"; die kolossalen Köpfe „Christi" und der „Jungfrau"; vornäm-lich aber „der stehende Diskuswerfer" und „das Antlitz Christi", beide in erhobener Arbeit.
So wuchs sein Ruhm von einem Tage zum andern. Aber es fehlte ihm das durch nichtszu ersetzende Etwas, sein Vaterland. Sein Heimweh war nicht geringer, als die Sehnsucht,die ihn aus der Vaterstadt getrieben hatte. Die Belgische Regierung gedachte, ihm die Pro-fessur der Bildhauerkunst an der Akademie der schönen Künste in Brüssel zu verleihen, under war schon im Begriff, nach der Heimat zurückzukehren, als die Lungensucht, mit der erseit dem Jahre 1833 behaftet war, plötzlich einen ernsten Charakter annahm, so dafs er aufseine Reise verzichten muste. Er starb am 3tcn März 1836, indem er einige Worte aus derNachfolge Christi herstammelte, welches Buch ihm, nächst dem Buche aller Bücher, der Bibel,das liebste war.
Da die Regierung nun den Mann selbst nicht mehr haben konnte,
den der Tod dahinge-
rafft hatte, so war sie darauf bedacht, Alles, was Kessels seiner Wittwe an Studien und Wer-ken zurückgclafsen hatte, an sich zu bringen. Diese kostbare Sammlung befindet sich gegen-wärtig in Brüssel. Sie besteht aus Modellen und ausgeführten Arbeiten, aus Gyps-, Thon-und Marmorbildcrn. Es findet sich darunter sein stehender Diskuswerfer, den man für ein inHerkulanum und Pompeji aufgefundenes Werk halten möchte, so sehr trägt er das antike Ge-präge, welches über dem falschen Verständnis der Michel-Angelo'schen und Rubensschen Formaus unserer Bildhauerei gänzlich verschwunden war. Auch befinden sich darunter mehrereDarstellungen der „Pietä", von tiefem religiösen Gefühle. Wir halten diese Mannigfaltigkeit,welche Kessels in seinen verschiedenen Hcrvorbringungen bewiesen hat, für eine merkwürdigeErscheinung. In dem „Diskuswerfer" tritt die Gestalt hervor; es ist die heidnische Schön-heit in ihrer ganzen Kräftigkeit, in ihrer ganzen Fülle; es ist das Leibliche in seinem vollenGlänze; es ist die Hülle der Seele, in ihrer ganzen Kraft und Wahrheit wiedergegeben durchden Stein. Dagegen sehen wir in den „Pietä's" den höchst rührenden, klagenden und tiefstenAusdruck der innigsten Empfindungen; der Marmor lebt, seufzt und weinet; es ist das Aller-immateriellste, verständlich und sichtbar gemacht durch das Allermatericllste: die Seele durchden Marmor. So ist er einerseits dem Agesias, des Lysippus Schüler, verwandt, andrerseitsden Meistern der Römischen Zeichnung und Schule. Zu einer jeden dieser beiden durch dieangeführten Kunstwerke bezeichneten Abtbeilungen gehören noch eine Menge anderer in dieserSammlung enthaltenen Arbeiten in Gyps, Thon oder Marmor. Eine der letzteren scheint unsvor allen Gefühl, Adel und Grofsheit im höchsten Grade in sich zu vereinen: es ist das Ant-litz Christi in erhobener Arbeit. In dem Ovale eines Marmorblocks erscheint das Bild des
Heilands. Man meint,
es sei das versteinerte Schweifstach der Heiligen Veronica.
Man kann