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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Rosse gesunken; ein Brügger Fleischer giebt ihm den Todesstreich. Dies ist das Schauspiel,welches uns der Künstler vorführt. Man denke sich nun diese Hauptgruppe, umgeben vontausend verschiedenen Figuren mit eben so vielfältigem Ausdruck der kampfwüthigen Ge-sichter; man vergegenwärtige sich alle diese Waffenarten, diese von Blut und Staub erblin-deten Schwerter, alle diese todbringenden Lanzen und Streitäxte, alle diese niederschmet-ternden Keulen; man denke sich diese tobende Menschenmasse, dieses Gewühl, jedoch ohneUnordnung; dieses ganze Schauspiel, wie es da vor uns leibt und lebt; nun verbreite mandarüber einen Reichthum der übereinstimmendsten Farben, man gebe einem jeden dieser zahl-losen, mannigfaltig gefärbten Gesichter den angemefsenen Ausdruck, jedem dieser Leiber inihren unendlich abwechselnden Stellungen die ihnen angemefsene Bewegung; man vertheilealle diese Männer im Gewühl unter einander, jedoch ohne Verwirrung; man ergiefse überdiese ganze Masse, nach den gelehrten Regeln des Helldunkels, Ströme von Licht und Schat-ten; vor allem aber stelle man den Beschauer diesem Grafen von Artois gegenüber, wie ereben dem Streiche eines Brügger Bürgers erliegen soll: zwei Gestalten, gleichsam von derGeschichte selber als Sinnbild dieses Kampfes zwischen der Französischen Lehnsherrschaft undden Flamändischen Bürger- und Landgemeinden hingestellt, — und man hat dieses prächtigeBlatt vor sich. Der strenge Kritiker findet vielleicht hin und wieder kleine Verstöfse gegendie Zeichnung, hie und da einen zum Ganzen nicht stimmenden Farbenton, oder allzuhäu-fige Anbringung des Wiederscheins: immer jedoch bleibt das Bild, im Ganzen genommen,eine reichhaltige und dichterisch aufgefafste Kunstschöpfung, wodurch De Kcyzer sehr hochgestellt wird.
Man verdankt diesem Künstler noch einige StaiTcleigemälde, an welchen allen man die ihnso sehr auszeichnenden Eigenschaften wahrnimmt; es sind dies: „Kaiser Karl V. in Nachden-ken vertieft"; der „Alterthumsforscher" und mehrere Darstellungen aus „Walter ScottschcnRomanen."
LOUIS GALLAIT, geboren zu Dornick gegen das Jahr 1813, malt ebenfalls Geschichte,das historische und das eigentliche Genre. Nachdem er eine Zeit lang bei Hennequin, demMaler des „wüthenden Orest", in der Lehre gewesen, kam er in die Akademie zu Antwer-pen. Er trat zuerst im Jahre 1833 in Brüssel mit einem Gemälde auf, welches über die da-malige allgemeine Aufmerksamkeit auf den eben in dieser Ausstellung begonnenen Kampf zwi-schen den beiden verschiedenen Principien, zwar nur wenig beachtet wurde, jedoch schonzu den schönen Hoffnungen berechtigte, die dieser Künstler nachher so rühmlich gerechtfer-
tigt hat.
Es kam zu keinem Urtheil über dieses Werk; und in der That konnte es nichtleicht anders sein. Die ganze Belgische Kunstwelt war damals in zwei Läger gethcilt. Aufder einen Seite standen die ausschliefslichen Parteigänger der Farbe, auf der andern Seite dieausschliefslichen Anhänger der plastischen Form. Was hätte mitten in einem solchen StreiteGallait mit seinem Bilde ausrichten können? Es wurde daher auch nicht einmal ehrenvollerwähnt. Aber die Vaterstadt des Malers kaufte es an sich, und schmückte damit eine ihrerKirchen. Wiewohl dieses Bild noch viel Schüchternheit und Mangel an Kraft verrieth, soerkannte man doch schon darin treifliche Eigenschaften in Hinsicht der Zeichnung und Auf-fassung, und selbst Farbcngebung. Es stellte Christum dar, wie er den Blinden sehendmacht. Dieser Gegenstand war mit Würde, Mäfsigung, und selbst mit einer gewissen Be-sonnenheit behandelt; aber eben weil er keine der auffallenden Effecte darbot, durch welchedie meisten Bilder der Antwerpner Schule die Aufmerksamkeit der Menge auf sich zogen, so