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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Dies sind die beiden noch der Vervollkommnung bedürftigen Seiten der Belgischen Kunst.
Darin liegt die ganze Zukunft der höheren Malerei unserer Schule, die auf diesem Ent-wicklungswege unfehlbar eine der berühmtesten von Europa werden wird.
Was die untergeordneten Fächer der Malerei betrifft, so wünschten wir, obgleich wir nichtzu denjenigen gehören, welche von den Kunstschöpfungen stets einen praktischen Nutzen ver-langen, dennoch, dafs dieselben sich etwas mehr der dichterischen "Wahrheit näherten, undden Kreis der materiellen Wahrheit verliefscn, in welchem viele unsrer Maler sie noch zu-rückhalten. Etwas Gemeines, und wäre es noch so schön gemalt, bleibt immer gemein; dasUnedle bleibt auch unter dem Purpur unedel. Quasimodo, in Goldstoff gekleidet, bleibt des-halb nicht weniger das bucklige Ungeheuer, das die Kirche Unsrer Lieben Frauen verunziert.Der Künstler soll wahr sein, aber dichterisch wahr. Er soll nicht aus der Natur heraustre-ten, aber er soll in der Natur mit Geschmack, mit Gefühl und mit dem innigen Sinne wäh-len, der ihn zum Künstler macht, und nicht blofs zum geschickten Handwerker.
Die mehr unbefangene, als geistreiche Auffassungsweisc, welche von jeher der Flamändi-schen und Holländischen Genremalerei eigenthümlich gewesen ist, hat unsre Genremaler mehrals einmal ins Gemeine verfallen lassen: doch dürfen wir hinzufügen, dafs man diese Klippesorgfältig zu vermeiden anfängt. Schon sind seit einiger Zeit in dieser Beziehung grofse Fort-schritte gemacht worden, und bald wird man, wie wir hoffen, jenes Vorwurfs gänzlich über-hoben sein.
§. III. VON DER BELGISCHEN BILDHAUERKUNST.
Die Bildhauer- und Ciselierkunst war in früheren Zeiten in Belgien sehr ausgebildet: abernur wenige Werke, die das 16te Jahrhundert übersteigen, sind bis auf uns gekommen. Dieverheerenden Kriege, welche Flandern während eines grofsen Theils des Mittelalters durch-wühlt haben, die Plünderung Lüttichs durch Karl den Kühnen, die Verwüstung fast allerunserer Städte während unsers langjährigen Kampfes mit Spanien, und die fast eben so zer-störende Gewalt der Zeit und des Feuers, dieser beiden furchtbarsten Vertilger, haben nureine sehr kleine Anzahl solcher Denkmale verschont gelafsen. Auch sind unter diesen nur we-nige, deren Urheber man kennt.
Wer vermöchte uns zu sagen, welche Hände jene unzähligen Bildhauerwerke, die unsereprächtigen Kirchen und unsere stattlichen Rathhäuser schmücken, gemeifselt haben? Wer nenntuns die Namen aller der Meister, welche jene schönen hölzernen Chorstühle, jene alten Kan-zeln und Rcliquienbehälter jeglicher Gestalt schnitzten, die noch in allen unsern Kirchen be-wahrt werden?
Zu Anfange des löten Jahrhunderts blüheten in Lüttich Erasmus Oelle Peter, Gerhard vonFeiern, Johann Godele, Hermann Hörne und die beiden Lambert Zutmann; aber von ihrenBildhauerwerken ist nichts mehr vorhanden.
Zu Anfange des lCtcu Jahrhunderts blühete in Brüssel jener Meister Conrad, dessen Bild-nis Albrecht Dürer malte *, und von dem er sagt, dafs ihm ein solcher Bildhauer noch nichtvorgekommen sei**. Conrad stand im Dienste der Statthalterin Margarethe von Österreich.Es ist uns keins von seinen Werken bekamit.
* Albrecht Dürers Reliquien, S. 89.
** Ebendaselbst, S. 87.
III.
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