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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Genius, dieses Geistes, den er selber in seinen „Essais" für einen der verständigsten, geist-reichsten und am meisten nach Art der alten reinen Poesie gebildeten erklärte.
Dieses Bild ist von hinreifsender Wirkung; befürchteten wir nicht, uns allzulange beidiesem Werke aufzuhalten, so würden wir noch alles sagen, was zuvörderst Erhabenes undDichterisches in dem Contraste dieser beiden grofsen Männer liegt, von welchen der eineeins der schönsten Heldengedichte neuerer Zeit gesungen hat, und der andere vor Schmerzüber den Ungeheuern Fall dieses armen Wahnsinnigen auszurufen scheint: „o Eitelkeit!", so-dann würden wir die erlesene Feinheit des Ausdrucks hervorheben, mit welcher der Künstlerdiesen schönen Contrast anschaulich gemacht hat. Selten hat ein Maler einen so mächtigenEindruck hervorgebracht. Die Composition ist von höchster Einfachheit. Allein darin istvollkommene Wirklichkeit, und doch zugleich erhabenste Dichtung. Und, welche Überein-stimmung zwischen der tiefen Wchmüthigkeit des Gegenstandes, und der Strenge der mittrauern-den Farbe! Dieses Gemälde ist vielleicht das in sich vollendetste aus unserer jungen Schule:Styl, Würde, Wahrheit, Zeichnimg, Colorit, alles steht hier in Einklang. Da ist kein falscherGlanz; nichts Gesuchtes oder gesucht Scheinendes; kein Melodram; nichts Theatralisches. DasGanze ist mit ausgezeichnet festem und gediegenem Pinsel ausgeführt.
Dies Gemälde befindet sich in der Galerie Sr. Majestät des Königs der Belgier.
Unstreitig hat Gallait durch dieses Werk sich unmittelbar neben Wappers und De Keyzer,an die Spitze unserer jungen Malerschulc gestellt, die nun unter diesen drei hervorragendenMeistern auf drei verschiedenen, aber neben einander laufenden Pfaden sich entwickeln wird.Wappers ist ein wesentlich dramatischer Dichter. Seine Auffassung ist, wie wir schon ge-sagt haben, stets erhaben; sein Gedanke ist immer gut ersonnen und gut ausgedrückt. Aberdas dramatische Element sucht er gewöhnlich in den Leidenschaften. Gallait, im Grunde eben-falls ein dramatischer Maler, von nicht minder erhabener Auffassung und nicht weniger ge-schickt, den Ausdruck vollkommen wiederzugeben, sucht das Dramatische vielmehr in demGefühle. Er ist inniger. Er rührt, er regt auf, während Wappers das Herz zerreifst. Wap-pers malt die ganze Seele auf den Körper, in Geberde, Stellung, Bewegung und Ausdruck;er macht das Äufsere zum Wiederscheine des Innern. Gallait geht anders zu Werke, geheim-nisvoller: wiewohl er Form und Ausdruck mit nicht weniger Geschicklichkeit wiedergiebt,bedient er sich der äufsern Darstellung nur, um uns in das Innerste der Seele einzuführen,und uns die geheimsten Tiefen derselben zu offenbaren. Wappers macht mehr Farbenauf-wand, führt einen prächtigeren Pinsel, hat mehr Glanz, und weifs oft, nach dem BeispielePaul Veronese's und dessen Schülers Rubens, seinen Farbenreichthum nicht mäfsig genug zugebrauchen; oft begegnet es ihm, dafs der Ton seiner Gemälde mit dein Gegenstande dersel-ben nicht genugsam übereinstimmt. Er ist übrigens ein bewunderungswürdiger Maler, dem
Wir möchten seine Gemälde den grofsen
man nur seine Verschwendung vorwerfen kann.Opern Rossini's vergleichen. Gallait ist haushälterischer. Sein Colorit, wiewohl nicht min-der gediegen, hat nicht jene prächtige Überfülle der Farbe. Es ist aber immer dem Gegen-stände strenge angemessen; und wenn wir Wappers den Rossini der Malerei genannt haben,so möchten wir Gallait den Weber oder Beethoven derselben nennen.
Diesen dramatischen Malern zur Seite stellen wir einen mehr epischen Maler, De Keyzer.Seine Gegenstände sind die grofsen Weltcreignisse: „die Schädelstätte", wo Christus durch sei-nen Tod die Sünden der Welt sühnt, und die Menschheit erlöset; „die Schlacht der golde-nen Sporen", wo die Axt unserer Stadt - und Landgemeinden das Schwert der Französischen
ni.