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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Anstatt zu gehen, wollte man laufen, und man lief zu weit. Die Einen hatten sich nichtzum vollkommenen Verständnis des neuen Meisters erheben mögen, die Andren, aus inneremMangel sich nicht dazu erheben können, und so waren Alle theils zur Rechten, theils zurLinken abgewichen. Die Einen hatten an Wappers Werken nur den Reichthum und dieKraft der Farbengebung erblickt, und wähnten, es genüge, die Farbe stark und reich aufzu-tragen; sie ergänzten so Van Brees Art zu malen, nicht sowohl dessen Mäfsigung, und brach-ten Wirkungen hervor, die nicht in der Natur, und Dinge, die nicht in der Wirklichkeit vor-handen waren. Die Andren sahen nicht das Schöne und Edle in Wappers dichterischer Auf-fassung der Natur, sondern meinten, es sei hinreichend, die Natur rein materiell wiederzuge-ben, und brachten Dinge von einem so materialistischen Prosaismus hervor, wie sie zur Zeitdes Verfalls der Kunst durch Bartholomäus Spranger gegen das Ende des 16ten Jahrhunderts,oder in Belgien nach Rubens Tode vorkommen.
Einerseits also gewahren wir einen Aufwand, eine Überschwänglichkcit, eine Phantasma-gorie der Farben, welche den Gemälden das Ansehn wahrer Musterkarten gaben; andrerseitsein so materielles Verständnis der Form, dafs es an das Gemeine, oft wahrlich an das Scheufs-liche streifte.
Die beiden Extreme waren vorhanden. Der Widerstreit hatte auf beiden Seiten zum Gipfelder Übertreibung geführt.
Ein grofser Vortheil war aber selbst hieraus hervorgegangen. Einerseits war es gelungen,der plastischen Malerei einen tüchtigen Streich zu versetzen; andrerseits war eine wärmere,beseeltere und mannigfaltigere, als die perlgraue Farbengebung Davids herbeigeführt.
Als die erste Hitze vorüber war, und wir müssen hinzufügen, sie dauerte nicht lange, sahman, dafs man sich getäuscht hatte, und dafs man etwas Besseres erzielen müste. Hicbeimufs man den, erst in der Schule Davids, dann in der Schule der Italienischen Maler gebil-deten Meistern die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dafs sie unter diesen Umständen grofseDienste leisteten, indem sie durch Lehre und oft auch durch ihr Beispiel die Form, Natur,Weisheit und Wahrheit empfohlen. Nun trat der Widerstreit nach und nach wieder in dasgehörige Bett zurück; die Wellen legten sieh allmählig, und jetzt fliefst der Strom innerhalbseiner natürlichen Ufer, an denen er nur hie und da einigen Schlamm zurückgelassen hat, ingeregeltem Laufe ruhig fort.
Zwei neue Belgische Künstler, beide noch jung und auf verschiedenen, aber neben einan-der hinlaufenden Entwickclungswegen fortschreitend, haben in den letzten Jahren die vonWappers eröffnete Bahn erweitert, und wandeln nun ihm zur Seite an der Spitze unsrerjungen Schule fort. Diese Künstler sind De Keyzer und Gallait.
NICAISE DE KEYZER, geboren zu Santvlict, einem Dorfe in der Provinz Antwerpen, imJahre 1813, malt Geschichte, das historische und das eigentliche Genre. Er weidete nochdie Heerden seines Gcburtsdorfcs, als sein Talent schon die Aufmerksamkeit eines Einwoh-ners von Antwerpen auf sich zog, der ihn in den Stand setzte, den Unterricht in der Aka-demie dieser Stadt zu benutzen. Er war damals schon 14 Jahr alt. Er machte so reifsendeFortschritte, dafs er schon im Jahre 1834 auf der Ausstellung in Antwerpen mit einem grofsenGemälde auftrat, welches die „Schädelstätte" vorstellte. Dieses Bild 30 Fufs lang und 22Fufs hoch, die Figuren 10 bis 11 Fufs grofs, war für die katholische Kirche in Manchesterbestimmt. Wiewohl dieses Werk in der Erfindung noch einen gewifsen Mangel der Zusam-menwirkung verrieth, indem der Gegenstand zu sehr vereinzelt und nicht gehörig verbunden