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ROM.
Overbeck besitzt ein äufserst klares und bestimmtes Anschauungsvermö-gen und eine sehr feste und geschickte Hand, welche beide es ihm mög-lich machen, seine Compositionen gewissermafsen nur niederzuschreiben.Bei dem Zeichnen nach der Natur entwickelt er dieselbe Leichtigkeit, undso soll er öfter Acte nach dem Modell ohne Fehlstrich mit der Feder ge-fertigt haben. Dennoch arbeitet er sehr langsam, um seinen Werken diegrostmögliche innere und äufsere Vollendung zu geben. Obschon für Fres-comalerei durch einen feinen Farbensinn und technische Fähigkeiten beson-ders ausgerüstet, zieht er doch die Ölmalerei vor, die ihm gröfsere Frei-heit in Betreff der Zeit giebt, und vielleicht auch seinem Triebe nach aus-führlicher Behandlung mehr entspricht. Seine Gegenstände wählt er aus-schliefslich aus dem Gebiete der Christlichen Religion mit Inbegriff derLegenden. Er ist mit seinem ganzen Gemüthe in seinen Werken, undeine Aufgabe, bei der er nicht so und mit voller Überzeugung verweilenkönnte, würde er nie lösen. Dieser Zug abgeschlofsener Subjectivität,den er, wie manchen andern, mit Fra Beato Angelico gemein hat, giebtallen seinen Werken das eigenthümliche Gepräge der Innigkeit und Wahr-haftigkeit; man sieht seinen Gestalten an, dafs sie keinen Schmerz undkeine Freude, keine Reue und keine Seligkeit, keine Liebe und keinenHafs äufsern, die er nicht vorher in tiefster Seele empfunden hat und im-mer fortempfindet. Und so sind seine Kunstschöpfungen in einem strenge-ren Sinne noch, als bei Anderen, Zeugnisse seines Lebens und seiner Ge-sinnung; freilich aber auch um eben dieser Ursach willen durch seine Sub-jectivität beschränkt, und oft, namentlich bei allen Darstellungen der Gröfseund Leidenschaft, wegen der bei ihm vorherrschenden Unsinnlichkeit, ohnehinlängliche Kraft, und trotz aller Wahrhaftigkeit fast zur Unwahrheit ver-geistigt, wenigstens entkörpert.
Von Allem, was das menschliche Gemüth bewegt, gelingt ihm der Aus-druck frommer Hingebung und stiller Seelenseligkeit am besten. In sei-nen Compositionen ist er einfach, klar, die Haupthandlung in Hauptmassen