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AUSFLUG NACH BELGIEN.
vornümlicli der Bildhauerei. Die falsche Auffassung Michel-Angelo's und des Rubens ertödtelcunsre Bildhauerkunst. Aegidius von Ardenne, aus Huy; Peter von Fraisne; Heinrich Plemalle;Joh. Delcour, aus dem Lütticher Lande; Arthur Quellin, aus Antwerpen, und mehrere Andrebeschleunigten diesen Verfall des wahren Styls. Vergebens bemühten sich Verbruggen, Dcl-vaux, Van Poucke, Godecharlcs, ihn wiederherzustellen. Ein jeder von diesen, übrigens sehrachtungswerthen Künstlern, besafs treffliche, aber vereinzelte Eigenschaften. Der eine hatteAmnuth, der andre Kraft; dem einen gelang der Entwurf, dem andern die Ausführung. Aberkeiner von ihnen besafs vereint alle diese Eigenschaften, deren Gesammtheit demjenigen uner-läfslich ist, der den Marmor beleben und beseelen will.
Nun kam das Reich von Davids Malerei. Diese halte zwar mit der Bildhauerei nichts zuschaffen. Hier liefs sich sein Perlgrau nicht wohl anwenden, um unsere Marmorbilder damitzu überziehen und anzustreichen. Hier liefs sich nicht erst lehren, Griechen und Römer aus-zubauen. Schon längst hatten die Griechen und Römer, die Geschichte des Alterthums unddie Götterlelire sich der Belgischen Bildhauerei bemächtigt. Schon längst waren unsere Bild-säulen nur mit Sandalen beschuhet und mit der Tunica bekleidet. Auf dem Königsplatze inBrüssel stand das Marmorbild des Prinzen Karl von Lothringen, im Römischen Costume desTheaters, mit nackten Armen, nackten Beinen, entblöfster Brust, Sandalen an den Füfsen undden antiken Mantel um die Schultern. David hatte demnach für die Bildhauerei in Belgiennichts mehr zu thun; sie war schon durch und durch heidnisch. Schon war die strenge Ho-heit der Antike, die Innigkeit des Mittelalters, die Ausdehnung in der Wiedergeburt der Kunstgänzlich daraus entschwunden. Hierdurch trat die grofse Bewegung ein, welche durch das-jenige, was man mit dem noch unerklärten Namen Romantismus bezeichnet, in der Malereihervorgebracht wurde. Unsere Bildhauerei blieb, was sie unter David war.
Indessen besafs Belgien zwei Bildhauer von grofsem Verdienst: Kessels und Rutxhcil. Dieso in Verfall gerathenc Belgische Bildhauerkunst behauptete also ihren alten Ruhm nur nochdurch diese beiden Meister.
RUTXHEIL, geboren zu Lierneux bei Stavclot, hat sich schon seit langer Zeit in Paris nic-dergelafsen, wo man sehr viel Statuen von ihm sieht. Alle seine Werke zeichnen sich so-wohl durch Styl, als durch die Ausführung aus, und bekunden ein gelehrtes Studium derGriechischen Plastik. Man hat von ihm merkwürdige Büsten Ludwigs XVIII., des Herzogsvon Wellington und mehrerer anderer bedeutender Männer unsers Zeitalters.
MATTHIAS KESSELS, geboren zu Macstricht und gestorben zu Rom im Jahre 1836, waranfangs Goldschmied. Seine Mufscslunden widmete er dem Modellieren kleiner Wachsfigu-ren, welche als kostbare Seltenheiten von den Liebhabern aufbewahrt werden. Nur Ein Ge-danke nahm ihn ganz ein, nämlich der, einst ein grofser Bildhauer zu werden. Im Jahre 1817verliefs er seine Geburtsstadt, und ging nach Rom, wo er sich in Thorwaldsens Lehre begab,und durch anhaltenden Fleifs es bald so weit brachte, dafs er für denselben die beiden sobekannten Basreliefs, den „Tag" und die „Nacht", ausführen konnte*. Das Beispiel und dieLehren des Meisters erhoben den Muth und das Talent des Schülers dergestalt, dafs er schonim Jahre 1819 als Mitbewerber um den von Canova gestifteten Preis für Bildhauerei auftrat.Die Aufgabe war ein von Pfeilen durchbohrter Heiliger Sebastian. Die St. Lukas-Akademieerkannte Kessels den Preis zu. Nachdem er sich so in Rom einen Namen gemacht hatte,
* Vergl. oben S. 288.
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