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AUSFLUG NACH BELGIEN.
des Seemannes" einen merklichen Fortschritt in der Ausführung und Vollendung des Ein-zelnen. „Die letzten Augenblicke der Frauen von Crevccoeur, bevor sie sich vom Thurmezu Bouvines in dem Augenblicke herabstürzen, da die Truppen Heinrichs II. sich seiner be-mächtigen wollen". Dieses Gemälde, von hinreifsender Composition, voller Ausdruck undWahrheit, von grofser Farbenpracht und vortrefflicher Ausführung, wies seinem Urheber einenbedeutenden Hang unter unsern Künstlern an. Es war gut gezeichnet, geschickt angeordnetund von grofser Übereinstimmung. Man sah dasselbe ein Jahr nachher noch einmal auf derAusstellung in Brüssel, nebst einem Portrait und noch zwei andern Arbeiten derselben Hand:„ein junges Mädchen, ihre Schwestern nach der Kirche führend", und „die Heilige Jungfraumit dem Christkinde". Das erste war ein anmuthiges kleines Bild voller Wahrheit. Es zeich-nete sich aus durch reizende und ungekünstelte Zierlichkeit, durch harmonische Vertheilungseines grofsen Farbenreichthums, durch correcte Zeichnung, unbefangene und edle Auffassung.Die Künstlerin hatte hier den Pinsel mit grofser Geschicklichkeit geführt, und mit eben so-viel Lieblichkeit als Wahrheit den Gegensatz in den Gesichtszügen des jungen Mädchens zudenen der beiden Kinder ausgedrückt. Endlich zeugte noch die Composition von ungemeinerLeichtigkeit, und das Ganze von vollendetem Geschmack. Neben diesem Bilde hing das an-dere, von der Regierung gekaufte: „ die Heilige Jungfrau mit dem Christkinde". Dasselbe warin seiner Gesammtheit vielleicht nicht ganz so vollendet, wie das erste, hatte aber deshalbnicht minder vorzügliche Eigenschaften. Die Composition war sehr einfach; die Mutter desHeilandes safs, in einer bergichten Landschaft, auf einer steinernen Bank, und hielt das ein-gcschlafene Christkind auf dem Schoofsc. Dieses Gemälde war von sehr reicher und über-einstimmender Färbung; die Figuren waren anmuthig zusammengestellt, und die Gewandun-gen, von bewunderungswürdiger Anordnung, erinnerten hie und da an die Überfülle des Fal-tenwurfs, welchen unsere Maler des löten Jahrhunderts, Van Eyck und Hemmeling, liebten.Der Hintergrund war voll Poesie.
Diese Künstlerin hat eine Art der Auffassung, die mehr anmuthig, als kräftig, dabei aberelegant und edel, oft tief, und stets poetisch ist. Madame Geefs ist es gelungen, die innigerenGefühle sehr glücklich wiederzugeben, und in dieser Hinsicht besitzt sie etwas vom DeutschenGeiste. Zu dieser Art gehört besonders eins ihrer Gemälde, welches vorstellt, „wie Biancaam Ufer des Meeres sitzt und den Abenceragen erwartet"; ein Gegenstand aus den Aben-teuern des letzten Abenceragen von Chateaubriand. Kurz, Madame Geefs reiht sich den be-deutendsten Malern an, und besitzt unter allen Belgischen Künstlern vielleicht die zartesteEinbildungskraft. Keiner hat einen so ausgezeichneten Geist; alle ihre Werke haben einenetwas edeln Charakter, welchen man an den Werken ihrer Landsleute, selbst der berühm-testen, nicht immer wahrnimmt.
Dies sind nun die vorzüglichsten Künstler, welche seit dem Jahre 1833 sich hervorthatenin Folge der neuen Bewegung, die Wappers durch sein Bild, „Van der Werffs aufopfernde Hin-gebung", in der Belgischen Kunst hervorgebracht hatte. Der hiedurch gegebene Anstofs mustenothwendig auf die neue Bahn führen. Die Aussicht war zu reizend, als dafs nicht Viele demMaler hätten nachtreten sollen, der so mächtig in unserer Kunst einerseits den Farbenglanz,das Harmonische und Kräftige unsrer alten Coloristen wiederhergestellt, und andrerseits dieGrofsheit der Natur, die Dichtung und die Wahrheit wieder in Einklang gebracht hatte.
Kaum war die neue [Bahn gebrochen, als auch schon, wie es in der Natur der Sache liegt,eine aufserordentliche Übertreibung eintrat. Jede neue Bewegung geht über das Ziel hinaus.