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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Pariser Museen; zwei Jahre später reiste er nach Holland, um die alten Meister Rcmbrandt,Terburg und vor allen Ostade und Metzu zu studieren. Man hat von ihm eine grofse AnzahlStaffeleigemälde im historischen Genre, und eigentliche Genrebilder, die sich in vielen Samm-lungen in Belgien, Holland und England zerstreut finden. Zuerst malte er Gegenstände ausder alten Geschichte; dann widmete er sich gänzlich der Genremalerei, die er jetzt ausschliefs-lich treibt. Nach dem Beispiele Braekelecrs und Van Rcgcmorters malte er eine Menge Gegen-stände aus der vaterländischen Geschichte des 16ten und 17ten Jahrhunderts, und aus demLeben der Holländischen Maler und Dichter. Im Jahre 1833 gab er in Brüssel ein Gemäldezur Ausstellung, welches den „ Tod Johanns von Marnix, Herrn von Toulouse, in der Schlachtvon Austraweel im Jahre 1567", darstellte. Es war ein tüchtiges Bild in Zeichnung, Compo-sition und Ausdruck; die Pinself abrang darin war fest, und die Farbe gut, obgleich hin undwieder etwas schillernd. Zur Ausstellung von 1S36 gab er ein Bild einer „trostlosen Brüsse-ler Familie vor der Hinrichtung der Grafen Egmont und Hörn". Es hatte Ausdruck, Färbungund Übereinstimmung. Die Zeichnung war im Allgemeinen richtig; man bemerkte eine ver-ständige Anordnung des Ganzen, Leichtigkeit der Composition, und mehr wahrhaft Dramati-sches und weniger Theatralisches, als in dem Gemälde vom Jahre 1833.
Überhaupt ist Kremers Auffassung mehr naturtreu als dichterisch -wahr. Man könnte ihmvorwerfen, dafs er manchmal nach dem Allegorischen strebe.
Zu seinen besten Werken gehören, aufser den beiden vorerwähnten: „Herzog Alba über-glebt dem Bischof von Ypern das Todesurtheil des Grafen Egmont"; der „Graf von Burenim Gefängnisse Schach spielend"; „David Teniers malt eine Dorf-Kirchweih"; „Vondel, auf demSchlofse Ter Muyden ein Trauerspiel lesend"; das kräftigste und zugleich am meisten poetischaufgefafste all seiner Bilder ist: „ Jakob Clement, wie er sich auf die Ermordung Heinrichs HI.vorbereitet".
HEINRICH LEYS, geboren zu Antwerpen, um das Jahr 1814, ist ebenfalls Zögling der dor-tigen Akademie. Er malt das historische Genre und das eigentliche Genre. Er trat zuerst inder Brüsseler Ausstellung des Jahres 1833 mit einem „Blutbade zu Antwerpen im Jahre 1576",auf. Dieses Gemälde, an welchem man ein tiefes, aber noch nicht gehörig verarbeitetes Stu-dium der guten Niederländischen Meister gewahr wurde, zeigte uns sogleich ein für die Zukunftviel versprechendes Talent, welches sich auch seitdem bis zum Jahre 1836 auf eine fast wun-derbare Weise entwickelte. Nachdem Leys im Jahre 1834 einen „Kampf der Weifs-Kappenunter Philipp dem Guten", ein durchaus im Wouwermansschen Style gehaltenes Bild, zurAntwerpner Ausstellung gegeben hatte, sah man im Jahre 1836 in den Brüsseler Sälen dreiGemälde von ihm, welche eine erstaunliche Wirkung hervorbrachten: das erste stellte dar:die „Niedermetzelung des Löwener Stadtraths im Jahre 1379"; das andre „eine Zauberin dieeinen Räuberhauptmann sein unglückliches Ende weissagt"; und das dritte „eine Gueusenfami-lie, die sich gegen eine Schaar Spanier veriheidigt, im 16ten Jahrhundert". In diesen Bildernhatte sicli Leys unstreitig als den besten unserer Coloristen, und vielleicht als einen der bestenaller Coloristen gezeigt. Das erste gewährte uns den Anblick eines Volksaufstandcs im 14tenJahrhundert, in einer durch die Betriebsamkeit und den Reichthum ihrer Bevölkerung mäch-tigsten Städte Belgiens. Der vor dem Rathhause zusammengerottetc Pöbel stürzt seine Stadt-räthe aus den Fenstern, um sie auf dem Markte niederzumetzeln. Dieser mit der glühendstenEinbildungskraft wiedergegebene Auftritt hat so eins der merkwürdigsten Gemälde hervorge-bracht, welche die Belgische Kunst aufzuweisen hat. Es ist unmöglich, sich eine Vorstellung