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EINFLUSS DER LITTERATUR AUF DIE
Gebilde einer Kunst ins Auge, die eine Fülle theils religiöser, theils auchganz örtlich patriotischer Gefühle unverkennbar ausprägten; die nicht, wieman es gewohnt war, aus ästhetischen Reflexionen erwachsen waren,gleich den Reizen einer Buhlerin, sondern aus dem Überströmen der in-nigsten Gefühle und ernstlichsten Absichten des gesammten Daseins.
Ich verkenne nicht, dafs Vielen, die auf die bezeichnete Weise von je-nen alten Kunstwerken ergriffen wurden, das Weshalb und das Wohinausnie völlig klar geworden ist. Woher sonst wäre die Nachäffung ihres blofsZufälligen entstanden, an welcher unsere Kunstbestrebungen so lange ge-krankt haben? Allein gewiss bin ich, dafs Alles, was in der Bewunde-rung der früheren Kunstalter baarer Ernst war, und bis zuletzt ausgehal-ten hat, eben nur auf einer unwillkürlichen Sympathie mit ihrer Ernst-lichkeit, Innigkeit, mit ihrem zwanglosen Hervorgehen aus einem reel-len Boden entsprungen ist, welchen die Kunstepoche bis Rafael vor allenrein ästhetischen der spätem Zeit voraus hat. Die ächte Schönheit inder Kunst ist den lebendigen Blüten vergleichbar, die einer Wurzel, einesStammes und der Blätter nicht entbehren können; die falsche aber gleichtden gemachten Blumen von Papier, Band und Flor.
Wie nun diese frische Theilnalime an den Werken der älteren Kunst-epochen erweislich in der Mitte der Genofsenschaft Deutscher, in Italienreisender oder verweilender Künstler sich erhoben hat, so ward sie auchvon dort aus durch Künstler nach Deutschland übertragen, und eben je-nen Litteratoren zugebracht, denen die bekannte Streitschrift der Weima-rischen Kunstfreunde die ersten Anregungen dieser Art sehr unhistorischbeimifst.
Denn wie ganz unschuldig jene geistreichen Begründer einer neuen litte-rarischen Richtung, die Schlegel, Tieck und Andere mehr, an dem bezeich-neten Umschwünge der Ansichten und Hinneigungen der Künstler waren,erweist sich aus ihren Schriften völlig überzeugend. Tieck und Wacken-roder priesen den Watteau, weil dessen Individualität, A. W. Schlegel den