498
AUSFLUG NACH BELGIEN.
Ritterschaft schartig schlägt; und bald wird man in der „Schlacht bei Woeringen die Lan-zen der Belgier mit denen von der Maas und vom Rhein im Streite sehen, dessen Ausgangdie Eroberung des Grofsherzogthums Limburg durch Herzog Johann I. von Brabant entscheidet.
Dies sind die drei Künstler, auf denen vor allen die Zukunft unsrer jungen BelgischenSchule beruht. Dies sind die drei grofsen Talente, durch welche die neue Belgische Kunstauf der frisch betretenen Bahn sich entwickeln wird.
Wir kommen nun auf diejenigen Maler, die nach Wappers, Gallait und De Keyzer indie neu eröffneten Schranken getreten sind. Wir haben schon mehrere derselben namhaftgemacht, als wir von der stürmischen Bewegung sprachen, welche im Jahre 1833 in denSälen der Brüsseler Ausstellung vorging; auf der Ausstellung von 1836 erschienen nun meh-rere andere Künstler, von welchen wir die vorzüglichsten hier aufführen wollen. Zuerst dieGeschichtsmaler.
Hier begegnen uns die Namen Van Rooy, De Biefve, Van Eycken und Vcrschaeren.
J. B. VAN ROOY, geboren zu Antwerpen, besuchte anfangs die dortige Akademie, undging dann nach Italien, seine Studien fortzusetzen. Er gab im Jahre 1832 zur Ausstellungin Gent ein „Bildnis in Römischer Tracht". Ein Jahr darauf malte er: „das Wunder desWafsers", „das Bildnis des Erzbischofs von Mecheln", und „Alba'izir oder der treue Diener".
Im Jahre 1835: „Kaiser Karl V.
fragt den Herzog von Alba: „wo wolltet Ihr alle die Spa-
nischen Felle hernehmen, um diesen Handschuh fgant, Gand, Gent) auszubessern?" ImJahre 1836 sah man auf der Brüsseler Ausstellung von ihm: „die letzten Augenblicke desGrafen Egmont in dem unter dem Namen Broodhuis bekannten Hause". Dieses letzte Bildvor allen stellt ihn an die Spitze der jungen Geschichtsmaler, die am meisten versprechen.Dasselbe ist gut gemalt und gut gezeichnet, und nähert sich dem Style und der Auffassungs-weise von Wappers. Der Graf, im Gefängnisse, sitzt an einem Tische, auf welchem ein Crucifixsteht; neben diesem Crucifix liegt ein aufgeschlagenes Buch, ohne Zweifel das grofse Buchdes Trostes, und daneben ein Dintcnfafs nebst Feder. Egmont hat so eben an den Königgeschrieben, um ihm seine Familie zu empfehlen. Er hält diesen Brief in der Hand, undseine Geberde drückt Ergebung und Zweifel aus. An der Rückenlehne des Stuhls steht,sich auf dieselbe stützend, ein ehrwürdiger Greis, Rithoff, Bischof von Ypern, der den Ver-urtheilten zum Tode vorbereiten soll, und mit gefaltenen Händen scheint er eben ein Gebetfür denjenigen zu vollenden, dessen Haupt fallen soll. Diese mit grofsem Verständnis ent-worfene Darstellung ist von gediegener und strenger Färbung und voller Ausdruck. Indes-sen könnte man vielleicht diesem Bilde etwas Theatralisches vorwerfen, wie den meisten Bil-dern Van Rooy's, die wir gesehen haben.
EDUARD DE BIEFVE, geboren zu Brüssel, lernte anfangs bei Paelinck, und trat zuerstim Jahre 1828 in Antwerpen mit einem mythologischen Bilde auf: „Eucharis und Telemach".Im Jahre 1830 stellte er in Brüssel einen „Masaniello" aus, und 1835 in Gent eine „Geifse-lung Christi". Nachdem er bis dahin auf der Bahn der plastischen Malerei gewandelt, zeigteer in dem letzten Bilde auf einmal ein strengeres Studium der Natur im Sinne der Van Dyck-schen Schule. Im Jahre 1836 erschien er auf der Brüsseler Ausstellung mit einem grofsenGemälde: „Graf Ugolino und seine Söhne im Hungcrthurme zu Pisa". Dieses Bild, dessen