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DEUTSCHE KUNST.
Auf seine Veranstaltung ging Carstens nach Berlin, wo er indess bald wie-der in die äufserste Dürftigkeit gerieth. Um sein einziges Ziel, die Histo-rienmalerei nicht mehr aus den Augen zu lafsen, hatte er sich fest vor-genommen, kein Bildnis mehr zu malen. Lieber arbeitete er für wissen-schaftliche Werke, und namentlich zeichnete er die Figuren zu »MoritzGötterlehre« und zu »Ramlers Mythologie.« Eine grofse Zeichnung end-lich, den Sturz der Engel vorstellend, die er 1790 auf die Ausstellung inBerlin gab, machte auf das ungewöhnliche Talent, auf seine kühne Phan-tasie und seine klare Einbildungskraft aufmerksam, und man gab ihm, vor-nämlich auf Betreiben des Professors Moritz, an der Akademie der Künsteeine Professur mit 150 Thalern (später 250 Thalern) Jahrgehalt.
Wie drückend auch noch immer die Verhältnisse waren, in denen Car-stens lebte, so fühlte er sich doch seinem Ziele um vieles näher, ja erkam demselben imvermuthet ganz nahe, indem ihm durch seinen Freund,den Architekten Genelli, der Auftrag des Ministers von Heinitz ward, einenSaal im Palais Dorville al fresco auszumalen. In neun Feldern auf dunk-lem Grunde stellt er Komus, den Gott des Lebensgenufses, dar, unge-fähr wie Philostrat ihn beschreibt, aber in neun gesteigerten Momenten,von der Vorbereitung zu seinem Tanze, bis zu dem, wo er berauscht undermüdet einschlummert, und gleichsam zum Genius des Todes wird; und ineilf lunettenförmigen Räumen Apoll, Mnemosyne und die neun Musen.Die Arbeit war vollkommen gelungen*. Bei der Einweihung des Saales,wobei die Königliche Familie gegenwärtig war, wurde Carstens vom Mi-nister dem Könige vorgestellt, seiner besonderen Gnade empfohlen, underhielt auf der Stelle die Einwilligung zu einer Reise nach Rom.
Danach hatte Carstens unabläfsig gestrebt. In dem unmittelbaren, ver-trauten Umgange mit den Werken Rafaels und Michel-Angelo's und denender alten Griechen und Römer sah er mit Zuversicht das Mittel seinerVervollkommnung, die Möglichkeit der Entwickelung aller noch in ihm
* Gegenwärtig existiren diese Malereien nicht mehr.
m.