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AUSFLUG NACH BELGIEN.
Italiener sind. Aber eben wegen dieses Fcsthaltens an unserm alten künstlerischen Ruhme, trittseine Eigcnthümlichkeit weniger entschieden hervor, als die der beiden ebengenannten Künst-ler. Mit seinen ungemeinen Eigenschaften verbindet er nicht den Feuergeist und die Kühnheit,welche Rubens charaktcrisiren. Er zeichnet im Allgemeinen richtig: aber das Grofsartige unddas Erhaben-Edle, das uns aus fast allen Werken dieses grofsen Meisters entgegentritt, hat er sichnicht zueigen machen können. Das Studium, oder vielmehr das Nachmalen Rubensscher Bil-der hat schon manches Talent zu Grunde gerichtet, welches in einer andern Richtung sich zwei-felsohne eigentümlicher entwickelt hätte; und wenn ein solches Studium aus Mathien Van Breenur einen verdienstvollen Maler gemacht hat, anstatt eines Künstlers ersten Ranges, so verdanktdie Akademie in Antwerpen demselben doch einen tüchtigen Professor der Kunst, dem sienicht wenig verpflichtet ist. Durch anhaltende und ernste Studien in den Besitz grofser theo-retischer Kenntnisse gelangt, geschickter Andere zu leiten als selbst zu schaffen, steht er dergedachten Anstalt mit grofsem Nutzen vor. Man könnte wohl sagen, dafs die Schüler, welcheer herangebildet hat, und welche jetzt als Künstler ihrem Valcrlande Ehre bringen, seine schön-sten Werke sind.
Sem Bruder PHILIPP schlug den entgegengesetzten Weg ein. Er hielt sich von der Da-vidschen Schule fern, liefs auch nicht, wie sein Bruder und Herreyns, die alten Niederländi-schen Maler auf sich einwirken, sondern ward ganz Italiener. Er ist unleugbar einer unsrerbesten Zeichner. In seinen mit grofser Leichtigkeit behandelten Compositionen herrscht eineungemeine Anmuth und Leichtigkeit. Was ihm vielleicht vorzuwerfen sein möchte, ist seineallzu grofse Vorliebe für die Rosatöne und das Hellroth. Im Museum zu Brüssel befinden sichdrei Gemälde von ihm: Sixtus V. als Knabe an einem Brunnen, wo ihm junge Mäd-chen einen Trunk darreichen; Ruhens in seinem Garten malend, umgeben vonseiner Familie; und das Innere der St. Peterskirche in Rom, in dem Augenblick,wo der heilige Vater urbi et orbi den Segen ertheilt.
Nächst diesen Künstlern, deren grofses Verdienst seihst Die nicht in Zweifel zu ziehen ver-möchten, deren Manier nicht die ihrige ist, und von deren Ansicht sie abweichen, nennen wirjetzt ODEVAERE, den eifrigsten und bis zur Überspannung begeisterten Schüler Davids. Daer sich von seinem Meister nur den allermateriellsten Theil der Kunst zueigen gemacht hatte,so würde von ihm hier nicht die Rede sein, wenn er nicht eine Zeit lang für einen Malerersten Ranges gegolten hätte. Bei grofser Wissenschaftlichkeit, hat er in seinen Bildern dochnie einen Gedanken natürlich auszudrücken gewufst. Eber Zergliederungskunst wie ein Buchsprechend, hat er doch nie einen menschlichen Körper richtig zeichnen können, wiewohl ersich auf die Darstellung des Nakten viel zugute that. Von allen Belgischen Malern seiner Zeitwar er vielleicht der unterrichtetsle, gelehrteste und allgemein belobteste. Gleichwohl ist seineZeichnung von wundersamer Unrichtigkeit und merkwürdiger Härte. Seine Malerei hatte we-der Farbe, noch Einklang; seiner Compositum fehlte es gänzlich an Styl. Das Museum in Brüs-sel besitzt zwei Gemälde von ihm, eins aus der Althcllenischen, das andre aus der Neugrie-chischen Geschichte. Ein jedes derselben bezeichnet eine Epoche aus dem Kunstleben desMalers: diejenige, wo er noch mit allen möglichen Banden an die Davidsche Schule gefesseltwar; und jene andere, wo ein Band nach dem andern allmälig nachlicfs, und er nach und nachden Fortschritten zu folgen anfing, die sich um ihn herum bemerkbar machten; über welchenunglücklichen und fruchtlosen Anstrengungen ihn der Tod ereilte.
Während nun die Belgischen Geschichtsmaler so auf verschiedenartigen Bahnen wandelten
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