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ROM.
Lebens, das in Rom besonders eigentümlich und an künstlerischen Moti-ven reich ist, in diesen rein natürlichen Darstellungen, glauben wir, denKünstler auf seiner höchsten Höhe zu sehen; seine derartigen Werke rei-hen sich unmittelbar an die Antike.
Von der Natur aufwärts öffnen sich dem Künstler die beiden Reiche derPoesie und der Religion. Für die Natur bedarf er des offenen und klarenSinnes, für die Poesie der Phantasie, für die Religion des Glaubens. Uns,denen die Religion der Griechen nur noch poetische Wahrheit hat, wirdes nie gelingen, in ihren Darstellungen die Alten zu erreichen; was mandaher auch von den besten Götterstatuen und mythologischen Darstellun-gen der Neuern rühmen, wie nahe man sie der Antike stellen mag, wievollkommen sie allen Anforderungen, der Naturgemäfsheit, Schönheit undAusführung genügen: die Seele der alten Kunst fehlt ihnen, und zwischenbeiden ist eine ewige Kluft. Wenn aber die Mythologie nicht als Religionin uns lebt, wenn das Übernatürliche in ihr für uns zur Poesie wird, soist unser Sinn dafür die Phantasie. Dieses innere Ange Thorwaldsens istso klar und durchdringend, wie sein äufseres (für die Natur); alle Schön-heit und Anmuth der alten Sagen und Charaktere hat er erkannt, und weifssie mit Leichtigkeit in seinen mythologischen und poetischen Darstellun-gen wiederzugeben. Nur bei Übergängen in die Allegorie hat er zuwei-len Wege eingeschlagen, die für jeden Nachfolger gefährlich sein dürften.Geschichtliche und solche Darstellungen aus dem Alten Testament, dienicht gerade dogmatische Bedeutung haben, dürfen wir in das Gebiet derDichtung zählen, und also zu denen, in welchen Thorwaldsen meisten-theils glücklich und grofs ist.
Was nun die Christlich religiösen Darstellungen betrifft, so hat Thor-waldsen sehr wohl ihren Supranaturalismus erkannt, allein, gleich wie dender Mythologie, als Poesie. Nur vom poetischen Standpunkt aus hat ersie erfafst, und was sich von dieser Seite mit Hülfe der Antike ihnen ab-gewinnen läfst, gewiss erreicht. Auch in dieser Beziehung, wie seiner