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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Das ganze Bild ist ein Meisterwerk. Zeichnung, Anordnung und Ausdruck sind untadelig.Es herrscht darin eine unglaubliche Leichtigkeit des Pinsels und eine vollkommene Überein-stimmung der Farben. Vielleicht möchte nur ein allzugrofser Farbenaufwand an diesem Ge-mälde zu tadeln sein. Vielleicht auch findet man, dieses Bild singe, anstatt zu weinen. Daswären aber auch die einzigen Einwendungen, die man gegen dieses Werk machen könnte,welches wir als eine der schönsten Hervorbringungen unserer gegenwärtigen Belgischen Kunstbetrachten.
In eben diese Reihe der Schöpfungen Wappers gehören auch seine „Anna Boleyn" undsein „Carl IX.", wie er in der Bartholomäusnacht eben den letzten Schufs auf sein Volk ge-than hat.
Sein „Carl VII." und „Agnes Sorel" und sein „Abeilard und Heloise" sind an Tiefe des Ge-dankens jenen Werken nicht gleichzustellen: sie gehören mehr dem historischen Genre an;eben so wie sein „Peter der Grofse zu Saardam", sein „Ludwig XI., wie er auf einer Ter-rasse des Schlofses Plessis - les - Tours dem Tanze junger Mädchen zusieht", und endlich seine„Versuchung des Heiligen Antons".
Alle diese Gemälde zeichnen sich aus durch Kraft und Übereinstimmung der Farben, durchleichte Pinselführung und richtige Zeichnung, durch Wahrheit, Wirklichkeit und Adel derDichtung.
Nicht weniger grofs ist Wappers als Bildnismaler. Wir verdanken ihm die Bildnisse desKönigs und der Königin, des Bischofs von Lütfich, mehrerer Künstler, Gelehrten und Staats-männer des Vaterlandes. Seine Bildnisse sind fast alle im Style Van Dycks gemalt, dessenEleganz und Adel er sich in diesem Fach angeeignet hat.
L. MATHIEU, Director der Kunstakademie in Löwen, geboren im Jahre 1805 zu Cham-pion, bei St. Hubert, in Luxemburg. Auf einem künstlerischen Ausflüge in diese Gegendenstiefs der Landschaftsmaler Ducorron auf einen Hirtenknaben, der Anlagen zum Zeichnen ver-rieth. Er nahm ihn mit sich nach Ath, lehrte ihn sogleich die Handhabung des Bleistiftes,und nachdem er ihn in der dortigen Stadtschule hatte unterrichten lassen, bewirkte er seineZulafsung zur Maler-Akademie in Antwerpen, wo er sich bald durch die raschesten Fort-schritte im Zeichnen und Malen hervorthat. Nachdem er mehrere Jahre unter der einsichts-vollen Leitung Van Bree's gearbeitet hatte, ging er nach Paris, die Venetianischen Maler zustudieren. Im Jahre 1833 stellte er in Brüssel drei Gemälde aus: „eine Scene aus der Sünd-flut", „Margaretha die Kindesmörderin", und eine „Idylle", die sich alle drei durch kräfti-ges Colorit und kühne Pinselführung auszeichneten. Das letzte, die Idylle, die man Daphnisund Chloe hätte benennen können, war einfacher und anmuthig componiert und mit Feinheitausgeführt. Margaretha war eine eben nicht glückliche Verkörperung der ergreifenden Dich-tung Goethe's. Die Darstellung aus der Sündflut aber war das Hauptbild Mathieus. Wiewohldasselbe vielleicht ein wenig an die so bekannte ähnliche Darstellung Girodets und an die„Entführung der Wahrheit durch die Zeit", von Rubens, erinnerte, so erregte es doch die Auf-merksamkeit auf den Namen seines Urhebers, jedoch nicht sowohl durch dieses Werk selber,als wegen der schönen Hoffnungen, zu welchen es für die Zukunft berechtigte. Es zeigte einekräftige, kühne, begeisterte Auffassung, dabei eine schwunghafte, fast etwas wilde Ausführungund eine etwas weiche Färbung, an welcher indessen ein gutes Verständnis der Harmonie derFarben zu rühmen war. An dem Ganzen erkannte man übrigens ein starkes, obwohl nochnicht vollendetes Studium nach Rubens. In seinen menschlichen Gestalten war die materielle