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BEILAGE A.
Märtyrer und heilige Frauen auf Goldgrund, noch gleich Fürsten und Fürstinnen der Kirchedie reichgeschmückten Throne der Dreifaltigkeit und der Heiligen Jungfrau umgeben, wo alleVorstellungen dieser Art wie meteorische Erscheinungen am Himmel aufgefafst sind, entfer-nen sich die späteren Meister immer mehr. Und um nur einen der vielen Namen zu nennen,welche durch ganz Italien davon zeugen, erwähne ich Fra Angelico da Fiesole, als fast letz-
ten Florentiner dieser Richtung
denn auch er geht durch seinen Schüler,
Benozzo Gozzoli
im Campo Santo zu Pisa, über in die idyllische Auffafsung des Alten Testaments, und Por-traits und sehr objeetive Studien der Natur verdrängen diese ganz ideelle Richtung des altenByzantinischen Kirchcnstyls. Es treten nun andere vorher nicht gealmete Vorzüge der For-menbildung, der Farbe und der Vollendung hervor, die, indem sie mehr in sinnlicher Rich-tung, im Anfange neben der grofsen geistigen Auffafsung der alten Schule dastehen, nachhersie immer mehr verdrängen. — Dieses Zeichen der Zeit, wie der orientalische Hauch mitseiner Strenge zugleich in den alten Kirchenbildcrn von naturalisircnden Elementen überwun-den wird, ist ein ziemlich allgemeines, und es gilt diefs ebenfalls von den Schulen zu Köln,Aachen und Maestricht, welche durch die Schule zu Brügge des Hubertus und Jan van Eyckdenselben Uebergang zur Natur und deren sj)cziellen Nachahmung finden und ferner entwickeln,wenngleich die Zeitperioden nicht ganz genau übereinstimmend sind. Hinlängliche und sehrbelehrende Beweise hievon giebt die Sammlung der Incunabeln und der älteren Meister desKöniglichen Museums, indem sie zugleich auch die Epoche schon anzeigt, wo die Kunst ausKirchen und Klöstern hervortritt, um in das öffentliche Leben überzugehen.
Zu den eigenthümlichen Geheimnissen der Kunst gehört es, dafs gewisse „entschiedene Rich-tungen" sich in der frühesten Zeit, wie durch geographische Breite bestimmt, zugleich in denverschiedenen Theilcn von Italien, Deutschland und den Niederlanden bilden und dieselbenverfolgen, bis sie ihren Gipfelpunkt in der Mitte des löten Jahrhunderts erreichen, wo derTod mit unerbittlicher Strenge alle die Häupter der Schulen abfordert, und dadurch ihrerBlüten beraubt, und sie, gleich der abgeblühten Aloe, nur noch als grofse, weithin sichtbareStiele mit nach und nach verwelkenden Blättern eine Zeit lang fort vegetiren.
Es starben in dieser Epoche in Italien Giorgione da Castel Frauco 1511, Fra Bartolomcodella Porta 1517, Lionardo da Vinci 1519, Raphacl Sanzio 1520, Pietro Perugino 1524,Andrea del Sarto 1530, Francesco Francia 1530, Antonio Allegri da Coreggio 1534, M. An-gelo Buonarotti 1564, Titianus Vicellius 1576, Paul Veronesc 1588; in Deutschland AlbrechtDürer 1528, II. Holbein 1554. In den Niederlanden waren schon Jan und Hubert van Eyck,und Hemmeling gegen den Anfang dieses Jahrhunderts gestorben, bald darauf Rogier van derWeyde 1529, und M. Coxis 1554.
Obgleich die Annäherungen der Schulen gegen Ende des 15ten und Anfang des 16ten Jahr-hunderts durch Mittheilungen und Besuche häufiger als früher waren, so behaupten diesel-ben dennoch, bei zum Theil schonender Anerkennung, eine sich durchaus schroff gegenüber-stehende Eigentümlichkeit, deren Wurzel viel früher zu suchen und fast klimatisch-localeBedingungen haben könnte, doch sehr häufig in sehr kleinen Bezirken begränzt ist, wokaum von so grofsen Verschiedenheiten des Locals und des Klima's die Rede sein kann —wenn man nicht annehmen will, dafs die unbemerkbaren, fast unbewusien Einflüfsc dernächsten Umgebungen, bei der grofsen Sensibilität der Künstler, dennoch wohl Veranlafsungdazu geben könnten, so bedeutend einzuwirken. Diese Betrachtung führt mich noch einmalauf den „klimatisch-geographischen Standpunkt", aus dem die reiche „Verschiedenheit" der