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AUSFLUG NACH BELGIEN.
NAVEZ, geboren zu Charleroy, im Jahre 1787, war, wie Paelinck, ein Schüler Davids.Er wurde, gleich ihm, von diesem Meister zur Nachbildung der Antike angehalten. Ein län-gerer Aufenthalt in Italien aber rifs bald die engen Schranken nieder, in denen ihn die Grund-sätze der Schule, welcher er durch seine ersten Arbeiten angehörte, gefangen hielten. DasStudium der Italienischen Meister brachte ihn von der plastischen Steifheit ab, die er sich,nach dem Vorbilde seines ersten Lehrers, zu eigen gemacht hatte. Es ging in ihm eine völ-lige Umwälzung vor, gleich derjenigen, welche sein Freund Schnetz in Folge desselben Studiumserfuhr. Anstatt, wie David, die Menschen zu vergöttlichen, strebte er nur noch, sie zu idea-lisiren. So kam er bald der Natur näher, und gelangte auf diesem Wege zu einer ungemeinenEigenthümlichkcit in Behandlung der Gesichtszüge und Gestalten. Mit dieser so erworbenenEigenschaft verband er eine weniger graue, aber wärmere,Er und Schnetz sind Kunstbrüder.
Bei seiner Heimkehr von Rom zog er einen grofsen Theil unsrer jungen Maler mit sich indie von ihm eröffnete Bahn hinein.
Vor allem zeichnet sich Navez durch Styl, durch Grofslieit, oft auch durch Grazie aus.Seine Malerei ist fest und gediegen; seine Zeichnung ist im Allgemeinen von grofser Reinheit,und von einer Strenge, die jedoch, wiewohl nur selten, in die Steifheit der Bildnerei aus-artet.
Zu seinen besten Gemälden gehört sein Bethlehemitischer Kindermord. Wiewohl nur eineeinzelne Gruppe darstellend, ist das Bild doch von ergreifender Wirkung. Zwei Mütter, sich
zuweilen wohl etwas harte Färbung.
hinter einer Mauer verborgen haltend,
hören mit Herzensangst das durchdringende Geschrei
und das Geklirre der Waffen. Die eine hält ihr todtes Kind auf den Knieen und fürchtet, durcheinen Blick auf dasselbe, sich von der schrecklichen Gewifshcit zu überzeugen. Die anderebemüht sich, das Geschrei ihres Kindes zu ersticken. Dieses Bild nähert sich dem historischenFache; obgleich nur von geringem Umfange, scheint es sich vor dem Blicke des Beschauerszu erweitern, so grofse Theilnahme hat der Künstler für dieses Drama zu erwecken, so vielDichterisches hineinzulegen gewust. Eine gröfsere Composition, die wir für sein Meisterwerkanerkennen, ist seine Hagar in der Wüste. Dieses Gemälde ist eine Zierde des BrüsselerMuseums, und eine der schönsten Hervorbringungen der neueren Belgischen Malerei. ErhabeneAuffassung, Ernst, Styl, Grofslieit, Kraft und dichterische Begeisterung sind seine auszeichnen-den Eigenschaften.
Diese beiden Bilder sichern Navez unter unsern grofsen Künstlern eine sehr ehrenvolle Stelle.
Wir haben auf der letzten Brüsseler Ausstellung mehrere Bilder von diesem Maler gesehen,unter welchen die Erziehung der Heil. Jungfrau, das schlafende Christuskind, unddie Landung Vert-Vert's bei Nantes am meisten sich auszeichnen.
Die GEBRÜDER VAN BREE haben beide ganz von einander verschiedene Bahnen betreten.Der älteste, Mathieu, Director der Königl. Malerakademie in Antwerpen, ist unsrer alten Schuledes 17ten Jahrhunderts treuer geblieben. Während alle seine Zeitgenossen sich dem Studium derAntike auf das eifrigste hingaben, beschränkte er das seinige auf die Natur, wiewohl nicht ohneHinblick auf die Werke von Rubens. Während die meisten unserer Künstler das DavidschePerlgrau nachzuahmen strebten, trachtete er darnach, unsre allen Meister in der Färbung zuerreichen; auch ist er in der That, gleich Herreyns, unter allen Malern, welche Belgien zuEnde des vorigen Jahrhunderts hervorgebracht hat, am meisten Colorist, und gehört, wie die-ser, ganz und gar unsrer Niederländischen Schule an, wogegen Navez und Paelinck zumeist