Druckschrift 
3 (1841) Berlin, Dresden, Hamburg, Mecklenburg, Weimar, Halberstadt und Göttingen : mit einem Anhange: Ausflüge nach Holland, Belgien, England, Schweiz, Polen, Russland, Schweden, Dänemark und Nord-Amerika
Entstehung
Seite
473
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

473

AUSFLUG NACH BELGIEN.

im Jahre 1815 als politischer Flüchtling in Brüssel eine Freistatt suchte und fand, wirkte erunmittelbarer auf unsere Malerei ein. Mit seinem zu Ende des Jahres 1825 erfolgten Todehörte all sein Einflufs auf.

Es mufs indessen bemerkt werden, dafs eine grofse Zahl selbst seiner eigentlichen Schüler seinenGrundsätzen nicht so ganz blindlings folgte, dafs sie darüber ihr eigenes Künstlerwesen einge-büfst hätten. Unter diesen zeichneten sich vornämlich Hcrreyns, Paelinck, Navez, die Ge-brüder Van Bree aus.

HERREYNS, bereits verstorben, bei Lebzeiten aber Professor der Königl. Malerakademie inAntwerpen, entfernte sich unter Allen am meisten von den Grundsätzen Davids; er neigte sichinniger zu Rubens hin, wiewohl er weit entfernt war, dessen feurige Begeisterung und erhabeneArt der Auffassung zu besitzen. Seine Farbe hat er den Meistern aus der blühenden Zeit unsrerSchule abgesehen; seine Zeichnung ist im Allgemeinen richtig und gelehrt; sie ist weder steifnoch plastisch. Hierzu kömmt ein oft sehr tiefes Gefühl, Würde, und nicht selten Grofshcit.

die Werke der grofsen Meister der verschiedenen Italieni-Hicdurch legte er das von David angenommene allzu Akademische

PAELINCK, geboren zu Oslaker bei Gent, im Jahre 1781, nähert sich seinem Lehrer Davidschon mehr. Nachdem er eine Zeit lang dessen Unterricht genossen hatte, ging er nach Italien,und brachte hier 8 Jahre damit zusehen Schulen zu studierenund Plastische ab, so dafs eins seiner ersten iu Italien gemalten Bilder zu seinen besseren ge-zählt, w r o nicht als das beste von allen gerühmt wird; es ist seine Kreuzesfindung. DiesGemälde befindet sich iu der St. Michaels-Kirche zu Gent. Der Maler hat seinen Gegenstandbreit und grofs aufgefafst. Die Anordnung ist strenge. Endlich ist der Styl von wahrhaft Christ;lieber Erhabenheit, und steht mit dem Gegenstände in vollkommenem Einklänge. Dieses Bildscheint den Beruf Paelincks als Maler religiöser Gegenstände entschieden zu haben. Die An-betung der Hirten, für das Trappislenklostcr bei Antwerpen; die Flucht nach Ägypten,für Mecheln; die Abreise des jungen Tobias, für Opbraekcl bei Oudcnarde; die Heim-kehr des Tobias, für Maria — Oudenhove; Maria's Himmelfahrt, für Muyscn bei Me-cheln; und viele andere, lassen auf den ersten Blick den Maler der Kreuzesfindung erkennen.Alle diese Werke zeugen von grofscr Wissenschaft: eine Eigenschaft, die unsern Künstler be-sonders auszeichnet. Seine Zeichnung ist rein; doch sieht man ihr, und das vielleicht nichtselten, immer noch einigen Einflufs David'scher Lehren und Vorbilder an, von dem er sich,wiewohl von den Werken der grofsen Italienischen Meister umgehen und diesen nacheifernd,dennoch nicht ganz hat losmachen können. Dieser Fehler klebt insbesondere seinen mytho-logischen Darstellungen an, unter denen wir den Tanz der Musen, die Schönheit, dasUrtheil des Midas namhaft machen. Im Jahre 1836 sahen wir auf der Ausstellung in Brüs-sel seine Thronentsagung Karls des Fünften. Dieses Gemälde, von nur 1,46 MetrcHöhe und 1,07 Metrc Breite, ist eine Musterkarte von allen trefflichen Eigenschaften, so wievon allen Fehlern des Künstlers. Man findet darin die Wahrheit, die gelehrte Kenntnis unddas Verdienst jeder Einzelnheit wieder, die man in seinen andern Werken in einem so hobenGrade wahrnimmt: dagegen vermist man darin Gefühl, Zusammenhang und Tiefe, deren auchdie meisten seiner übrigen Hervorbringungen entbehren. Die hohe dichterische Begeisterung,die Paelinck in seiner Kreuzesfindung, iu seinen Jüngern von Emmaus, und in seinerSchädelstätte an den Tag gelegt, ist in seinen übrigen Werken nur in weit minderem Gradevorhanden. Diese drei Gemälde aber weisen ihm eine der ersten Stellen unter den BelgischenMalern seiner Zeit an.

HI.