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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Van Everdingen, Ruysdael und Hobbema, nach denen er, mit Bewahrung seiner Eigenthüm-lichkeit, sich bildet und entwickelt, gebrochene Bahn ruhmvoll zu durchlaufen. Er strebt, undschon gelingt es ihm, seinen Werken jenes Siegel dichterischer Wahrheit zu verleihen, dasjene grofsen Meister ihren Werken so schön zu geben wüsten. Noch hat er den cigenthüm-lichen Ausdruck des ersten, die Gefühlstiefe und Gedankenhöhe des andern, und die fast zurVerzweiflung bringende Ausführung des dritten nicht erreicht: aber schon steht er auf einerStufe, bis zu welcher, man mufs es gestehen, bis jetzo noch keiner unserer jungen Land-schafter gelangt ist. Die fleifsigen Studien, denen er sich widmet, werden das Talent, vonwelchem er bereits zwei so schöne Beweise geliefert hat, zur Vollkommenheit führen.
JOSEPH PERLAU, in Brüssel, stellte im Jahre 1836 daselbst zwei mit aufserordentlichemGeschmack entworfene und trefflich angeordnete Landschaften aus. Wie De Marneffe, widmeter sich diesem Fache ausschliefslich. Seine Darstellungen haben etwas von dem Charakter,den Claude Lorrain den seinigen aufzudrücken pflegte; er lieht die von der Sonne hellerleuch-teten weiten Gesichtskreise; seine Dichtung hat etwas ruhiges und heiteres, nichts von demFeuer und der Kraft des De Marneffe.
Noch einige Studien und etwas Ausdauer, und Perlau wird es weit bringen. Er entwirftmit Geschmack, zeichnet gut, und hat Farbe. Nur fehlt ihm noch Pinselfestigkeit und Leich-tigkeit in der Behandlung des Baumschlags.
VERWEE, in Brüssel, malt Landschaften mit Vieh. Er ist ein Schüler Verboeckhoven's,dessen Art er sich völlig zu eigen gemacht hat, und in dessen Eigcnthümlichkeit die sei-nige fast ganz untergegangen ist. Man sah mehrere von seinen Gemälden auf den Ausstel-lungen in Brüssel in den Jahren 1827, 1830, 1833 und 1836, und im Jahre 1829 in Gent.Er entwirft gut, zeichnet mit Geschmack, führt vortrefflich aus und besitzt eine sichere Pin-selführung. Leider aber mangelt ihm alle Ursprünglichkeit. Er ist ein genauer Nachahmerseines Meisters, und zwar in solchem Grade, dafs nicht allzu gewissenhafte Händler seineGemälde mehr als einmal für Verboeckhovensche an Kenner verkauft haben, die noch nichthinlänglich gebildet waren. Sonst würde Verwee ein vortrefflicher Künstler sein: währender jetzo nur ein talentvoller Nachahmer, mit übrigens sehr schätzenswerthen Eigenschaften ist.
Unter unsern Malern innerer Baulichkeiten haben wir einen Künstler von grofsem Verdienst:JULIUS GENISSON, aus Antwerpen. Er hat sich hauptsächlich mit der Malerei des Innernvon Kirchen beschäftigt. Im Jahre 1835 stellte er in Gent das „Innere der Kapelle des Allerhei-ligsten in der St. Gudulakirche zu Brüssel" aus; ein Jahr darauf brachte er das „Innere der-selben Kirche", und das „liniere der St. Jakobskirche in Antwerpen" zur National-Kunst-ausstellung. Auf der Ausstellung in letztgedachter Stadt vom Jahre 1837 sah man von ihm„das Innere der Kirche Unser Lieben Frauen." Genisson zeichnet correct, seine Anordnungist geschmackvoll, seine Farbe gut; er beobachtet streng die Regeln der Perspective, weifssehr geschickt glänzende Lichtstrahlen durch die Kirchenfenster eindringen zu lafsen, oderverbreitet mit vollkommen richtigem Verständnisse den Schatten unter den Gewölben. Aberwas seinen Gemälden ein wenig mangelt, ist Andacht. Man wird nicht versucht, in seinenKirchen zu beten. Man fühlt sich darin selten von der Frömmigkeit durchdrungen, welcheein Gotteshaus stets in uns erweckt. Die Abwesenheit dieses Ausdrucks macht sich fast über-all darin fühlbar. Wenn der Künstler, der aller materiellen Mittel der Kunst so sehr Meisterist, sich dieses Theiles der malerischen Poesie befleifsigt, so wird er sich unfehlbar einengrofsen Namen machen.