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BEILAGE A.
Kunstbestrebungen zu betrachten sein dürfte, und die, neben der eigentlichen Geschichte derKunst, „auch diefs Verhältnis, als ihr Terrain", zu einer Bedingung ihrer Leistungen machenkönnte, da es auffallend ist, wie übereinstimmend die ähnlichen eben genannten Berüeksich-ü'Hinaen zugleich auch die damit zusammenhangenden Leistungen erscheinen lafsen.
Ich mufs hier bemerken, dafs, indem ich zur Charakterisirung einzelner Schulen in Bezugauf „geographische Lage und Klima" übergehe, ich mich nur auf Malerei beschränke, da die-selben bei der Architektur schon längst erwiesen, und von vielen geistreichen Architekten be-rücksichtigt und beachtet, immer als bedeutende Motivirung ihrer Formen und Einrichtungenangenommen worden sind. Was die Sculptur betrifft, so werden dieselben Modifikationen ge-wiss ebenfalls zu erweisen sein, — indem das innerste Leben der Kunst, welches allen dreiKünsten gemeinschaftlich gehört, gewiss am ersten durch genannte äufsere Verhältnisse ver-schiedentlich angeregt wird, sofern überhaupt denselben ein Einilufs zugestanden werden kann,— und wenn die Farbe auch keine solche Modifikation ist. Da Polychromie der Sculpturnoch sehr problematisch, als Mittel für dieselbe, im Hintergrunde steht, so möchte der Bild-hauer, um etwas Aeufserliches zu nennen, bei der Wahl des Materials sich unter NordischemHimmel doch eher für Bronze entscheiden, und milderen Himmelstrichen den Marmor, dasElfenbein und andere leicht verwitternde Matcrialc anvertrauen, wodurch die „äufscren Er-scheinungen" sich ganz verschieden gegen einander charakterisiren; unabgesehen von der Sec-lenstimmung, in w r elcher bei ganz verschiedenem Himmel das Werk coneipirt und durchge-führt worden ist.
Wenn wir die Productioncn der einzelnen Schulen zugleich mit ihren „localen Umgebungenbetrachten", so sehen wir, dafs „ähnliche Verhältnisse ähnliche Leistungen" hervorbringen.
Antoncllo von Messina bringt aus der Eyck'schcn Schule nach Venedig das Geheimnis derÖlmalerei. Wenngleich man die Mischung der Farben mit Öl schon früher gekannt, so wa-ren sie bis dahin doch nicht zur Ausführung von Kunstwerken angewendet worden. Derdurch diese Mischung erhöhte Glanz und die Kraft derselben war den Venctianern ein höchstwillkommenes Mittel, um die Eindrücke der sie umgebenden, durch ein feuchtes Klima undstarken Sonnenschein schön gefärbten Natur darzustellen: feuchte gefärbte Nebel geben denKüstenländern einen Zauber und Reiz, der die Verzweiflung der Maler genannt werden kann.Was aber darin zu leisten ist, um solche Wirkungen wiederzugeben, haben Vencliaucr, Hol-länder und Niederländer geleistet, mit allen ihnen zu Gebot stehenden Mitteln. Wie in sol-chen Beleuchtungen die Conture verschwimmen, so ist diefs auch in ihren Bildern, und jemehr sie der sie umgebenden Natur in dieser Hinsicht Meister wurden, je mehr beherrscht siedieselbe auch, da sie ihnen bei jedem Schritt entgegentrat in dieser Pracht und Herrlichkeit,so dafs die Gegenstände nur da zu sein scheinen, um als Träger dieser wunderbaren Farben-Effekte zu dienen.
Der Glanz der Farbe verbreitet sich von Venedig aus über Italien; und alle Schulen erken-nen diesen Vorzug bei den Venctianern an, und nehmen sie zum Vorbilde: doch ist es merk-würdig, dafs dieser Farbenglanz sich von dort aus nur über Ferrara (wo Ortolano, DossoDossi, Mazzolino und Garofalo, die Tiefe der Farben, besonders in den Gewändern, im höch-sten Grade entwickelten) bis Bologna, weniger Parma und Verona, verbreitet, und keine die-ser Schulen es je mit den am Meere gelegenen Venctianern aufnehmen konnte.
Obgleich England in dieser Zeit noch keine eigene Kunst besafs, so hat es später, wodurch Fremde sie daselbst eingeführt wurde, in seinem neblichten Klima, der Niederländischen