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3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
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496
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49e

AUSFLUG NACH BELGIEN.

konnte es nicht fehlen, dafs das seinige unbeachtet Wieb. Wir haben defselben auch gleichanfangs, als wir von der Bewegung sprachen, deren Schauplatz im Jahre 1833 die Ausstcl-lungssäle waren, nicht Erwähnung gethan, nicht sowohl, weil wir das Verdienst dieses Wer-kes nicht anerkannten, als deshalb, weil es nicht so unmittelbar, wie andre dort erwähnteWerke, zu der Entwickelung mitwirkte, von welcher diese Bewegung das Princip unsererneuen Schule war.

Im Jahre 1836 erschien Gaillait abermals auf dem Kampfplatze in den Brüsseler Sälen, unddiesmal trat er mit höchstem Glänze auf. Einestheils hatten die Parteien ihre allzugrofsenAnsprüche aufgegeben, die Besonnenheit war zurückgekehrt, die Erbitterung der Meinungenhatte nachgelassen, kurz, die Gesetzlosigkeit war einer wahrhaften und heilsamen Umwäl-zung gewichen. Andrerseits erschien Gallait vor dem Publikum mit Arbeiten, welche ausfleifsigeren und strengeren Studien hervorgingen: mit einem Bildnisse und zwei Gemälden,von welchen das einedie Reue", und das andereMontaigne's Besuch bei Tasso im Gefäng-nisse" darstellte.

Im März desselben Jahres hatte unser Künstler im Louvre ein Bild ausgestellt, welches diePariser Kritik für eins der schönsten dieser Ausstellung erklärte:Hiob auf seinem Misthau-fen". Dies machte die Brüsseler ungeduldig, sich von der Richtigkeit des Urtheils der Pa-riser Presse zu überzeugen, und sie erwarteten sehnsuchtsvoll ihre nächste Ausstellung, umjene Lobeserhebungen des jungen Künstlers zu bestätigen. Dieselbe ward eröffnet, und ein-stimmig erkannte man das Verdienst der Arbeiten Gallaits.

Die Reue" war eine Composition voller Einfalt und Tiefe zugleich. Eine junge schwarz-gekleidete Frau kniet zu den Füfsen eines alten Priesters, vor dem sie auf dem Boden ihreneitlen weltlichen Schmuck und Briefe ausgebreitet hat, welche ohne Zweifel alle die schmerz-lichen Geheimnisse enthalten, die sie eben dem Diener des Herrn gebeichtet. Das ist deranziehende Gegenstand dieses eben so durch Gefühl, wie durch Ausdruck ausgezeichnetenGemäldes.

Aber nun sein Tasso!

Es ist unmöglich, sich ein tieferes, ergreifenderes und innigeres Drama vorzustellen, als dasin diesem Gemälde dargestellte. Man fühlt tiefes Mitleiden beim Anblicke dieses armen Dich-ters, vor den Trümmern dieses grofsen Geistes, eines der gröslen, welche das ICte Jahrhun-dert hervorgebracht hat. Im Vorgrunde sitzt der Sänger des Befreiten Jerusalem auf einemhölzernen Stuhle, mit verwildertem Barte, in ungeordnetem Anzüge und halb in einen ihnumflicfsenden Mantel gehüllt. Verwirrten Blickes last er eine Hand in der andern ruhen, under scheint in tiefe Träumereien versunken, wo ein Fünkchcn des geschwundenen Verstandesihm vielleicht irgend eine Erinnerung erhellt. Ihn beleuchtet von oben ein kleines vergitter-tes Fenster, durch welches in seine Zelle ein Lichtstrom fällt, mit den lustig darin spielen-den Schatten einiger Weinblätter. Unter diesem Fenster, zur Rechten des Unglücklichen, hängtein Crucifix, an dessen Fufs ein aufgeschlagenes Buch liegt, ohne Zweifel ein Gebetbuch; dennGott hat ihm vielleicht die Fähigkeit zu beten gelassen, nachdem er ihm den Verstand unddie Denkkraft genommen. Zur Linken Tasso's, ein wenig nach hinten zu, stehen zwei Män-ner: der eine ist ein junger Noviz des St. Annenklostcrs, der den Philosophen Montaigne indiese Schmerzenswohnung eingeführt hat, und unbekümmert scheint er schon an diesen trau-rigen Anblick gewöhnt; der andre aber, der Philosoph selber, betrachtet den Dichter mit mit-leidsvoller Wehmuth. Mit beklommenem Herzen denkt er an die Zerrüttung dieses herrlichen