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BEILAGE A.
ausgezeichneter Künstler, ist Schüler des Raphael; er ist Veranlafsung, dafs andere Schülerdesselben, wie Perin del Vaga und II Fattore, nach Neapel gehen. Später treten hier auchauf kurze Zeit An. Carracci und Domenichino auf. Doch arten diese Einflüfse durch die Nea-politaner selbst immer sehr bald in verderbliche Manier aus, so wie die Carracci mit ihrerakademischen Lehre Spagnoletto und Conca veranlafsen, mit zum Thcil sehr unverdienstlichenWerken aufzutreten. Venedig allein unterscheidet sich von diesen Küstenländern durch eineentschiedene charakteristische Richtung, ohne fremde Einflüfse, wenn man die durch Anto-nello von Messina dahin gebrachte Ölmalerei nicht als einen solchen ansehen will.
Das Ende des 16ten und der Anfang des 17ten Jahrhunderts bezeichnet fast durch dieganze Europäische Kunstwelt den Verfall der Kunst. Die Veranlafsungen sind dazu so viel-fältig, aber so tief auch in der Geschichte der verschiedenen Staaten begründet, dafs es nurum so einleuchtender wird, wie die Kunst von der Weltgeschichte nie zu trennen ist, son-dern aus derselben hervorgeht und dadurch bedingt wird.
Der Schule der Carracci zu Bologna gebührt in dieser trostlosen Zeit der Ruhm, durchErnst und Fleifs, und durch das Studium der Natur, der Antike und der Werke der grofsenMaler, dem gänzlichen Verfall der Kunst entgegen gearbeitet zu haben; und obgleich sie da-durch einem eklektischen Prinzipe den Eingang verschaffen, so haben sie sowohl als ihre Schu-len noch eine grofse Anzahl vortrefflicher Werke geliefert, die sogar noch jetzt in der Reiheder ihnen vorangegangenen Meister glänzen, deren Nachahmer sie 'waren.
Auffallend ist es, und als eine psychologische Merkwürdigkeit anzusehen, dafs gerade dieseletzte declinirende Periode der Kunst bei zwei grofsen, in strenger Eigentümlichkeit sichimmer bewahrenden und jedes Fremde fast verhöhnenden Nationen, nämlich bei den Englän-dern und Franzosen, die Zeit ist, in der sie eine vaterländische Kunst von Bedeutung haben.Mit der eigentlich veraltenden Kunst, mit den wifsenschaftlichen Kunst-Anstalten, den Akade-mien, fängt ihre nationale Kimstperiode an! Nur Fremdes, nur Wifscnschaftlich.es der Kunstkonnte diefs hervorrufen. Die Werke von Lc Sueur, Le Brun, Poussin, Claude und den Eng-ländern West und Reynolds bestätigen gewiss meine Ansicht.
Wie nun die frühesten Jahrhunderte die wieder auflebende Kunst als fromme, fleifsige Die-nerin der Kirche bezeichnen könnten, so tritt dieselbe jetzt, und zwar vorzüglich in Frank-reich, als eitle Dienerin der augenblicklichen Moden hervor; und die Oper, das Ballet unddie vollständigste Verwirrung in den Costümcn geben zu galanten Bildern voll allegorischerSchmeicheleien der Könige und Grofsen der Erde, die als Götter mit Allongen-Perücken er-scheinen, die reichste Veranlafsung, und es fällt von hieraus die Kunst, ganz in das eitle ge-sellige Leben der Zeit übergegangen, von talentvollen Leuten zwar ausgeübt, durch die Bou-cher's, Vanloo's, Greuze's, in ein fast namenloses Nichts, dessen Einflüfse sich aber dennochdurch das Ansehen der Zeit Ludwig des 14ten mit seinem angestaunten Frankreich in sehrnachtheiligen Folgen auf die benachbarten Staaten bemerkbar machten. Gewiss ist diese in-teressante Erscheinung der Kunst in Frankreich, ihr schnelles Verblühen und Verfallen an dieZeit, ohne alle Selbständigkeit, nicht anders als durch die Eigentümlichkeit des Volks, seinerLage, seines Klima's zugleich und seiner an politischen Kämpfen so reichen Zeit zu erklären,abgesehen von demjenigen, was auch ihm in dem grofsen Verfall der Kunst in ganz Europa,als einem Theil desselben, nicht allein anzurechnen ist.
Ich glaubte dem Eingange dieser Bemerkungen, welche sich blofs darauf beziehen, es insLicht zu stellen, wie bei grofsen königlichen Sammlungen von Kunstwerken das Prinzip der