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3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
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AUSFLUG NACH BELGIEN.

Im Laufe desselben Jahrhunderts lebte in Mons Jacob du Bruque, berühmter Baumeisterund Bildhauer, welcher den Chor der Kirche der Heiligen Waudru vollendete; in Dornicklebten Lecreux und Gillis, von welchen der erstere die Gruppe des Heiligen Michael überdem Chore ausführte, und der andre die Kanzel der dortigen Hauptkirche anfertigte. Lüttichrühmte sich seines Thiry, Antwerpen seines Claude Floris. Brügge war stolz auf jenen Mei-ster, dessen Name jetzt in Vergefsenheit gerathen ist, und der den berühmten Kamin in Holzschnitt, welcher den Saal des Stadtrathes ziert; und in derselben Stadt erhob sich, auf BefehlPhilipps IL, das Grabmal Karls des Kühnen neben dem im Jahrhunderte vorher errichtetenGrabmale Mariens von Burgund.

Bis zu Rubens Zeit ungefähr hatte sich die Belgische Bildhauerei mit der Belgischen Malereiauf gleichem Standpunkte erhalten. Sie wurzelte in der Anschauung und in dem innigenGefühle Van Eycks. Nach und nach aber hatte dieser herrliche Stamm andere Zweige ge-trieben: Zweige, welche unsere Künstler fort und fort in dem Maafse veredelt hatten, wiesie nach Italien gingen, um die dort sich bildenden Schulen zu studieren, und jeder irgendeinen neuen fremden Grundsatz dorther mitbrachte. Wir haben schon bei der Malerei gesagt,welchen Einflufs Michel-Angelo und seine Schule auf die Belgische Kunst ausübten. Vielevon unseren Künstlern hatten den grofsen Italienischen Bildhauer nur von der materiellstenSeite aufgefafst. Sie hatten das Muskelspiel der menschlichen Gestalt bis zur krampfhaften Ver-zerrung übertrieben. Rubens, der als Maler, immer durch seinen Farbenglanz und durchdie Zusammenwirkung seiner Darstellungen, das oft zu wenig Ideale seiner Gestalten zu ver-decken wüste, machte nun durch sein Ansehen diesen Materialismus allgemein. Damit wurdeder Belgischen Bildhauerkunst ein tödtlicher Schlag versetzt.

Indessen bemülietcn sich zwei Männer, die Bildhauerkunst noch in ihren eigentlichen Gren-zen zu erhalten: es waren die Gebrüder Franz und Hieronymus Duquesnoy. Der erste gingnach Italien mit Poussin, dem er Unterricht im Modellieren von Figuren gab, um ihm beimBroderwerb zu helfen. Er starb in Livorno. Während die Bildhauerkunst sich der Schamlo-sigkeit liingab, blieb er poetisch und elegant. Anmuth und Geist bilden die Grundzüge seinerWerke. Es giebt nichts Lieblicheres als seine Kinderspiele und seine Bacchusfeste. Diese klei-nen Meisterwerke werden immer Meisterwerke bleiben. Seine bewunderungswürdigen Basre-liefs werden immer bewundert werden. Er war für die Bildhauerei, was Albano für die Ma-lerei. Aber nicht allein durch einen amnuthigen Styl that er sich hervor: Seine in Lorettoaufgestellte Heilige Susanna, und sein Heiliger Andreas in der St. Pcterskirche zu Rom, be-weisen, dafs er im edlen und strengen Styl nicht minder glücklich war.

Sein Bruder Hieronymus, der in Gent so schimpflich sein Leben endigte, besafs eine un-glaubliche Anmuth und Feinheit des Meifsels. Niemand hat die Engel und Cherubim mit sovieler Zartheit dargestellt, wie er. Man hat ihn mit Recht den Praxiteles Belgiens genannt.Das Denkmal des Bischofs A. Tricst, welches er für die St. Bavo-Kirche in Gent ausführte,ist eins der schönsten Bildhauerwerke neuerer Zeit.

Diesen beiden grofsen Künstlern stellt sich Joh. Warin, aus Lüttich, zur Seite. Er warStempelschneider Ludwigs XIH. und Ludwigs XIV. Man hat noch von ihm zwei herrlicheBrustbilder dieses letzten Königs und Richelieu's.

Diese drei Männer, die beiden Duquesnoy und Warin, erhielten die Bildhauerkunst nochinnerhalb der Wahrheit, der Poesie und des Grofsen. Aber vergeblich war ihr Kampf gegenden immer mehr überhand nehmenden Materialismus, der allen Künsten so verderblich ist, und