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NEUEREN KUNSTBESTREBUNGEN DER DEUTSCHEN.
Lanzi, seine Geschichte der Italienischen Kunst, welches viel Aufsehnmachte, und häufig sogar von Deutschen Künstlern gelesen wurde. Lanzihatte für ältere Kunstepochen den Vasari stark benutzt, und in seiner rhe-torischen Weise, dessen Lobsprüche alter, langvergefsener Meister auchwohl noch übertrieben. Auch hatte er selbst, wie so manche noch frü-here Kenner (siehe die lettere pittoriche des Botlari), den Wunsch aus-gesprochen, dafs neuere Künstler die Werke der alten und ganz alten stu-dieren möchten; denn Rafael, sagt er, sei von diesen ausgegangen, alleinvon Rafael selbst Niemand, der ihm zu vergleichen sei.
Was in Italien als eine geistreiche Paradoxie aufgefafst und schnell ver-gefsen ward, traf hingegen bei den Deutschen, die zu Rom der Kunst ob-lagen, eine tiefere Saite des Gemüthes. Man fühlte, dafs jener leichtsin-nig hingeworfenen Behauptung des Italieners etwas Wahres zum Grundeliege, wünschte dem weiter nachzuspüren; woher die Wanderungen nachToscana und Umbrien ihren Anfang nahmen. Jene des Büri und Hirt sindnoch in Erinnerung, obwohl man vergefsen zu haben scheint, dafs auch dertreueste Verbündete Goethe's, Heinrich Meyer, damals nach Toscana einenAbstecher gemacht hat, von welchem das romantisch-ästhetische Resultatnach einiger Zeit in den Propyläen ist abgedruckt worden.
So viel, um zu beweisen, wie alt bei den Künstlern unsrer Nation je-ner vielbesprochene Hang und Zug sei: ihr eignes eigenthümliches Strebendurch ein ernstliches Studium der Kunstrichtungen des Mittelalters, welcheauf allen Stufen ihrer äufsern Entwickelung, der niedrigsten wie der höch-sten, ganz aus dem jedesmaligen Zustande des Volks- und Geisteslebenshervorgegangen sind, sich selbst verständlicher und deutlicher zu machen.Denn, abgesehn von dabei hervorgetretenen Flachheiten, war das Wesent-liche in dieser Wendung der Dinge eben nur dieses: dafs in den Gegen-ständen, welche man nunmehr der Beachtung, bald auch der Bewunderungwerth fand, ein Etwas lag, welches den tieferen Zügen und Neigungender Seelen wunderbar zusagte. Man fafste plötzlich die langübersehenen
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