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BEILAGE A.
höchsten Gipfeln in der grofsen unabsehbaren Oberfläche der Formationen der Erde. Aberwenn Jemand Flügel hätte, so dafs es ibm vergönnt wäre, von einem Gipfel zum andern zufliegen, — oder wenn er so gestellt wäre, dafs nur die ersten und edelsten Personen ihm nahendürften: wer würde nicht endlich sich sehnen, die Thäler kennen zu lernen, aus welchendiese Gipfel sich erheben, und das Volk in Masse zu sehen, welches Träger und Basis diesergrofsen Geister gewesen ist; und wer würde nun nicht mit dem grösten Antheil die Spurender ersten Entwickelung verfolgen wollen, die langsam durch Generationen bedeutender Gei-ster befördert, endlich zur Entstehung der bedeutendsten Werke der Kunst die Veranlafsunggegeben haben, und es zugleich bestätigen, wie jede vorhergehende Periode die folgende müt-terlich im Schoofse trug, bevor sie an das Liebt trat.
Die Seltenheit der Schönheit und deren Hervortreten wird um so begreiflicher, wenn manden langsam pulsirenden Gang einer fast organischen Entwickelung bis zu diesen einzelnenHöhenpunkten beobachtet; und es ergiebt sich, dafs der höchste Werth des vorzüglichstenKunstwerks schon theilweise keimartig in der ganzen ihr vorhergegangenen Zeit enthalten ist,und jede Stufe früher schon ein bestimmtes Organ mehr oder weniger entwickelt zeigt, wo-durch dieselbe in der Zeitfolge einen sehr ehrwürdigen und bezeichnenden Platz in der Ge-schichte dieser Gipfelpunkte einnimmt. Eben so entschieden wird im Gegensatz dem aufmerk-samen Beobachter der Zeit und ihrer Kunsterzeugnisse auch das Stillstehen, Verblühen undHinabsinken derselben entgegentreten; und es werden sich Stufen nachweisen lafsen, welche,die Keime des Verderbens verbreitend, das endliche charakterlose Vegetiren der Kunst unaus-bleiblich herbeigeführt haben: wie diefs wieder die Geschichte mit Kunstwerken aller Artbelegt und bestätigt.
Wie schon an jeder Pflanze der kalte oder günstige Himmel seine Spuren zurückläfst, sosind bei diesem grofsen Baume der Kunst auch die Zeiten des Glücks und der Begünstigungnur zu sichtbar; und es ist wieder die Zeit mit ihren eigenthümlichen Verhältnissen, welcheauf die Werke der Kunst ihren Stempel drückt. Noch mehr, es ist gewiss, dafs nicht alleKeime, welche die Zeit hervorbringt, gleichmäßig entwickelt werden, sondern es gehen vieleunter, ehe sie diejenige Vollendung erreichen, deren sie nach ihrer Anlage fähig gewesenwären. Es treten andere daneben; der Himmel ist ihnen günstiger, diese werden entwickelt,jene vertrocknen oder bleiben stehen wie sie waren.
Es ist also mit Wahrheit anzunehmen, dafs die mögliche Vollendung der Kunst in allenBedingungen, selbst in den höchsten Momenten derselben, nie allen Hoffnungen entsprochenhat, zu welchen vorhergegangene Epochen berechtigten: sondern es werden sich grofse Ei-genschaften zerstreut bei verschiedenen Schulen, Nationen und bei verschiedenen Künstlernauf eine öfter höchst wunderliche und eigenthümliche Weise gesondert von einander vorfin-den, die uns als vielversprechende Anfänge zu neuen Bestrebungen um so mehr begeisternkönnen, insofern sie, nicht entwickelt, noch jetzt als Keime vorhanden, einer spätem glück-lichern Zeit wie aufgehoben uns erscheinen. Auch diefs belegen Monumente, selbst sehr frü-her Epochen, dem einsichtsvollen und aufmerksamen Beobachter.
Um diefs cinigermaafsen durch Beispiele zu beweisen, erinnere ich, wie die frühesten Typender Christlichen Kunst eine Gröfse und ein Pathos haben, das sich kaum durch zwei Jahrhun-derte in demselben Maafse nachweisen läfst. Von dieser von Byzanz herkommenden, und inder Zeit des Dante durch die Schulen des Andrea Orgagna, des Guido da Sicna, der Schuledes Giotto entwickelten Gröfse in Auffafsung religiöser Gegenstände, wo Apostel, Heilige,