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AUSFLUG NACH BELGIEN.
.Judessen erlangen die Schüler Rafaels in Belgien allmälig das Übergewicht, und bald habensie sich ausschliefslich des Sieges zu erfreuen. Doch währt ihre Herrschaft nicht lange; siemüssen Michel -Angelo's Schülern das Feld räumen. Von diesem Augenblicke an ist es umunsere volksthümliche Malerei, um unsere vaterländische Kunst geschehen; fortan ist allen Syste-men, allen Schulen, wie sie sich in Italien nach und nach erheben und auf einander folgen,Thür und Thor geöifnet. Von diesem Augenblick an hört Brügge auf, die Gebieterin zu sein:von nun an wird Rom, wird Florenz, wird Parma, wird Venedig die Herrscherin Belgiens.So wie Bernhard Van Orley, Michael Coxis und Johann von Mabüse vorzugsweise Rafaelstudiert hatten, ohne dafs sie sich die hohe und zarte Anmuth des Madonnenmalers, noch seinedichterische Tiefe des Gefühls anzueignen vermocht hätten: ebenso befleifsigen sich nun An-dere des Studiums nach Michel-Angelo, und kommen nach Antwerpen, um ihren Buonarottiauf dieselbe Höhe zu erheben, auf welcher der Meister von Urbino so lange gethront hatte.Das Haupt dieser Schule ist Frank Floris."..................
. . . „Franz Frank, dieser kräftige Colorist und strenge Zeichner, Johann Van Elburgh,Adrian Key, Franz Pourbus sind aus dieser Schule hervorgegangen. Zwanzig Jahre später un-gefähr, nachdem Floris von der Florentinischcn Malerei begeistert ward, ging ein anderer Ant-werpner, Martin de Vos, nach Italien, wo ihn vor allen die Venctianisehe Schule einnahm,und die Freundschaft Tintoretto's, der das Landschaftliche in seinen Gemälden von ihm malenliefs."..............................
„Nach Martin de Vos lernen wir Veninx kennen, der in Italien nach den Vorbildern derCarraccis und der Parmcsauischen, vornämlich aber der Coreggioschen Schule studierte, undvon dorther die Überlieferungen der letzteren zu uns brachte." *..........
„Rubens hatte, wie seine Vorgänger, che Italicnischen Meister studiert, und mit den Vene-tianischen Malern Titian, Paul Veronese und Tintoretto den Anfang gemacht. Demnächst hatteer sich nach Rom begeben, wo er für den Herzog von Mantua die schönsten Gemälde derRömischen Schule copierte. Alsdann ging er nach Florenz; die dortigen Meisterwerke hieltenihn lange auf, und in Bologna waren die Werke der Carracci's der Gegenstand seiner Bewun-derung. Von Bologna kehrte er dann, durch seine Vorliebe für die grofsen Coloristen derVenetianischen Schule angezogen, nach Venedig zurück. So durch das Studium dieser ver-schiedenen Maler von ihren Eigenthümliehkeiten erfüllt, und von dem Charakter und Geisteihrer Werke durchdrungen, suchte Rubens alle diese verschiedenen Elemente in sich zu ver-schmelzen, und indem er, vom Niederländischen Gesichtspunkte aus, und von der Höhe desNiederländischen Wesens herab, Eins durch das Andere beschränkte oder ergänzte, schuf eruns wieder eine neue vaterländische Schule, welche das lvte Jahrhundert so sehr verherrlichte,und der man in unserer Zeit sich wiederum zu nähern strebt."
„In der Färbung hat Rubens sehr viel von den Venetianischen Malern; seine Gestalten aber,an denen man nichts von Rafaels idealer und göttlicher Anmuth gewahr wird, sind mehr naturtreu
* Ich wüste nicht, dafs die Niederländischen Maler sich jemals die Überlieferungen Coreggio'szum Vorbilde genommen hätten; wenigstens gewifs nicht auf die Dauer.
Anmerkung des Verfafsers dieses Werkes.